Berlin - Die Niederlage im Champions-League-Endspiel tut Ilkay Gündogan immer noch weh. Vor dem Halbfinal-Rückspiel gegen Real Madrid am Mittwoch (21 Uhr/DAZN) dient der verpasste Triumph in der Königsklasse als Ansporn für Manchester City und Pep Guardiola. „Wir wollen es besser machen als im letzten Jahr“, betonte Gündogan. „Wir werden also gut vorbereitet für Mittwoch sein, wir sind voller Selbstvertrauen, und es wird ein großes Spiel, da bin ich mir sicher.“

Ob das Publikum im Bernabeu-Stadion erneut ein Torfestival zu sehen bekommt? Das spektakuläre Hinspiel in Manchester war ein offener Schlagabtausch und endete 4:3 (2:1). Nachdem City die Partie zunächst dominiert hatte, kam Real durch Karim Benzema zurück. „Sie sind eins der großartigsten Teams der Geschichte“, warnte Gündogan vor dem Wiedersehen, „man sieht also, was das für eine Herausforderung ist.“

Real Madrid hat bereits die spanische Meisterschaft gewonnen

In Madrid liest und hört man dieser Tage von der „Operación Remontada“, der „Operation Aufholjagd“. Nach spektakulären Comebacks im Achtelfinale gegen Paris Saint-Germain und im Viertelfinale gegen Chelsea sprühen Fans und Medien in Madrid vor Optimismus. Zumal sich der Rekordmeister der Primera División am Sonnabend durch ein 4:0 gegen Espanyol vorzeitig seinen 35. Liga-Titel sicherte.

Trotz der bevorstehenden schweren Aufgabe gegen Man City wurde am Madrider Cibeles-Platz – und laut Medien anschließend auch privat - viel gefeiert. „Die Meisterparty ist gut für die Moral“, beteuerte Real-Coach und Motivationsguru Carlo Ancelotti. Bereits auf der Meisterparty im Zentrum der Hauptstadt hatte „Don Carlo“ den rund 150.000 Fans energisch zugerufen: „Jetzt holen wir uns City!“ Und auch am Dienstag klang der Italiener positiv: „Wir haben viel Selbstvertrauen“, versicherte Ancelotti – und Mittelfeld-Routinier Luka Modric schloss sich dem an. Trotz der 3:4-Niederlage im Hinspiel sei die „Stimmung sehr gut“, sagte Ancelotti. Modric erklärte auch, warum dies so ist: „Im Hinspiel haben wir nicht unsere beste Leistung gebracht und haben trotzdem drei Tore erzielt. Morgen müssen wir es besser machen und werden es auch tun.“

Aber: Englands Meister schoss sich am Sonnabend ebenfalls mit einem 4:0 in Leeds für die Königsklasse warm – und verteidigte Platz eins in der Premier League. In der Liga haben die Cityzens einen Punkt Vorsprung auf Verfolger FC Liverpool. Das Double ist möglich. Doch es ist ein offenes Geheimnis, dass der noch fehlende Titel in der Champions League bei Starcoach Pep Guardiola und den reichen City-Inhabern aus Abu Dhabi oberste Priorität genießt – erst recht nach dem verlorenen Finale gegen Chelsea (0:1) vor einem Jahr. Laut einer Umfrage der Manchester Evening News sehen es die City-Fans genauso. Unabhängig vom Ausgang des Halbfinals erwartet der Trainer, dem ein internationaler Titel mit City noch fehlt, ein gutes Spiel mit „zwei guten Teams“ in Madrid. „Wir haben gesehen, wie sie vor einer Woche gespielt haben“, so Guardiola. „Sie sind Meister in Spanien, wir versuchen hier (in England) Meister zu werden.“

Pep Guardiola möchte endlich seinen ersten internationalen Titel

Für die Königlichen ist das Duell gegen City in erster Linie eine Abrechnung mit dem ungeliebten Guardiola, der als Trainer des Erzrivalen FC Barcelona den Madrileños zwischen 2008 und 2012 eine lange Leidenszeit bescherte hatte und so zum „Feind Nummer eins“ wurde. Laut AS ist es zudem ein Kampf „Geschichte gegen Scheckheft“. Seit Guardiolas Verpflichtung 2016 hätten die Scheichs in Manchester knapp 1,1 Milliarden für Verstärkungen ausgegeben, Real im selben Zeitraum „nur“ 609 Millionen, immerhin 77 Prozent weniger.

Um das Finale am 28. Mai in Paris zu erreichen und um den 14. Titel zu spielen, setzt man in Madrid vor allem auf den 34-jährigen Benzema. Der Franzose traf in den bisherigen fünf K.-o.-Spielen neun Mal, zwei Mal gegen City. Was Real Sorge bereitet: Eine Niederlage im Halbfinal-Hinspiel der Champions League konnte man in zuvor acht Versuchen nie wettmachen. Und dann ist da auch noch Pep: Bei neun Gastauftritten im Bernabéu verlor Guardiola nur einmal.