Manchester - Ole Gunnar Solskjaer lachte, als er Manchester United nach gefühlter Ewigkeit wieder an die Tabellenspitze geführt hatte - und schickte eine mutige Kampfansage an Jürgen Klopps FC Liverpool. „Wir hätten uns keinen besseren Moment wünschen können, um dorthin zu reisen“, sagte der Teammanager des Rekordmeisters, denn durch den 1:0 (0:0)-Sieg beim FC Burnley verdrängte Solskjaer am Dienstag Klopp vom Platz an der Sonne.

Und er ist vor dem großen Showdown der rivalisierenden Großklubs plötzlich moralisch im Vorteil. Drei Punkte liegt ManUnited, das nun 36 Zähler verzeichnet, nach 17 Partien vor Klopp und Liverpool.

Am Sonntag (17.30 Uhr/Sky) könnten es schon sechs sein, falls die Red Devils das Top-Spiel der englischen Premier League an der Anfield Road gewinnen. Es fühlt sich nach dem schwierigen Start des 20-maligen Champions in die laufende Saison unwirklich an, aber die Titelchancen sind real.

Zuletzt lag United 2013, in der Abschiedssaison des legendären Sir Alex Ferguson, zu einem solch späten Zeitpunkt in der Tabelle ganz vorne. Es endete mit dem bislang letzten Meistertitel.

Renaissance von Paul Pogba

Überhaupt hatte ManUnited, damals noch unter Jose Mourinho, im September 2017 letztmals die Rangliste angeführt - zu Beginn einer Saison sagt dies jedoch bekanntlich wenig aus. Jetzt ist die Lage anders. Elf Ligaspiele in Folge hat das Solskjaers Team nun nicht verloren, neunmal gewann es davon.

Besonders dreckige Erfolge wie gegen die Betonmischer vom FC Burnley - das Spiel wurde erst spät durch einen abgefälschten Fernschuss von Superstar Paul Pogba (71.) entschieden - sind ein Zeichen von Reife. „Das zeigt, dass wir bereit sind, um den Titel mitzuspielen“, sagte Mittelfeldspieler Nemanja Matic. Sie müssten das jetzt aber „schnell vergessen und uns auf das nächste Spiel konzentrieren“, so der Serbe weiter.

Ähnlich sah das auch sein Chef. „Niemand erinnert sich an die Tabelle vom 12. Januar“, mahnte Solskjaer. Der Norweger, der schon öfter abgeschrieben wurde, weiß um die Situation in Manchester. Ja, mit Pogba, Sturm-Juwel Marcus Rashford oder dem genialen Spielmacher Bruno Fernandes hat sein Team Spieler der Extraklasse im Kader. Aber die wurde lange genug nicht in Ergebnisse umgewandelt.

Im vergangenen Spätherbst stand zwischenzeitlich gar Platz 15 zu Buche, eine 1:6-Demütigung gegen Tottenham Hotspur war der Tiefpunkt, aber im November löste sich der Knoten wie auf magische Weise und die aktuelle Serie spülte den Klub bis auf die Eins. „Vor sechs bis acht Wochen hätte man nicht einmal geglaubt, dass sie irgendwo auch nur in der Nähe sein könnten“, sagte United-Ikone Gary Neville bei Sky.

Der Aufschwung hat unter anderem auch mit der Renaissance des Paul Pogba zu tun, dessen Berater Mino Raiola Anfang Dezember noch von einem Winter-Wechsel gesprochen hatte. Doch auf einmal spielt der französische Weltmeister wieder klasse auf und entscheidet Schlüsselspiele wie in Burnley.

„Er ist ein guter Charakter in der Kabine und auf ihn schauen die Jungs immer, denn er ist Weltmeister“, sagte Solskjaer: „Wir sehen den besten Paul im Moment.“ Und womöglich auch das beste United seit Jahren.