Manuel Neuer im Kroatien-Urlaub.
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BerlinManuel Neuer ist bestens gelaunt, richtig entspannt. Einige Wochen vor der Wiederaufnahme der verbleibenden Spiele in der Champions League lässt es sich der Nationaltorhüter mit seinem Torwarttrainer, Trauzeugen und engen Freund Toni Tapalovic in Kroatien gut gehen. In einer Strandbar in Dubrovnik sitzt die Reisegruppe gemeinsam mit anderen, vornehmlich älteren Männern zusammen. Einer stimmt ein Lied mit seinem Akkordeon an, die Truppe singt mit, etwas schief, dafür umso lauter. Ein schöner Tag, mag Manuel Neuer gedacht haben.

Dass sich, nur wenige Tage nach Neuers Strandbar-Abenteuer, die halbe Bundesrepublik genau darüber echauffiert, hätte sich der 34-Jährige zu diesem Zeitpunkt wohl kaum gedacht. In den sozialen Netzwerken kursiert ein Video der eingangs beschriebenen Szene, für das der Nationaltorwart nun heftig kritisiert wird. Nicht etwa wegen seiner Gesangskünste, sondern vielmehr wegen des angestimmten Liedes.

„Lijepa li si“ („Du bist so schön“) handelt von der Liebe zu Kroatien und der Schönheit des Landes. Eigentlich unproblematisch, wäre da nicht der Interpret. Marko Perkovic, der sich in Erinnerung an seine Maschinenpistole im Kroatienkrieg den Künstlernamen „Thompson“ gab, gilt in seinem Heimatland seit langem als großer Rockstar, außerhalb Kroatiens aber als nationalistisch bis rechtsextrem. In die Niederlande darf Perkovic deshalb, beispielsweise für Konzerte, nicht einreisen.

Bei der Weltmeisterschaft 2018 motivierte sich die kroatische Fußball-Nationalmannschaft in der Kabine mit den Liedern Perkovics, nach dem Erreichen des zweiten Platzes durfte der Sänger beim Triumphzug durch Zagreb gar auf dem Bus des Teams mitfahren, weshalb sich unter den allgemeinen Jubel auch lautstarke Pfiffe von zumeist jungen Kroaten, die nichts mit der nationalistischen Kriegslyrik des Musikers anfangen können, mischten.

Kein kroatischer Musiker wird im Aus- und mittlerweile auch im Inland kontroverser diskutiert als Perkovic. Das hätte Manuel Neuer an diesem Sommertag in Dubrovnik wissen können, auch wenn er, wie er über sein Management verlauten ließ, weder Kroatisch spricht noch versteht. Dass er es hätte wissen müssen, ist von einem Fußballspieler womöglich zu viel verlangt.