Start des Berlin-Marathon 2019. Dieses Jahr fällt das Rennen aus.
Imago Images/Andreas Gora

BerlinHorst Milde ist als der Mann bekannt, „der Berlin das Laufen beibrachte“.  Er veranstaltete 1974 den ersten Berlin-Marathon. Mittlerweile ist das Rennen zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden, ein Event, an dem 45.000 Menschen aus aller Welt 42 Kilometer lang durch Berlins Kieze bis ins Ziel am Brandenburger Tor laufen. Zum ersten Mal ist der Marathon nun abgesagt. Die 47. Auflage findet wegen der Corona-Pandemie 2020 nicht statt, teilte der Veranstalter SCC Events mit.

Horst Milde sagt, er sei Vernunftmensch genug, um die Absage zu verstehen. „Das Risiko ist zu groß, wenn man sieht, was gerade in Gütersloh passiert. Und wenn man als Veranstalter an den Kanthaken genommen wird. Da zahlen Sie 25.000 Euro für jede Anzeige.“

Es ist ein Paradox der Corona-Zeit, dass der Laufsport boomt wie nie, gleichzeitig aber kaum Laufwettkämpfe stattfinden. Horst Milde, 81, joggt jeden Morgen durch Tempelhof. „Ich sehe ja jeden Tag die Läufer. Ich weiß, dass sie mit den Hufen scharren. Die, die jeden Tag trainieren, möchten antreten.“

Zum Berlin-Marathon reisen viele Teilnehmer aus dem Ausland an, aus Brasilien, Italien, Spanien. Reisebeschränkungen hätten Starts in Berlin für viele unmöglich gemacht. Berlins Straßen nur für 200 Eliteläufer sperren zu lassen, fand SCC-Geschäftsführer Jürgen Lock unverhältnismäßig. „Dass der Marathon in diesem Jahr ausfällt, ist natürlich ein riesiger Verlust für die Stadt. Nicht nur sportlich und gesellschaftlich, sondern auch wirtschaftlich. Es waren ja alle Hotelzimmer ausgebucht“, sagt Horst Milde.

Das Fehlen von Wettkämpfen macht der Laufszene zu schaffen. Auch Halbmarathons, 10-Kilometer-, Mittelstrecken- oder Crossläufe wie der Rennsteiglauf fallen 2020 aus. Dass der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) bei den deutschen Meisterschaften am 8./9. August in Braunschweig die Mittelstrecken, Hindernis- und Staffelläufe gestrichen hat, kann Horst Milde nicht verstehen. Als Vorsitzender von German Road Races habe er wochenlang versucht, „dass sich der DLV  für den Laufsport interessiert. Leider tut er das bis heute nicht.“ Warum beim Fußball 22 Spieler hintereinander herrennen dürften, aber zehn Mittelstreckler nicht auf die Bahn gelassen werden, kann Horst Milde nicht verstehen.

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