Der April hat begonnen und mit ihm die internationale Marathonsaison: Boston, Hamburg, Düsseldorf, Wien, Mailand, Rom, Leipzig, Paris, Zürich, London – überall stehen in diesem Marathonmonat Rennen über 42,195 Kilometer an. Berlin wartet an diesem Sonntag ab 9.30 Uhr mit Start und Ziel auf der Straße des 17. Juni für Inlineskater, Rollstuhlfahrer, Handbiker und Läufer mit der halben Distanz auf, ehe am 29. September der Berlin Marathon folgt.

Mark Milde vom SCC Running ist bei beiden Veranstaltungen Renndirektor. Diesen Dienstag war er dabei, als die Organisatoren der sechs größten Marathons, die sich als World-Marathon-Majors-Serie (WMM) zusammengeschlossen haben, bei einem Conference-Call eine Neuerung bekanntgaben: Die WMM intensivieren ihren Kampf gegen Doping.

Zusätzlicher Ermittler

Sie tun dies in Zusammenarbeit mit dem Leichtathletik-Weltverband (IAAF) sowie dessen unabhängiger Integritätskommission (AIU). „Das Programm für unsere Topathleten läuft schon seit 2015. Jetzt wurde es feinjustiert“, sagt Milde. „Wir denken, dass das jetzt schon ein sehr hoher Standard ist und dass denjenigen, die betrügen wollen, das Vorhaben ziemlich schwer gemacht wird.“

Ab sofort wird bei der AIU in Monaco ein zusätzlicher Ermittler eingestellt, der die Testmöglichkeiten verbessern soll. „Das besitzt wegen des kommerziellen Erfolgs von Straßenrennen Priorität“, sagte AIU-Chef Brett Clothier: „Diese Rennen bieten das meiste Preisgeld weltweit, daher gibt es auch ein hohes Doping-Risiko.“ Die großen Laufereignisse waren in den vergangenen Jahren durch Dopingfälle wie die der Olympiasiegerin Jemima Sumgong und Rita Jeptoo (beide Kenia), die dreimal den Boston- und zweimal den Chicago-Marathon gewonnen hatte, erschüttert worden. Beide waren positiv auf das Blutdopingmittel Epo getestet worden.

Schneller als die Betrüger

„Es ist bemerkenswert, dass private Rennorganisatoren entschieden haben, den höchstmöglichen Standard an Integrität für ihre Rennen zu verlangen“, sagte Clothier. Den noch engmaschiger angelegten Kampf gegen Doping finanzieren die Veranstalter der WMM in London, New York, Chicago, Boston, Tokio und Berlin gemeinsam. Offenbar handelt es sich um eine sechsstellige Summe, die höchste, die je für ein privates Testprogramm ausgegeben wurde.

Mark Milde sagt, der zusätzliche Mitarbeiter in Monaco werde bei bestimmten Topathleten Auffälligkeiten nachgehen, den Biologischen Pass, ihre Leistungen, Aufenthaltsorte und ihr Wettkampfprogramm prüfen sowie eventuell Nachtests anordnen. „Er wird versuchen, wie ein Geheimdienstmensch zu denken und schneller zu sein als die möglichen Doper.“

Ironman-Sieger startet beim Halbmarathon

Beim Halbmarathon am Sonntag in Berlin greift die verfeinerte Spurensuche nicht, allerdings gibt es für die Topathleten die herkömmlichen Dopingtests. Ein Prozedere, das Läuferinnen und Läufer wie die die niederländische Halbmarathon Europarekordlerin Sifan Hassan oder die Olympiastarter Philipp Pflieger aus Regensburg, Richard Ringer oder Anna Hahner kennen.

Prominentester Deutscher Teilnehmer ist am Sonntag vermutlich aber ein Triathlet: Patrick Lange, Ironman-Hawaii-Sieger von 2017 und 2018 aus Darmstadt wird erstmals die 21,0975 Kilometer in Berlin absolvieren.