Die Grenzen zwischen einem gesunden Beharrungsvermögen und einer krankhaften Arroganz sind fließend. Das hat ein bekannter Fußballcoach einmal gesagt, nicht wortwörtlich, aber so ungefähr. Joachim Löw ist das gewesen, der Bundestrainer, der seinen Hang zu einer gewissen taktischen Linientreue als „fast schon arrogant“ bezeichnete.

Ter Stegen beeindruckt

Nach diesem Dienstagabend hat Löw nun die Gelegenheit, seine Lernfähigkeit und Flexibilität unter Beweis zu stellen. In der Champions League hatte Borussia Dortmund den FC Barcelona zu Gast, und es waren vor allem zwei Spieler, die nachhaltig beeindruckten.

Bei den Gastgebern Mats Hummels, der gegen zunächst zwei, später drei Angreifer von Weltformat unter Kontrolle brachte, der gegen Luis Suárez, Antoine Griezmann und Lionel Messi überragend verteidigte und den Dortmundern so das 0:0 erhielt. Jener Hummels, den Löw im März aus der Nationalmannschaft entließ.

Bei den Gästen wiederum war es Marc-André Ter Stegen, nicht nur wegen eines gehaltenen Elfmeters von Marko Reus. Jener Ter Stegen, der die jüngsten Länderspiele der deutschen Nationalelf „Harter Schlag für mich“ nannte, weil er nur der Ersatzmann für Bayern Münchens Manuel Neuer gewesen ist. Ter Stegen, das darf man ohne Übertreibung sagen, einer der besten Torhüter der Welt.

Dabei waren eben diese Länderspiele, die zeigten, dass sich Löw zwar - wie vor einem Jahr angekündigt – auf den Weg gemacht hat, dass dieser Weg allerdings die deutsche Auswahl  im Kreis herumführt: bremsen, Gas geben, an Bekanntem und Bekannten festhalten, in Aktionismus verfallen.

Hummels gibt Sicherheit

In der Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 gegen nicht gerade übermächtige Nordiren geriet die Abwehr bedenklich ins Wanken. Der 31 Jahre alte Hummels hätte an der Seite von Jonathan Tah, 23, Niklas Süle, 24, und Matthias Ginter, 25, Sicherheit ausgestrahlt. Zumindest in der aktuellen Form.

Es ist immer leicht, aus der Distanz mal diesen, mal jenen Spieler zu fordern. Tatsächlich hätte die deutsche Elf auch in der aktuellen Löw’schen Zusammenstellung das Potenzial gehabt, souveräner aufzutreten, insbesondere im Duell mit Nordirland. Vielleicht sollte Löw also an einer ganz anderen Position eine Umstellung vornehmen. Seiner eigenen. Und vielleicht fängt er bei seiner Einstellung an. Wie sich das mit der Arroganz verhält, hat er ja immerhin schon erkannt.