Hohenstein-Ernstthal - Der Auftakt in den Heim-Grand-Prix auf dem Sachsenring verlief für Marcel Schrötter noch schleppend.

Erst gelang es dem Motorrad-Piloten bei einem Spaß-Event mit einigen Rennfahrerkollegen nicht, durch eine Scheibe Kontakt zu seiner Pressesprecherin aufzunehmen. Und später, als alle anderen Konkurrenten schon auf der Kartbahn unterwegs waren, stand Schrötter mit seinem elektrisch betriebenen Pitbike immer noch in der Boxengasse. Er wechselte das Gefährt und belegte in einem Rennen über wenige Runden den dritten Platz.

Das erste Podest ist dem IntactGP-Piloten also schon einmal nicht mehr zu nehmen. Ein weiteres, das am Sonntag beim Rennen (12.20 Uhr/ServusTV und DAZN), hätte für Schrötter natürlich eine größere Bedeutung. Schließlich geht es für den einzigen Stammpiloten aus Deutschland auf dem Sachsenring und eine Woche später im niederländischen Assen auch um die eigene Zukunft. Ein Wechsel zu einem anderen Team steht ebenso im Raum wie ein Engagement in der Superbike-WM oder eine Vertragsverlängerung.

Sein aktueller Teamchef Jürgen Lingg sagte kürzlich, dass Gespräche über eine weitere Zusammenarbeit bislang noch nicht stattgefunden hätten. Frühestens in der Sommerpause würden sich die Parteien zusammensetzen.

„Die Königsklasse wird immer der Traum bleiben“

Die Entwicklung beim deutschen Team stagnierte in den Vorjahren aber. Das ist auch Schrötter nicht verborgen geblieben. „Jetzt ist der Zeitpunkt, wo ich mir Gedanken machen muss und da es sportlich einigermaßen gut läuft, kann man auch Gespräche führen“, sagte der WM-Siebte der Deutschen Presse-Agentur. Eine Tendenz sei noch nicht absehbar.

Anfang Januar 2023 wird Schrötter 30 Jahre alt. Damit gehört er zur älteren Generation der Moto2-Serie. „Ganz oben auf meiner Wunschliste steht die MotoGP. Die Königsklasse wird immer der Traum bleiben.“ In Erfüllung geht dieser wohl nicht mehr. Zu groß ist die Konkurrenz junger Talente aus Spanien und Italien.

Landsmann Stefan Bradl - eigentlich nur noch MotoGP-Testfahrer - ist 32. Er muss sich um seine vertragliche Situation nicht sorgen, da er auch 2023 noch bei Honda unter Vertrag steht. Zudem ist er als Ersatzmann des verletzten Marc Marquez ohnehin wieder häufiger in der Rolle des Rennfahrers.

Der Bayer genießt die Auftritte, obwohl WM-Punkte in dieser Saison noch fehlen. „Die Lage ist für mich nicht ganz einfach, aber es ist ein Privileg, hier fahren zu dürfen. Ich weiß ja auch nicht, wie oft ich das noch erleben darf“, sagte Bradl.

Auch bei Schrötter ist nicht klar, ob er als Teil der Motorrad-WM noch einmal an den Sachsenring zurückkehren wird. Sollte er am Sonntag tatsächlich das letzte Mal dabei sein, möchte er sich mit einem Podest verabschieden. „Wenn wir es schaffen, eine gute Qualifikation hinzulegen, ist im Rennen eine Menge möglich“, sagte der gebürtige Vilgertshofener. Jedoch war eben jene Zeitenjagd am Samstag das große Problem in der bisherigen Saison. „Wir wollen unsere Schwächen ausmerzen“, sagte Schrötter, der endlich seinen ersten Moto2-Sieg feiern möchte - am liebsten vor Heimpublikum.