Berlin - Mark van Bommel war so genervt, dass er um seine Fassung ringen musste. „Es ist unglaublich. Wir reden hier darüber, wie wir die Wende schaffen sollen – als ob wir zehn Spiele in Folge nicht gewonnen haben“, tadelte der Trainer des VfL Wolfsburg nach dem 1:3 (1:1) bei der TSG Hoffenheim einen unbequemen Fragesteller. „Es ist nicht so, dass wir in der Krise sitzen.“

In der Krise befinden sich die Niedersachsen trotz der ersten Saison-Niederlage am sechsten Spieltag der Fußball-Bundesliga gewiss (noch) nicht. Dennoch hat der Ex-Spitzenreiter keines seiner zurückliegenden drei Pflichtspiele gewonnen. Das sorgte bei van Bommel, der am Samstagabend seine Vision im ZDF-Sportstudio erläuterte („Das Ziel ist es, über Jahre hinweg oben dabei zu sein“) augenscheinlich für Frust. „Es ist egal, ob es die erste Niederlage ist – immer wenn man verliert, ist man verärgert“, gab der Niederländer zu. „Aber wir müssen schon ruhig und realistisch bleiben. Es ist nicht so, dass wir jedes Spiel gewinnen – oder gewinnen müssen. Wir müssen mit den Füßen auf dem Boden bleiben.“

Und obwohl der VfL nun drei Punkte hinter Tabellenführer Bayern München liegt, glaubt van Bommel vor dem ersten Heimspiel in der Champions League am Mittwoch gegen den FC Sevilla nicht an einen Knacks bei seinen Schützlingen: „Es war sicher keine Kopfsache, dass wir verloren haben. Alle Charaktere in der Mannschaft sind sehr stabil.“ Das galt allerdings nicht für die Wolfsburger Defensive vor 8523 Zuschauern in Sinsheim. Nach der verdienten VfL-Führung durch Nationalspieler Ridle Baku (25.) drehten Andrej Kramaric (45.+2), Christoph Baumgartner (73.) und Pavel Kaderabek (81.) mit ihren Treffern die Partie zugunsten der Hoffenheimer. „Ich fand die Niederlage unnötig, denn wir haben ein gutes Spiel abgeliefert“, analysierte van Bommel. „Wir müssen 2:0 in Führung gehen, dann ist das Spiel vorbei. Hoffenheim war sehr effizient, da waren sie viel besser als wir.“

Wie sein Trainer wollte auch Maximilian Arnold nicht allzu hart mit sich und seinen Mitspielern ins Gericht gehen. „Wir sind nicht Bayern München, die jede Woche den Gegner in Grund und Boden spielen können“, sagte der Mittelfeldspieler bei Sky. „Wir haben gute Möglichkeiten, das in den nächsten Wochen zu verändern. Vielleicht war es auch mal gut, dass wir einen auf den Deckel bekommen haben.“ Für den Torschützen Baku ändert die Niederlage bei der TSG ohnehin nichts am positiven Gesamtbild: „13 Punkte nach sechs Spielen – das ist immer noch ein sehr, sehr guter Saisonbeginn.“