Mit der Plautze? Martin Ziemer hält für die Füchse Berlin den entscheidenden Siebenmeter im Duell mit dem THW Kiel.
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BerlinEs war ein Bild, das mehr als tausend Worte sagte. Der zuvor mit Rot vom Platz gestellte Mijajlo Marsenic kam nach Abpfiff zurück auf das Feld gesprintet, klatschte mit Paul Drux ab, dann gab es nur ein Ziel: Martin Ziemer. Um den Berliner Torhüter hatte sich in kürzester Zeit ein Menschentraube gebildet, die den 36-Jährigen feierte – ihn und den 29:28-Erfolg gegen den großen THW Kiel.

Wenige Sekunden zuvor waren die Gäste in der Max-Schmeling-Halle noch am Ball gewesen und hatten die Chance auf den Ausgleich. Doch Ziemer parierte den Wurf des österreichischen Nationalspielers Nikola Bylik, indem er ins untere linke Eck eilte. Damit waren nicht nur die zwei Bundesliga-Punkte gesichert, sondern gleichermaßen der erste Sieg der Füchse gegen den Rekordmeister seit neun Jahren.

„Manche sagen, der war gehalten, andere würden meinen, ich hätte den Ball in die Plauze bekommen. Aber auf jeden Fall ist der Ball nicht über die Linie“, scherzte Ziemer. Doch ganz so locker war die Situation nicht. Vor allem deshalb, weil der Torhüter zuvor monatelang nur als Zuschauer auf der Tribüne hatte Platz nehmen dürfen, als Silvio Heinevetter und Dejan Milosavljev das Geschehen zwischen den Pfosten bestimmten. Durch die Verletzung der beiden wurde Martin Ziemer zur Nummer Eins. Eine Aufgabe, die  für den Routinier nicht einfach war. „Da fällt natürlich ganz schön was ab, wenn man ein halbes Jahr nicht gespielt hat“, gab Ziemer zu. „Es war nicht so leicht, so cool zu bleiben, wie es in der zweiten Halbzeit vielleicht aussah.“ Nach einer durchschnittlichen ersten Hälfte, in der Ziemer zwischenzeitlich sogar den Platz im Tor für Ersatzmann Fredrik Genz hatte räumen müssen, drehte er nach der Pause auf. Solide zehn Paraden standen am Ende auf seinem Konto, erzählen aber nicht die ganze Geschichte.

Spöttische Bermerkung

Seine gehaltenen Bälle machten ein temporeiches Gegenstoßspiel möglich und gaben der Mannschaft Rückhalt. Ein wichtiger Moment, war der gehaltene Strafwurf in der 50. Minute. Die Füchse hatten sich nach dem Fünf-Tore-Rückstand zur Halbzeit herangekämpft. Dann der Siebenmeter, der mental durchaus spielentscheidende Wirkung haben konnte. „Es war wichtig, dass wir über die Emotionen ins Spiel kommen. Da war ich froh, dass ich mit ein paar gehaltenen Bällen helfen konnte, weiter an einen Sieg zu glauben“, sagte Ziemer bescheiden.

Einen kleinen Seitenhieb in Richtung Füchse-Leitung konnte sich Ziemer nicht verkneifen. „Jetzt kannst du auch mal sehen, wie man den THW Kiel schlägt“, soll der Torhüter, der dieses Ereignis mit seinem früheren Klub Hannover schon einige Male feiern konnte, spöttisch zu Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning gesagt haben. „Da hätte ich ihn für Ohrfeigen können“, entgegnete Hanning. Die Backpfeife gab es selbstverständlich nicht. Dafür Umarmungen und jede Menge Jubel.