Berlin - Diese erste Runde war, wie sonst im Boxen höchstens zwölfte Runden sind. Unfassbar intensiv. Thomas Hearns und Marvin Hagler legten im Ring sofort alles hinein, was sie hatten. „Marvelous“ titelte das US-Magazin Sports Illustrated nach diesem Weltmeisterschaftskampf, den „Marvelous“ Marvin Hagler in Runde drei durch technischen Knock-out gewann. Über den damals 30-Jährigen war zu lesen: „Es war eine einfache Strategie, die Attila hätte entwerfen können: Schwinge die Schwerter, bis keine Köpfe mehr rollen können, gebiete keinen Einhalt, nimm keine Gefangenen. Es gibt nur eine Gangart, kompromisslos, nur eine Richtung: vorwärts.“

Am 15. April 1985 fand im Ceasar’s Palace von Las Vegas dieser Kampf statt, der als „The War“ in die Boxgeschichte eingehen sollte. Axel Schulz war damals 16 Jahre alt. Auf dem Sportinternat in Frankfurt (Oder) gab es irgendwo einen Fernsehapparat, den er nutzte, um heimlich Profiboxen zu schauen. „Diese erste Runde“, sagt Schulz, „war Wahnsinn. Normalerweise tastet man sich ja erst mal ab. Aber die haben gleich losgeschlagen. So viele Treffer wie in dieser ersten Runde gibt es oft in ganzen Kämpfen nicht.“

Hagler, den Kopf kahl rasiert, den Blick scharf, ging Boxduelle sonst eher bedacht an. Diesmal flogen seine Fäuste sofort. Herausforderer „Hitman“ Hearns, deutlich größer, mit Lockentolle und Angriffslust im Blick, antwortete mit einem Schlaghagel. Treffer hier, Treffer dort, dazwischen Clinches, Jabs, rechte Hände zum Körper, zum Kopf, zur Schläfe, Kombinationen in immenser Dichte, dann ein Cut an Haglers Stirn. „Hier fließt früh Blut“, rief der Kommentator, der dem aberwitzigen Tempo kaum hinterherkam, „schrecklich viel Blut.“ Seine Stimme klang, wie kurz vor dem Schlussgong in Runde zwölf, als er hervorstieß: „Das ist immer noch die erste Runde.“ Das Fachblatt Ring Magazine nannte sie „die großartigste erste Runde der Boxgeschichte“.

Marvin Hagler beendete seine Karriere 1988

Hagler, im Ghetto von New Jersey geboren, gilt als einer der besten Mittelgewichtsboxer überhaupt, als einer aus der Old-School-Generation, der so gut boxen wie kämpfen konnte und die Auslage wechseln konnte, wenn er wollte. Er dominierte die Achtzigerjahre, war von 1980 bis ’87 Weltmeister, gewann 62 von 67 Profikämpfen. Nach dem Hearns-Kampf verteidigte Hagler seine WM-Titel nochmals erfolgreich, eher er im April 1987 gegen Sugar Ray Leonard verlor.

Auch an diesen Kampf kann sich Schulz erinnern: „Das waren knallharte Jungs.“ Nachdem Hagler seine Profikarriere 1988 beendete, fing die des deutschen Boxers erst langsam an. Als Botschafter der Laureus-Stiftung sahen sich beide später oft, erzählt Schulz. „Marvin war super offen, wir hatten tolle Gespräche.“ Hagler war da schon nach Mailand gezogen, hatte in Actionfilmen wie „Indio“ oder neben Terence Hill in „Virtual Weapon“ mitgewirkt.

Axel Schulz ist Marvin Hagler noch oft begegnet

Wie Haglers Frau Kay bestätigte, ist der Amerikaner nun am Wochenende in seinem Haus in New Hampshire im Alter von 66 Jahren unerwartet gestorben. Schulz sagt, es sei noch gar nicht lange her, dass er mit Hagler bei einer Gala zusammenstand. Er habe sich eine Zigarre angezündet. Hagler sagte: „Oh, du bist doch ein Sportler.“ Schulz antwortete: „Ein alter Sportler.“ Hagler insistierte: „Einmal Sportler, immer Sportler.“ Da habe er seine Zigarre schnell versteckt, erzählt Schulz: „Ich hatte ja Respekt.“