Handball mit Maske? In Deutschland ist das keine Option.
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BerlinDie irritierenden Bilder vom „Maskenball“ in Spanien sorgten bei Handball-Boss Frank Bohmann für ungläubiges Kopfschütteln. „Das ist völlig absurd und ein schlechter Witz. Mir tun die beteiligten Spieler und Schiedsrichter leid. So kann man keinen Profisport treiben“, sagte der HBL-Geschäftsführer und versicherte: „Für uns ist diese Art des Handballspielens natürlich keine Option.“ 

Ex-Profi Holger Glandorf, seit seinem Karriereende im Frühjahr als Corona-Beauftragter der SG Flensburg-Handewitt tätig, kritisierte: „Ich kann mir gar nicht vorstellen, darunter Luft zu bekommen. Und man muss auch sehen, wie schnell die Masken feucht werden.“

So seltsam die Szenen vom weltweit ersten Handballspiel mit Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung für Spieler und Offizielle auch anmuten – angesichts nach oben schnellender Inzidenzzahlen muss sich der Sport auch hierzulande Gedanken machen. Von den ursprünglichen Plänen, schon bald mehr Zuschauer in die Arenen zu lassen, spricht kaum einer mehr.

Die Worte von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die angesichts der momentanen Situation wieder Geisterspiele im Fußball angedacht hat, klingen in den Ohren vieler Macher wie eine Drohung. Was sollen Handball, Basketball und Eishockey erst machen, wenn sogar König Fußball wieder runtergefahren werden sollte?

Durch den kräftigen Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz in immer mehr deutschen Städten droht wieder der komplette Zuschauerausschluss. Das Überleben vieler Klubs wäre spätestens dann akut bedroht. „Der Profisport, wie wir ihn in Deutschland kennen, wäre dann nicht mehr durchführbar“, sagt Bohmann, dessen Liga Anfang Oktober als eine der ersten mit Zuschauern gestartet ist. Dies wäre für den deutschen Sport „eine riesige Zäsur und würde uns im Wettbewerb weit zurückwerfen“.

Das Eishockey hat es im Gegensatz zum Handball bereits jetzt voll erwischt. Wegen akuter Finanzprobleme steckt der Sport in einer tiefen Depression, und es steht in den Sternen, ob die DEL-Saison nach zwei verschobenen Starts überhaupt noch angepfiffen wird. Und auch bei den Basketballern, die am kommenden Wochenende mit den Pokalspielen vor Fans beginnen wollen, bevor die Bundesliga am 6. November loslegt, beobachtet man die Situation mit gehörigem Magengrummeln.

Bohmann und seinen Mitstreitern bleibt nicht viel anderes übrig, als für eine „Politik der ruhigen Hand“ zu werben. Weitsichtige Entscheidungen seien „existenziell“, sagt Bohmann: „Der Sport leistet nach allem, was wir wissen, keinen Beitrag zu einem erhöhten Infektionsgeschehen. Bei HBL- und auch bei DFL-Spielen passiert bislang nichts, sie sind kein Infektionstreiber. Das gilt es herauszustellen.“