Die Eisbären-Stürmer fanden in der Hauptrunde kaum ein Mittel, um Mathias Niederberger im Tor zu bezwingen.
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BerlinEs wäre eine brisante Partie im Play-off-Viertelfinale gewesen: Die Eisbären gegen die Düsseldorfer EG. Oder besser gesagt: Die Berliner Offensive gegen Schlussmann Mathias Niederberger, 27. In der Hauptrunde, über die es ja bekanntlich nicht hinausging, entnervte der Torwart die EHC-Stürmer regelrecht.

Das Duell der Traditionsklubs wäre aber auch deshalb so besonders geworden, weil schon länger darüber spekuliert wurde, dass Niederberger in der kommenden Saison wieder das Eisbärentrikot trägt. Am Donnerstag wurde es nun offiziell: Der Torwart kehrt zurück nach Berlin, wo er in der Saison 2014/2015 bereits elfmal das Tor gehütet hatte, aber noch im Schatten von Petri Vehanen stand. Er wird mit der Rückennummer 35 auflaufen, die die Eisbären sicherheitshalber reserviert hatten.

Niederbergers Verpflichtung ist ein Coup

Niederbergers Verpflichtung ist ein Coup. „Mathias ist ein absoluter Topgoalie in der DEL“, sagt Eisbären-Sportdirektor Stéphane Richer. „Er hat sich in den vergangenen fünf Jahren stetig weiterentwickelt und war in dieser Saison nicht nur statistisch der beste Torwart der Liga.“ In der abgelaufenen Spielzeit überzeugte er mit einem Gegentorschnitt von 2,05 in 46 Partien und einer Fangquote von 93 Prozent aller auf ihn abgefeuerten Schüsse.

Mit Niederbergers Verpflichtung haben die Eisbären zum ersten Mal seit zwei Jahren, als Vehanen seine Karriere beendete, wieder eine klare Hierarchie im Tor. In der Saison 2018/2019 setzte man zu Beginn auf das junge deutsche Duo Marvin Cüpper und Maximilian Franzreb. Weil sich Cüpper verletzte, musste während der Saison Kevin Poulin nachverpflichtet werden, der zwischen den Pfosten überzeugte, aber in der Kabine charakterliche Schwächen offenbarte.

Für diese Saison holten die EHC-Verantwortlichen Sebastian Dahm von den Iserlohn Roosters in die Hauptstadt. Mit der Hoffnung, dass er sich mit Cüpper einen Zweikampf um den Platz im Tor liefern würde. Doch dann verletzte sich Cüpper erneut, Franzreb wurde die DEL-Tauglichkeit abgesprochen und nach Bad Tölz entlassen. Kurz vor dem Jahreswechsel kam Justin Pogge, der sich nach anfänglichen Schwierigkeiten zu einer Verstärkung entwickelte. Mit Niederberger haben die Eisbären jetzt die bestmögliche Entscheidung auf dieser so wichtigen Position getroffen. Er ist ein Rückhalt, den es braucht, um eine gute Saison in Zukunft mal wieder krönen zu können.

Wer wird sein Stellvertreter?

Mit welchem Keeper die Eisbären als Backup planen, ist noch nicht bekannt. Zur Auswahl stehen Dahm, Cüpper, der   zurück im Training ist, und Tobias Ancicka. Der 19-Jährige gehört zur Organisation, sammelt derzeit aber in der finnischen Nachwuchsliga Erfahrung, sein Mentor dort ist Petri Vehanen. Es könnte sein, dass er nach Berlin zurückkehrt. Es könnte aber auch sein, dass es ihn nach Nordamerika zieht.

Nationalkeeper Niederberger ließ die Anhängerschaft jedenfalls wissen, dass er sich freut, wieder in Berlin zu sein. „Die Eisbären haben früh deutliches Interesse gezeigt und mir damit ein gutes Gefühl gegeben“, sagt er. „Ich habe tolle Erfahrungen gemacht, als ich das erste Mal bei den Eisbären war. Ich bin voller Vorfreude und bin gespannt darauf, was die Zukunft in Berlin für mich bereithält.“

Der Kader nimmt Konturen an

So langsam nimmt der neue Kader Konturen an. Richer, der aktuell in Hamburg im Homeoffice arbeitet, weil die Geschäftsstelle gegenüber der Arena geschlossen ist, sagt: „Wir haben eine gute Mannschaft, wir wollen nicht so viel verändern.“ Mit Stürmer Mark Zengerle und Verteidiger Stefan Espeland, beide 30, sollen zwei Profis, die in der abgelaufenen Saison für Bremerhaven spielten, nach Berlin kommen.

Einen Kommentar wollte er dazu nicht abgeben. Auch gab es noch keine Auskünfte darüber, wer außer Torwart Justin Pogge und André Rankel, der nach 17 Jahren keinen neuen Vertrag mehr bei den Eisbären erhält, den Verein verlässt. Gute Nachrichten an die Anhänger zu verkünden, die in der eishockeyfreien Zeit nach Informationen lechzen, ist ohnehin der angenehmere Teil der Arbeit.