Berlin - Wo sonst die Spätsommer-Sonne ihre letzte Kraft über der Stadt verbreitet, leuchteten die Reklametafeln. Statt Scharen von vorfreudigen Fans, die in ihren blauen EHC-Trikots in Richtung der Arena stapfen und über die kommenden Monate philosophieren, herrschte nur trostlose Lockdown-Einöde. Schon der Weg zum ersten Saisonspiel der Eisbären gegen die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven offenbarte den Geistermodus.

Schwarze Vorhänge verdecken den Oberrang

Und auch in der sonst so tosenden Halle, wo nach 60 Minuten ein 3:2 (1:1, 1:0, 1:1) vom Videowürfel leuchtete, fiel es schwer, sich daran zu gewöhnen, dass dieser Zustand die Eishockeysaison wohl noch für sehr lange Zeit begleiten wird. Traurig verdeckten die schwarzen Vorhänge den Oberrang. In der Hartmut-Nickel-Kurve, wo für gewöhnlich der Ton bei EHC-Heimspielen vorgegeben wird, hingen einige Banner stellvertretend für all jene, die vor dem Fernseher die Daumen drücken. Einzig die Flamme tänzelte wie gewohnt kurz aus den Feuertonnen hinter den Toren auf bei der Vorstellung des Teams.

Die Berliner Profis allerdings ließen sich von diesen eigenartigen Umständen zunächst mal so gar nicht stören. Trotz sehr durchwachsener Auftritte beim MagentaSport Cup, einer Corona-Zwangspause, die erst vor einer Woche endete und zahlreichen neuen Spielern im Aufgebot legten sie einen Traumstart in diese Saison hin. Zugang Kris Foucault, der aus Krefeld kam, knallte die Scheibe nach gerade mal 121 Sekunden in Überzahl ins Bremerhavener Tor. Dass Marcel Noebels, Nino Kinder und Stefan Espeland mit Trainingsrückstand sowie Jonas Müller wegen einer Sperre aus der Vorsaison fehlten, spielte kaum eine Rolle. Auch wenn den Gästen, die eine beeindruckende Vorbereitung spielten, in der 12. Minute zum Ausgleich kamen. Carson McMillan traf ebenfalls im Powerplay.

Im zweiten Drittel sorgte dann wieder ein Profi für Jubel auf der EHC-Bank, der gerade erst in die Hauptstadt gelotst werden konnte. Matt White, zuletzt bei Dinamo Riga in der KHL unter Vertrag und bereits beim ersten Tor beteiligt, erzielte das 2:1 – wieder mit einem Mann mehr auf dem Eis. Mark Zengerle, der in der vergangenen Saison noch das Trikot des Gegners trug, nutze den Raum hinter dem Tor und legte dem Kollegen mustergültig auf.

Von einem Kräfteverschleiß, den man nach der  Quarantäne befürchten musste, war jedenfalls nichts zu erkennen. Die Eisbären setzten sogar noch einen drauf, Leo Pföderl markierte zur 3:1-Vorentscheidung, wieder war White beteiligt. Und dann meldeten die Eisbären auch noch ausverkauftes Haus. Insofern man dieser Tage eben davon sprechen kann. Das 2:3 für die Gäste, 33 Sekunden vor dem Schluss, war nur ein kleiner Makel an diesem sportlich gelungenen Abend.

Trainer Serge Aubin sagte: „Ich freue mich sehr, dass wir gegen diesen starken Gegner so gut in die Saison gekommen sind.“ Aber natürlich vermisst auch er die fehlende Unterstützung von den Rängen. „Das ist ein ganz komisches Gefühl, aber daran müssen wir uns zunächst mal gewöhnen.“