Matthias Ginter hat lange auf seine Chance im Nationalteam warten müssen.
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Frankfurt am MainEs war Abwehrmann Matthias Ginter, der beim 2:1-Sieg der deutschen Nationalmannschaft in der Ukraine früh den gegnerischen Widerstand auf dem Rasen und den Rängen brach. Doch der Defensivallrounder von Borussia Mönchengladbach wollte nicht zu viel Aufhebens machen. Gefühlt 90 Prozent des Tores gehörten Toni Rüdiger, sagte der gebürtige Freiburger. Ausführlicher kritisierte Ginter, dass es „sehr, sehr viele einfache Ballverluste“ gegeben habe. Diese Häufigkeit von Fehlern komme bei einer deutschen Nationalmannschaft selten vor.

Ginter fällt nicht erst seit gestern durch klare Analysen und reflektierende Einlassungen auf. Sein Credo: „Ich versuche jeden Tag an mir zu arbeiten, jeden Tag zu nutzen, um ehrgeizig zu bleiben und alles rauszuhauen.“ Doch es hat gedauert, um Bundestrainer Joachim Löw zu überzeugen, obwohl dieser als regelmäßiger Gast im Schwarzwaldstadion das Talent früh erkannte: Ginter reiste als jüngster Spieler mit zur WM 2014, wo er allerdings nichts zum Einsatz kam.

Für die EM 2016 rauschte der Abwehrspieler durchs Rüttelsieb, weil er zeitweise mit seiner Rolle bei Borussia Dortmund fremdelte. Immerhin heimste er dafür die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2016 im Team von Horst Hrubesch ein, gewann ein Jahr drauf den Confed Cup. Bei der WM 2018 war er wieder dabei, spielte aber erneut keine Minute. Erst mit der personellen Neuausrichtung vor zwei Jahren stieg die Randfigur zum Stammspieler der DFB-Auswahl auf, dessen Wert fürs große Ganze selbst die Öffentlichkeit nicht mehr übersieht.

In der auf der DFB-Homepage geschalteten Abstimmung zum „Man of the match“ lag die deutsche Nummer vier am Sonntag vorne. Die Fans wählten ihn bereits zum „Nationalspieler des Jahres 2019“, der Preis für das schönste Länderspieltor des vergangenen Jahres – ein technisch feiner Hackentreffer im Borussia-Park gegen Weißrussland (4:0) – ging gleich auch noch an ihn.

Schon vor der Corona-Krise hatte er eigentlich den Status des am meisten unterschätzten Nationalspielers abgelegt. Als Löw dieser Tage die Führungskräfte aufzählt, die der jüngeren Garde den Weg weisen sollen, gehörte Ginter dazu. Und Mister Zuverlässig würde auch dann nicht mehr zwangsläufig aus der ersten Elf rotieren, sollte aus der derzeit bevorzugten Dreierkette mal wieder eine Viererkette werden. Löws Musterschüler kann nämlich auch sehr zuverlässig die rechte Außenbahn bespielen.

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