Köln - Mit 18 wäre Max Meyer beinahe Fußball-Weltmeister geworden. Joachim Löw hatte den Teenager in sein vorläufiges Aufgebot für die WM 2014 berufen. Der Bundestrainer strich ihn schließlich aber als einen von sieben Profis noch aus dem endgültigen Kader, der dann in Rio den WM-Titel holte.

Zu den vier Leidensgenossen, die Löw kurz vor dem Trainingslager strich, gehörte auch der sieben Monate ältere Leon Goretzka. Der heute als Vorbild dafür dienen kann, wie Meyers Karriere auch hätte verlaufen können. Vier weitere Jahre lang, bis zur Vize-Meisterschaft 2018, spielten sie Seite an Seite auf Schalke. Meyer brachte es sogar auf mehr Pflichtspiele (192:147) und mehr Tore (22:19).

Doch dann trennten sich die Wege. Heute ist Goretzka als Stammspieler beim FC Bayern München und festes Mitglied der Nationalmannschaft laut transfermarkt.de 60 Millionen Euro wert. Meyer wird nach zweieinhalb überwiegend frustrierenden Jahren bei Crystal Palace in England mit drei Millionen Euro notiert. Und startet mit einem Halbjahresvertrag beim Bundesliga-Abstiegskandidaten 1. FC Köln quasi einen kompletten Neustart.

Mobbing beim FC Schalke 04?

Der Bruch in Meyers Karriere lässt sich auf das Frühjahr 2018 beziffern. Im Zuge der Vertragsverhandlungen kam es zu öffentlichen Streitigkeiten. Meyer warf Schalke zwischenzeitlich Mobbing vor und wurde kurz vor dem Saisonende sogar suspendiert. Der damalige Manager Christian Heidel erklärte, Meyers Berater Roger Wittmann habe seinen Schützling als Weltklassespieler bezeichnet.

Es ist ein Schlagwort, mit dem Meyer seitdem des Öfteren verspottet wird. Und das bei der Rückkehr in die Bundesliga ebenso hervorgeholt wurde wie das Video seines Vaters, der 2020 am Steuer eines Autos saß und dies als „bezahlten Lambo vom Pleite-Club“ (Schalke) bezeichnete. Meyer junior distanzierte sich „entschieden“. Er sei „zutiefst schockiert über dieses Video. Das passt nicht in meine Welt.“

In Köln will der inzwischen 25-Jährige nun wieder vieles auf Null stellen und sich für höhere Aufgaben empfehlen. „Es ist ihm wichtig, sich zu präsentieren“, sagte Horst Heldt, der für den Transfer entscheidend war. Denn Kölns Sportchef arbeitete mit Meyer schon - in guten Schalker Zeiten - zusammen. „Und der Kontakt ist nie abgebrochen“, sagte Heldt. Er habe Meyer sogar mal in London besucht.

Dem Vernehmen nach verzichtet Meyer auf viel Geld, um sich unter Heldt und Trainer Markus Gisdol, den er ebenfalls aus Schalke kennt, wieder in den Fokus spielen zu können. Ob er den Karriererückstand auf Goretzka aufholen kann, scheint fraglich. Dass er mehr kann, als er in den letzten drei Jahren zeigen konnte, ist aber klar. Deshalb hofft Heldt, dass Meyer den FC zum Klassenerhalt führt und selbst wieder in die Spur kommt: „Es kann eine Win-Win-Situation werden.“