Berlin - Lewis Hamilton kann die „Starthilfe“ von Max Verstappen nicht ausnutzen, Red Bull schlägt Mercedes mit eigenen Waffen – und einem herausragenden Schlussspurt: Im Generationenduell um die Formel-1-Krone hat der 23-jährige Verstappen den nächsten Punktsieg gelandet und mit dem Triumph auf den letzten Metern in Frankreich seine WM-Führung auf Rekordchampion Hamilton auf zwölf Punkte ausgebaut. Sebastian Vettel fand sich nach dem Baku-Höhenflug im Mittelfeld wieder, Mick Schumacher wurde Vorletzter.

Le Castellet galt eigentlich als Mercedes-Strecke, nach den desaströsen Vorstellungen der Dauersieger auf den Stadtkursen in Monaco und Baku hoffte man auf der konventionellen Rennstrecke von Paul Ricard auf eine Rückkehr zur Normalität – immerhin feierte der 36-jährige Hamilton bei den vergangenen beiden Auflagen in Südfrankreich jeweils ungefährdete Siege.

Auf den Geraden hat Max Verstappen deutliche Vorteile

Doch in diesem Jahr ist Red Bull mindestens auf Augenhöhe. Auf den Geraden hatte Verstappen sogar deutliche Vorteile gegenüber Hamilton und dessen Teamkollegen Valtteri Bottas. Am Ende holte der Niederländer seinen 13. Formel-1-Sieg und den dritten der Saison vor Hamilton und seinem Teamkollegen Sergio Perez. Bemerkenswert aber: Red Bull macht Mercedes nun auch bei der Strategie Konkurrenz, schlug den Rivalen mit dessen vielfach gepriesener „Barcelona-Taktik“.

Noch wertvoller für Verstappen könnte aber die Signalwirkung sein. „Diese Strecke war in den letzten Jahren eine solche Hochburg für Mercedes. Wenn wir sie hier schlagen können, dann können wir sie eigentlich überall schlagen“, hatte Red-Bull-Teamchef Christian Horner nach dem Qualifying am Sky-Mikrofon gesagt.

Vettel, der vor zwei Wochen in Baku starker Zweiter geworden war und Aston Martin das erste Podium überhaupt beschert hatte, setzte beim Start auf die härteste Reifenmischung und wollte so zum Erfolg kommen. Am Ende reichte es für den Heppenheimer von Startplatz zwölf aus für Rang neun und zwei WM-Punkte – damit holte er immerhin zum dritten Mal in Folge Zählbares.

Mick Schumacher konnte seinen bislang besten Startplatz nicht in sein bestes Rennergebnis ummünzen. Der Formel-1-Neuling fiel von Rang 15 früh zurück und kam vor 15.000 Zuschauern als 19. vor seinem Teamkollegen Nikita Masepin ins Ziel.

Verstappen gewann den Start, rutschte aber in der zweiten Kurve weg und musste Hamilton passieren lassen. Der Brite konnte sich Zehntel um Zehntel absetzen. Als Verstappen am Ende der 18. Runde zum Reifenwechsel reinkam, betrug sein Rückstand auf den WM-Rivalen gute drei Sekunden – doch diese holte er in einer Runde auf: Als Hamilton einen Umlauf später aus der Boxengasse auf die Strecke zurückrollte, hatte Verstappen haarscharf die Nase vorn.

Verstappen macht es wie Lewis Hamilton in Barcelona

Nun fuhren Verstappen, Hamilton und dessen Teamkollege Valtteri Bottas wie an der Perlenschnur hintereinander her. Hamilton attackierte, kam aber nicht in Schlagdistanz. Verstappen klagte früh über nachlassende Reifen, 21 Runden vor dem Rennende tauschte der Niederländer nochmal auf Medium, Hamilton blieb draußen und schonte seine Pneus.

Doch es nutzte nichts. Verstappen machte es wie Hamilton beim vierten Saisonrennen in Barcelona. Er nahm einen zwischenzeitlichen Platzverlust in Kauf, um mit frischen Reifen wie in Siebenmeilenstiefeln die Spitze zurückzuerobern. Phasenweise war Verstappen zwei Sekunden pro Runde schneller als Hamilton, in der 52. von 53 Runden übernahm der Niederländer die Spitze.