Berlin - Friedenstauben zierten die Hose von Lewis Hamilton, als dieser sich bei strahlendem Sonnenschein am Donnerstag an die Arbeit machte. Doch Vorsicht scheint angebracht: Der Formel-1-Rekordweltmeister ist beim Großen Preis von Saudi-Arabien (Sonntag, 18.30 Uhr MEZ/RTL und Sky) keineswegs in humanitärer Mission unterwegs.

„Der Löwe ist aufgewacht. Lewis ist voll bei der Sache. Brutal und kaltschnäuzig“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff zuletzt über seinen Starpiloten. Der Veganer Hamilton hat tatsächlich Blut geleckt vor dem vorletzten Saisonrennen. Durch Gala-Vorstellungen in Brasilien und Katar verkürzte der Champion den Rückstand auf Max Verstappen auf acht Zähler, seinen achten Titel kann er wieder aus eigener Kraft gewinnen.

Nur Verstappen kann sich bereits krönen

Allerdings: Allein der 24-jährige Verstappen könnte auf dem nagelneuen Kurs in Dschidda Weltmeister werden. Hierzu muss der Red-Bull-Pilot 18 Punkte mehr holen als Hamilton – was angesichts der jüngsten Eindrücke wohl außergewöhnlicher Umstände bedarf.

Hamilton hält schließlich einige Trümpfe. Da ist einerseits seine immense Erfahrung. Seit 2007 fährt er in der Formel 1, in jeder Saison gewann er mindestens ein Rennen, bereits im elften Jahr kämpft er bis zum Ende um den Titel - siebenmal gewann er ihn, so oft wie sonst nur Michael Schumacher. Der mittlerweile zum Ritter geschlagene Hamilton paart Erfahrung mit Naturtalent und Nervenstärke. In vergangenen WM-Kämpfen habe er noch „schlaflose Nächte“ gehabt, räumte er in Dschidda ein. Heute laute sein Motto: „Glaube an dich, auch wenn die Menschen sagen, dass es unmöglich ist.“

„Für Max ist das sicher nicht einfach, denn er ist das erste Mal in so einer Situation“, meint Nico Rosberg. Der Deutsche war 2016 der letzte, der Hamilton im Titelkampf besiegte - danach trat er zurück, die Akkus waren komplett leer. „Man muss ausnutzen, wenn Lewis seine Schwächephasen hat. Dann heißt es: volle Attacke“, erläuterte Rosberg im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Lewis Hamilton ist mental wieder obenauf

Verstappen scheint diese Gelegenheit verpasst zu haben. Hamilton ist mental wieder obenauf, dazu verfügte er zuletzt über das stärkste Gesamtpaket. Und Mercedes hat für den neuen Hochgeschwindigkeitskurs in Dschidda noch ein Ass im Ärmel: In den Wagen mit der Nummer 44 wird wieder der Motor eingebaut, der Hamilton in Brasilien von ganz hinten zum Sieg verhalf.

„Wir haben uns das Feuer für die letzten beiden Rennen aufgehoben“, sagte Wolff: „Wir sind auf der Jagd. Das Auto ist wahrscheinlich so gut wie noch nie in dieser Saison.“

Verstappen allerdings ist nicht nur ähnlich talentiert wie Hamilton, sondern auch in seinem Selbstvertrauen unerschütterlich. Und so darf man ihm durchaus abnehmen, wenn er sagt: „Ich bin ganz gelassen.“ Dass er als relativ junger Fahrer hart gegen einen Serienweltmeister kämpfe, sei „einfach nur gut für den Sport“.