Konzentration und Wille: Maxi Mittelstädt hat sich bei Hertha BSC durchgesetzt, aber will jetzt den nächsten Schritt in seiner Karriere machen.
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BerlinDer Verein Hertha BSC ist spätestens seit dem Einstieg von 374-Millionen-Euro-Investor Lars Windhorst im Umbruch. Das Team wird nach den Abgängen der Routiniers Vedad Ibisevic, Salomon Kalou und Per Skjelbred von Trainer Bruno Labbadia gerade umgekrempelt. Es sieht alles nach einer blau-weißen Runderneuerung aus. Wirklich alles? Nein, es gibt ein Paradox in dieser Mannschaft. Es ist die erfrischende Konstante.

Maxi Mittelstädt baut seine Karriere seit über fünf Jahren unaufgeregt und fast unbemerkt aus. Der linke Verteidiger ist mit 23 Jahren noch jung, aber gehört schon zum alten Eisen im Team, ist seit 2015 Teil der Profimannschaft. Nur der 33-jährige Peter Pekarik (2012), der 35-jährige Rune Jarstein und der 28-jährige Marvin Plattenhardt (beide seit 2014 im Verein) sind länger dabei.

Der 23-jährige Mittelstädt startet jetzt in die sechste Saison bei Herthas Bundesliga-Team. Es gab viele neue Stars in den vergangenen Jahren, doch der gebürtige Berliner hat sich bisher immer durchgesetzt. Mittelstädt macht eher unauffällig sein Ding. In seiner ersten Profisaison drei Spiele, dann elf, dann zwölf, dann 25 und vergangene Saison 26. Das nennt man schon Stammspieler. Obwohl er mit Marvin Plattenhardt einen harten Konkurrenten als Außenverteidiger hat, besteht kaum Zweifel, dass der Spezialist für die linke Seite in der kommenden Spielzeit seine 100. Bundesliga-Partie machen wird. Schließlich kann er nicht nur auf seiner Lieblingsposition als linker Außenverteidiger, sondern auch auf dem linken Flügel spielen.

Beim Kampf um den Stammplatz mit Plattenhardt bleibt er gelassen: „Wer von uns beiden jetzt beim ersten Pflichtspiel im Pokal in Braunschweig nächste Woche spielt, ist noch offen. Das entscheidet der Trainer sowieso erst kurz vor der Partie. Ich werde im Training Vollgas geben!“

Mittelstädt beschäftigen andere Dinge viel mehr. Auch er hat längst erkannt, dass die Hierarchie im Team nicht mehr die selbe ist. „Ich bin jetzt schon länger dabei. Die Schüchternheit als Jüngerer im Team will ich ablegen, mehr Verantwortung übernehmen und auch lauter werden“, sagt er. Herthas Team ist im Umbruch, Mittelstädt ist im Aufbruch zum gestandenen Profi. Und formuliert klare Ziele: „Ich will nächstes Jahr zu Olympia nach Tokio.“

Beim DFB hat er für alle Junioren-Teams gespielt, für die U21 ist er jetzt zu alt, für das Olympiateam nicht. DFB-Coach Stefan Kuntz hat schon Signale gesendet. „Ich habe Kontakt zu Kuntz. Wir haben erst vergangene Woche miteinander gesprochen. Natürlich muss ich aber bei Hertha erst mal meine Leistung bringen“, sagt Mittelstädt. Die Saison 2020/21 soll der nächste große Schritt in seiner Karriere werden. Das wäre nicht nur für ihn, sondern auch für Hertha eine unaufgeregt, spannende Zukunft.