Herthas Maximilian Mittelstädt bereitete in Bremen als Linksverteidiger das 1:0 vor und kommt neuerdings für gleich drei Positionen infrage.
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BerlinIn gewisser Weise erlebte Bruno Labbadia in dieser Woche einen kleinen Vorgeschmack auf das, was da diese Saison noch auf ihn zukommt. Nach dem trainingsfeien Montag trommelte Herthas Cheftrainer seine Schützlinge erstmals am Dienstagnachmittag wieder auf dem Schenckendorffplatz zusammen. Da das nächste Spiel gegen Eintracht Frankfurt bereits am Freitagabend und das traditionelle Abschlusstraining am Vortag stattfindet, blieb dem 54-Jährigen lediglich ein Tag, um zweimal mit seinem Team intensiv zu üben. Weil sich daran durch den vollgepackten Terminkalender nach der Corona-Zwangspause nichts ändern wird, und die Spieler ohne Winterpause Woche für Woche schneller an ihre Belastungsgrenzen kommen, fahndet Manager Michael Preetz noch nach mindestens zwei neuen Profis, um den Kader zu verbreitern. Denn nach zahlreichen Abgängen stehen Labbadia derzeit nur 23 Feldspieler zur Verfügung, inklusive der Nachwuchstalente Luca Netz, Marton Dardai und Jessic Ngankam.

Dem Vernehmen nach suchen die Berliner noch einen offensiven Außenbahnspieler und einem zentralen Mittelfeldmann. Labbadia hält sich bedeckt, welche Spielertypen seinem Kader noch guttun würden. Einer, der schon seit der Jugend Blau-Weiß trägt, ist Maximilian Mittelstädt. Sehr zur Freude seines Trainers. „Er ist ein extrem williger Spieler, der immer weiterkommen will“, lobt Labbadia und erklärt: „Er ist ein polyvalenter Spieler, das schätze ich. Ich bin froh, dass ich Maxi habe.“

Wie vielseitig der 23-Jährige ist, bewies er gleich zum Liga-Start. Beim 4:1-Sieg in Bremen verdrängte Mittelstädt erneut den fünf Jahre älteren WM-Fahrer und einstigen Platzhirsch Marvin Plattenhardt aus der Startelf. Als Linksverteidiger an der Seite des neuen Hertha-Kapitäns Dedryck Boyata stabilisierte der gebürtige Berliner die Abwehr – und setzte, wie von Labbadia gewünscht, immer wieder in der Offensive Akzente. So war es seine Flanke, die Peter Pekarik zum 1:0 über die Linie drückte und so Herthas neuer Millionen-Offensive die Show stahl. 

Bereits unter dem früheren Trainer Pal Dardai bewies Mittelstädt, dass er einen ausgeprägten Offensiv-Drang besitzt und sich deswegen auch auf der Außenbahn pudelwohl fühlt. Obwohl er sich kontinuierlich weiterentwickelte und Spielzeit für Spielzeit mehr Einsätze bekam, kickte Mittelstädt lange Zeit unter dem Radar. Auch, weil er kein Lautsprecher ist. Das soll sich in seiner bereits sechsten Profisaison ändern. „Die Schüchternheit als Jüngerer im Team will ich ablegen und mehr Verantwortung übernehmen“, sagte Mittelstädt jüngst zwar weiterhin höflich, aber bestimmter als früher.  

Neu ist auch, dass er ab sofort ein Kandidat für das zentrale Mittelfeld ist. „Er hat das sehr gut gemacht“, lobte Labbadia Mittelstädts Leistungen vor der Abwehr nach der Vorbereitung. Dabei hilft dem beim SC Staaken großgewordenen Mittelstädt, dass er athletisch enorm zugelegt hat. Seine neue physische Präsenz spürt man in Zweikämpfen und Kopfballduellen. Dazu traut er sich immer öfter selbst, den Torabschluss zu suchen. Luft nach oben sieht Labbadia naturgemäß noch. „Er muss noch ein Gefühl dafür bekommen, wann er Risiko eingehen oder einfacher spielen muss“, fordert der Trainer.

Als Mittelstädt, dessen großen Ziel Olympia 2021 ist, im Übungsspiel im Mittelfeld der Ball verspringt und er dennoch den Pass durch die Mitte probiert, ruft Labbadia: „Maxi, wenn es nicht geht, dann nichts erzwingen.“ Zwei Minuten später ist Mittelstädt schon wieder mit Vollgas auf der Außenbahn unterwegs. „Er dreht immer wieder gut auf, geht mit Tempo an den Gegnern vorbei. Das ist klasse“, freut sich Labbadia.

Durch die Allzweckwaffe Mittelstädt kann der Trainer während eines Spiel Formation und Taktik ändern – ohne auswechseln zu müssen. Defensiv, im Mittelfeld oder offensiv, Mittelstädts maximale Vielseitigkeit kann Labbadia vor dem ersten Heimspiel gegen die Eintracht vor erstmals 4000 Hertha-Fans gut gebrauchen. Dass das Eigengewächs den Berlinern durch seine Eigenschaften darüber hinaus Zeit bis 6. Oktober zum möglichen Transferpoker verschafft, nimmt auch Manager Michael Preetz sicherlich gerne zu Kenntnis.