Maximilian Wojciechowski hat im Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee viele Jahre für den Start in die große Profi-Karriere trainiert.
Foto: Markus Wächter

BerlinMit dem Golf-Kart kann Maximilian Wojciechowski gekonnt umgehen. Den Weg von Loch eins zu Loch zwei fährt er traumwandlerisch sicher. Auch die Abkürzung zu Loch 17 sowie der Fuchs am Rand in den Büschen sind dem 18-Jährigen bekannt. Ein kurzer Blick auf das ansteigende Loch 18, dessen Grün man hinter dem Hügel nicht einmal erahnen kann, das Maximilian Wojciechowski allerdings ganz genau kennt, weil er es schon unzählige Male gespielt und nicht mit dem Golf-Kart befahren hat.

Hier, im Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee, hat er nur in diesen Sommerferien zur Aushilfe gearbeitet. Während die Eltern im Urlaub weilten, ist der 18-Jährige in Berlin geblieben. Doch eigentlich war der Plan ein ganz anderer: Nach dem erfolgreich absolvierten Abitur sollte es direkt in die USA gehen. Am College in Wichita möchte der Junioren-Nationalspieler den weiteren Weg zum Golfprofi beschreiten. Aber: Mit der Corona-Pandemie änderten sich die Pläne fürs Erste. „Es ist alles sehr unsicher, viele Flüge wurden gecancelt“, erzählte das Berliner Golf-Talent noch Mitte Juli. Immerhin, und das war bereits zum Zeitpunkt dieses Gesprächs ein Lichtblick, sei die Einreise in die USA möglich. Wie schnell sich in dieser Zeit aber alles ändern kann, zeigt die Entwicklung in den vergangenen Wochen. Das Visum hat er bekommen, den nächsten Schritt kann er nun gehen. Nach Wochen, in denen sich vieles von dem zerschlug, was sich Wojciechowski, seine Familie und die sportliche Leitung des Heimatvereins in Wannsee für die weitere Karriereplanung überlegt hatten, geht es nun endlich weiter.

Golf statt Hockey und Tennis

Es ist nicht das erste Mal, dass die sportlichen Überlegungen geändert werden müssen. Während einige seiner gleichaltrigen Gegner bereits Golf spielten, flitzte Maximilian Wojciechowski noch über die Tennis- und Hockeyplätze der Zehlendorfer Wespen. Knieprobleme aber ließen ihn und seine Eltern nach einer körperlich schonenden Alternative suchen. In Wannsee wurden sie fündig und der heute 18-Jährige schnell mit dem gesundheitlich unbedenklichen Golfvirus infiziert. „Davor kannte ich den Sport nur als Minigolf oder aus dem Fernsehen, aber so wirklich vertraut war ich damit nicht“, erzählt er. „Es hat mir dann so viel Spaß gemacht, dass ich mit Tennis und Hockey aufgehört habe.“

Für eine Golf-Karriere, so wie er sie in den vergangenen Jahren bereits hingelegt hat, war er eigentlich etwas zu alt. Aber: „Jemand, der eine gewisse Vorerfahrung mit Ball und Schläger mitbringt, in dem Fall Hockey und Tennis, ist im Vorteil“, sagt Miriam Hiller. „Motorische Geschicklichkeit kann man auf jeden Fall erkennen. Darüber hinaus entscheiden aber ganz andere Faktoren darüber, wo die Reise hingeht. Es ist viel Einsatz und Wille. Nur Talent hat noch niemanden weitergebracht.“ Hiller ist Sportdirektorin im Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee und begeistert darüber, wie schnell und erfolgreich Maximilian Wojciechowski den Weg bis in die Junioren-Nationalmannschaft und demnächst sogar ans College gegangen ist.

In den vergangenen Jahren hat der Berliner aber auch sehr viel investiert. „Als ich noch zur Schule gegangen bin, waren das immer 20 bis 30 Stunden pro Woche. Deshalb hat die Schule auch etwas darunter gelitten“, erzählt er. Dass er das Abitur trotzdem bestanden hat, ist auch ein Verdienst seines Vereins, der neben dem Training auch im schulischen Bereich Unterstützung lieferte. Denn: „Golf ist sehr zeitintensiv, da man nicht nur einen Bereich trainiert, sondern das lange und kurze Spiel, aber auch Theorie und Taktik sowie Athletik“, so Wojciechowski. Golf ist durchaus viel komplexer, als es der eine oder andere denkt. Man spielt eben nicht jedes Loch mit einem Driver, einem Eisen und dann puttet man, „sondern das hängt davon ab, welche Hindernisse auf dem Platz sind“, sagt der 18-Jährige. Seine Geheimwaffe hat er aber dennoch immer in der Tasche: „Das Siebener-Eisen ist tatsächlich mein Lieblingsschläger. Für mich ist das ein Schläger, mit dem ich ungefähr 155/160 Meter schlage und auf den ich mich verlassen kann.“

Und der kommt natürlich auf der eigenen Anlage häufig zum Einsatz. Dort kennt Maximilian Wojciechowski die Eigenheiten jedes Lochs. Das mag ein Vorteil sein, ist aber noch lange keine Garantie für eine gute Runde. „Nicht jeder Schlag ist gleich, nicht jede Schwungabfolge ist dieselbe. Es gibt immer einen Unterschied.“ Der schönste Moment für den Berliner ist es, „wenn man sich ein Ziel sucht, wo man hinschlagen möchte, und genau dorthin trifft“. Wenn er die Unterschiede und Fehler zwischen den Schlägen möglichst gering halten kann. Deshalb steht er im Training so häufig auf dem Platz, dafür arbeitet er so fleißig im Kraftraum des Vereins und schaut sich Videoaufzeichnungen seiner Schläge an, um eventuell auftretende Fehler abzustellen.

Bis er an den Punkt kam, mal irgendwann Aussichten auf eine große Karriere zu haben, dauerte es allerdings etwas. „Das habe ich erst später gemerkt, so vor drei Jahren. Als ich kleinere Turniere gewonnen habe und auch etwas größere. Plötzlich wurde ich gefragt, ob ich nicht in die USA gehen möchte oder ob ich die Nationalmannschaft erreichen kann.“ Und als er beim größten Amateurturnier der Welt in England im vergangenen Jahr plötzlich auf Platz zwei des Leaderboards stand, war ihm klar: „Du kannst das, und es ist noch Luft nach oben.“

Raus aus dem behüteten Nest

Den nächsten Schritt auf dem Weg zum Profi möchte er nun in den USA gehen. Dabei hätte er auch in Europa bleiben und es hier versuchen können. Es gibt immerhin so einige Leute, die meinen, es wäre der leichtere Weg zur Profikarriere. Aber der sei grundsätzlich nicht leicht, nicht in den USA und nicht in Europa. „Aber es ist nicht unmöglich“, sagt Maximilian Wojciechowski. Er jedenfalls hat zahlreiche Angebote von Colleges bekommen. Den Überblick zu behalten und die amerikanischen Universitäten zu bewerten, ist dabei aber nicht so einfach. „Man muss differenzieren zwischen Unis, die sportlich oder akademisch gut sind. Es ist selten so, dass es einen guten Mix aus beidem gibt. Aber da habe ich jetzt eine erwischt, die beides erfüllt, und bin sehr glücklich damit.“ Vor Ort hatte sich der Berliner einen Überblick verschafft und war auf Anhieb begeistert und froh, auch mal eine andere Kultur außerhalb des behüteten Nestes der Eltern kennenzulernen: „Darauf freue ich mich am meisten. Na klar mag ich meine Eltern sehr und werde sie vermissen, aber genauso freue ich mich darauf, ein neues Land kennenzulernen. Ich war schon dort, aber dort zu leben, ist noch einmal eine andere Sache, auf die ich mich sehr freue.“

Bis zum Start in das neue Abenteuer musste er allerdings geduldig sein. Erst nach und nach startete die Golfsaison in den USA, lange standen einige Dinge in den Sternen. Um nicht weiter Zeit zu verlieren, hatte Maximilian Wojciechowski Turniere in Europa gespielt und ist mit dem Golf-Kart auf der Anlage in Wannsee gekonnt von Loch zu Loch gefahren. Um Bälle einzusammeln und andere Arbeiten zu erledigen. Und um weiter fleißig Golf zu trainieren, damit die Karriere nicht ins Stocken gerät.