München - Joachim Löw grübelt über Thomas Müller und seinen EM-Kader, Oliver Bierhoff plant die Zukunft mit Hansi Flick: In einem Berliner Hotel stellen der Bundestrainer und sein Direktor gerade die wichtigsten Weichen für die nahe und längerfristige Zukunft der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Erste Entscheidungen sind dabei einen Monat vor Löws letzter Titelmission schon gefallen – in Sachen Müller und Flick wird in Kürze Vollzug erwartet.

Thomas Müller hat Bereitschaft signalisiert

Löw soll Bayern-Star Müller laut Bild-Zeitung bei einem Anruf bereits signalisiert haben, dass er ihn für die Europameisterschaft (11. Juni bis 11. Juli) fest einplant. Von Müller war zuletzt zu hören, er habe „große Lust“ auf das Turnier, und auch Löw hatte die Tür für eine Rückkehr des Rio-Weltmeisters aufgemacht.

Bierhoff verwies bei einem Workshop, zu dem er aus Berlin zugeschaltet war, auf die Nominierung des EM-Kaders am 19. Mai und betonte, er wolle „keine Zwischenstände geben“. Die Rufe nach Müllers Rückkehr höre er schon länger, „wir schaffen es noch ein paar Tage, die Diskussion auszuhalten“.

Etwas offener gab sich die personifizierte Trainerfindungskommission in Sachen Flick. „Ich bin immer zuversichtlich und weiß, welche Bedeutung die Nationalmannschaft für ihn hat“, sagte Bierhoff über den Münchner Erfolgscoach.

Flick soll als Erbe seines einstigen Chefs Löw, der sein Amt im Sommer nach 15 Jahren aufgibt, einen Dreijahresvertrag bis zur Heim-EM 2024 erhalten. Die Gespräche würden jetzt intensiviert, berichtete Bierhoff, Flick habe aber auch „hohes Interesse bei anderen Vereinen und Verbänden“ geweckt. Bierhoff wünscht sich, „dass wir das Ganze vor der EM geschafft haben“. Aber: „Heute kann man noch nichts bekanntgeben“, sagte Oliver Bierhoff.

Das dürfte auch in Löws Interesse liegen. Der 61-Jährige hat bereits in den Turniermodus geschaltet – auch wenn er seinen Kader erst am 28. Mai und damit drei Tage später als geplant im Trainingslager in Seefeld/Tirol versammeln wird. Hintergrund sind die Corona-Maßnahmen in der „Blase“, die besagen, dass die Nationalmannschaft nach der EM-Generalprobe am 7. Juni gegen Lettland in Düsseldorf nicht mehr auseinandergehen darf. Zunächst waren nach dem letzten Test zwei freie Tage vorgesehen gewesen.

Am 2. Juni wird im Rahmen des Trainingslagers in Innsbruck gegen EM-Teilnehmer Dänemark ein erster Test stattfinden. Vier Tage später endet der erste Teil der Vorbereitung mit der Reise nach Düsseldorf. Nach dem Spiel gegen Lettland bezieht die Auswahl am 8. Juni ihr Turnier-Quartier bei Partner adidas.

Keine geschlossene Impfung für Nationalelf

Kapitän Manuel Neuer habe sich bei einem Ortstermin vor zwei Wochen „super begeistert“ gezeigt von den Gegebenheiten in Herzogenaurach, berichtete Bierhoff. Das Quartier sei „ein wichtiger, wichtiger Faktor“, betonte er: „Wir müssen diesen Spirit wecken, die Atmosphäre und die Stimmung aufbauen.“

Vor dem Turnierstart am 15. Juni in München gegen Weltmeister Frankreich wird es laut Bierhoff „keine geschlossene Impfung“ gegen das Coronavirus geben. Die Immunisierung obliege jedem Spieler selbst, „wir begleiten das. Das wird individuell gestaltet werden müssen.“

Dass Löws Team in der Allianz Arena gegen die Franzosen, Europameister Portugal (19.6.) und Ungarn (23.6.) Geisterspiele bestreiten muss, ist unwahrscheinlich. „Wir hoffen, dass es möglich ist, wenigstens vor ein paar Zuschauern zu spielen“, sagte der DFB-Organisationschef für München, Philipp Lahm, er sei da „sehr positiv“. Maximal wären 14.500 Fans möglich.