Berlin - Wer soll aufs Foto, wen hebt man hervor, wenn ein ganzer Fußballverein für sein soziales Engagement geehrt wird, nicht zum ersten und sicher nicht zum letzten Mal? Entscheidet man sich für den 1. Vorsitzenden? Das ist beim FC Internationale Berlin Gerd Thomas. Oder für denjenigen, der die Ehrung, den Zukunftspreis des Berliner Sports, stellvertretend entgegennimmt? Das ist Anton Klischewski, 27, in dem Schöneberger Klub zuständig für Nachhaltigkeit und Inklusion. Oder alle ehrenamtlichen Trainer? Mehr als 70 Frauen und Männer müssten dann aufs Foto.

Also doch Gerd Thomas, Jahrgang 60, seit 2003 im Vorstand des FC Internationale und seit 2017 an dessen Spitze. Einer der Altherren, so heißt das im Fußball. Ein alter Hase ist Thomas allemal, was eine Vereinsarbeit anbelangt, die weit über den Sport hinaus wirkt. Zum Beispiel bei den Altherren: Eine Gesellschaft mit stetig steigender Lebenserwartung verlangt nach Lösungen. Auch die haben mit Nachhaltigkeit und Zukunft zu tun. Vor allem aber die Kinder und Jugendlichen, knapp 600 sind das beim FC Internationale, somit fast die Hälfte aller Mitglieder.

Insgesamt 3000 Stunden verbringt der Nachwuchs pro Jahr auf einem der Trainingsplätze am Vorarlberger Damm. 60 Nationalitäten treffen dort aufeinander, praktizieren Integration am Ball. Der Name FC Internationale bleibt Programm, und das Logo No Rascism ist mehr als ein Marketingcoup nach Art eines Profiklubs aus der Bundesliga. Schließlich hat sich der Verein 1980 als eine Antwort auf die wachsende  Kommerzialisierung des Berliner Fußballs gegründet. Bis heute verzichtet der Vorstand um Thomas darauf, mit einem Trikotsponsor ins Geschäft zu kommen. Stattdessen die Botschaft: Kein Rassismus.

Die 7000 Euro aus Lotto-Mitteln, die der Landessportbund mit dem Zukunftspreis an den FC Internationale ausschüttet, sind daher gut angelegt. Investiert in einen Verein, der für all die anderen Berliner Amateursport-Vereine und ihren gesellschaftlichen Beitrag steht. In einer Zeit, in der eine hochflexible, stark beanspruchende Arbeitswelt das Ehrenamt in seiner Existenz bedroht. In einem Spannungsfeld, das sich ohne politische Unterstützung kaum auflösen lässt. „Wenn wir Vereine uns schon sozial engagieren, warum entlastet man uns nicht, indem man uns zum Beispiel Sozialarbeiter an die Seite stellt?“ Formuliert hat die Frage in dieser Zeitung einmal: Gerd Thomas.