Marius Bülter als Werbe-Pappfigur für ein Klebesammelalbum.
Foto:  Matthias Koch

BerlinVorigen Sommer schlug er als Nobody an der Spree auf. Nur echten Fachleuten war der Name Marius Bülter ein Begriff. „Damals saß ich beim Medizincheck ja noch neben Neven Subotic und habe mich erst mal vorgestellt. Das war diesmal nicht nötig. Ich wurde von Karius und Kruse nicht groß gefragt. Die haben ja auch mitgekriegt, was hier im Vorjahr passiert ist“, erzählt der immer freundliche Nordrhein-Westfale, der in der Saison 2019/20 mit sieben Treffern hinter Torjäger Sebastian Andersson der zweitbeste Schütze des Bundesliga-Aufsteigers gewesen war. Shootingstar nennt man einen wie ihn.

Die Bilder, wie er mit breit ausgebreiten Armen die Tore feierte, als wollte er gleich wie ein Adler abheben, gingen ja in Zeiten eines globalisierten Fernsehmarktes um die Welt. So wurde er auch zum Gesicht der Marketingaktion einer Supermarktkette, die Sticker der Eisernen zu einer Art Panini-Sammel-Album auf den Markt brachte. „Das habe ich auch. Aber mussten es nicht kaufen“, erinnert sich der 1,88 Meter große Flügelflitzer an die witzige Kampagne „Wir werden ewig kleben“. Auch den lebensgroßen Pappaufsteller nennt er sein Eigen. „Der steht aber noch im Keller. Ist vielleicht für später mal was. Jeder besitzt so etwas von sich ja nicht“, so der Ibbebürener mit einem Augenzwinkern. 

Bülter wohnt jetzt in Friedrichshain

Mit ein Grund, warum er noch kein Ehrenplätzchen in seinen vier Wänden gefunden hat, ist natürlich auch sein Umzug nach Friedrichshain. „Meine Freundin will ja irgendwann nach Berlin kommen. Die braucht ein Arbeitszimmer. Und in dem Kiez ist auch immer  etwas los“, sagt er fast entschuldigend, dass er das beschauliche Köpenick hinter sich gelassen hat und daher die Trainingskiebitze ihn eher nicht mehr mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen sehen. 

Dass Bülter alles andere als ein Pappkamerad ist, hat er im Vorjahr als Leihe des 1. FC Magdeburg bewiesen. Dass er aber als teuerster Sommereinkauf des 1. FC Union daherkommt, überrascht auf den ersten Blick. Immerhin gibt es unter den Neuen so prominente Namen wie Max Kruse oder Loris Karius. Aber alle anderen Zugänge kamen für lau, auf Leihbasis oder kleineres Geld, wie Cedric Teuchert. 

Laut Transfermarkt ließen sich die Köpenicker die Verpflichtung des 1,88 Meter großen Flügelspielers 1,5 Millionen Euro kosten. Jede Menge Geld für jemanden, der vor rund 18 Monaten noch in der viertklassigen Regionalliga kickte. Wie geht man damit um? „Ich mache mir darüber keine Gedanken. Das interessiert mich nicht wirklich“, meint Bülter erfrischend unverdorben.

Inzwischen kennt man ihn in der Stadt auch jenseits von Köpenick. „Natürlich hat sich was verändert. Man merkt schon, dass die Leute einen erkennen, aber angesprochen zu werden, das kommt dann eher selten vor. Jetzt gerade in Coronazeiten halten sich die Menschen meist etwas zurück. Manchmal wollen sie ein Foto, aber sie halten meist Abstand“, sagt er.

Auch in dieser Spielzeit konnte er seine Adlerschwingen schon zeigen. Beim Auftaktspiel gegen Augsburg traf er für die Köpenicker. „Das war nicht ganz unwichtig für mich. Ich hatte ja länger nicht getroffen“, gibt er unumwunden zu. Wichtig, um es sich selbst zu beweisen, dass sein Aufstieg kein Zufall war. Wichtig, um dem Trainer zu zeigen, dass er weiterhin da und auf ihn Verlass ist. Denn die Konkurrenz ist ja nicht kleiner geworden mit dem Zugang aus dem Lande Nippon, Keita Endo. Und Bülter ärgerte es schon ein klein wenig, dass der Japaner im vergangenen Spiel den Vorzug vor ihm bekam. „Natürlich will ich immer spielen. Aber ich habe das akzeptiert. Dass neue Konkurrenz kommt, ist doch normal. Es pushed einen jede Woche dazu, Höchstleistungen zu bringen. Und manchmal tut es gut, auch mal ein Spiel Pause zu haben“, sagt Bülter. Selbst wenn es einem im ersten Augenblick nicht so ganz schmeckt.