Berlin - Endlich wieder mehr Bundesliga-Fußball ohne Bezahlschranke, zumindest teilweise eine überraschende Abkehr vom Pay-TV: Millionen deutsche Fans können anscheinend auf besseren Zugang zu Live-Bildern ihrer Lieblingsmannschaften hoffen. Einem Bericht der Sport Bild zufolge will die Deutsche Fußball Liga (DFL) die Bundesliga verstärkt zurück ins Free-TV bringen.

Entsprechende Gedankenspiele für die Neuvergabe der Rechte ab der Saison 2025/26 entstammen demnach einer Strategie-Arbeitsgruppe um die neue DFL-Chefin Donata Hopfen und Bayern-Vorstand Jan-Christian Dreesen. Dem Gremium gehören überdies Oliver Leki (SC Freiburg), Rüdiger Fritsch (Darmstadt 98) und Axel Hellmann (Eintracht Frankfurt) an.

Nur Sat.1 zeigt Bundesliga-Spiele im Free-TV

Die DFL kämpft angesichts großer Einnahme-Lücken besonders im internationalen Bereich einerseits um eine Maximierung der Erlöse, will aber andererseits die Bundesliga als volksnahes Premiumprodukt erhalten. Die vielen „kleinen“ oder weniger attraktiven Vereine und die Effekte der Corona-Pandemie erschweren dies. Derzeit übertragen Sky (am Sonnabend) und DAZN (am Freitag und Sonntag) die Bundesliga gegen Bezahlung, Sat.1 hatte sich das Rechtepaket E mit neun Live-Spielen im Free-TV gesichert. Es umfasst unter anderem die Eröffnungsspiele der Bundesliga und 2. Liga sowie die Relegation.

In einer Stellungnahme hält sich die DFL zurück. „Es ist wichtig, den deutschen Profifußball jetzt aus einer Position der Stärke heraus, entlang seiner Werte und Traditionen, weiterzuentwickeln und zukunftssicher zu machen“, hieß es: „Dafür haben wir einen mehrstufigen Prozess gestartet, der noch ganz am Anfang steht.“ Konkreter wurde die DFL nicht: „Es geht uns darum zu schauen, welche Wege es gäbe, welche gangbar sein könnten und welche nicht. Denn nicht alles, was machbar ist, können und wollen wir umsetzen.“

Für Donata Hopfen gibt es keine heiligen Kühe

Hopfen hat ihre Sicht bereits dargelegt. „Es gibt für mich keine heiligen Kühe“, hatte sie in einem Interview gesagt. „Jede Maßnahme, die uns in Zukunft Geld bringen soll, muss zu uns passen. Ich finde aber, wir können in dieser Hinsicht nichts ausschließen.“ In der Folge entspann sich eine Diskussion über Play-offs oder die Austragung des Supercups im Ausland. Die DFL müsse „aufpassen, dass wir nicht in eine Abwärtsspirale geraten“, zugleich aber „den Fan in den Mittelpunkt stellen“, forderte Hopfen. Ein fast unmöglicher Spagat, da Fan-Interessen und Vermarktung zumeist gegenläufig sind.

Viele Anhänger sind schon länger irritiert und verlieren angesichts der Zerstückelung der nationalen und internationalen Wettbewerbe die Übersicht. Die Champions League ist derzeit nur gegen Bezahlung live zu sehen (DAZN und Amazon Prime), die Europa League und die Conference League laufen bei RTL oder dessen Bezahl-Angebot RTL+. Künftig soll zumindest für die Bundesliga anscheinend Reichweite vor Umsatz gehen.