Basketballprofi Joshiko Saibou.
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BerlinNun mal grundsätzlich: Wie viel Meinungsfreiheit darf ein Berufssportler für sich beanspruchen? Diese Frage werfen der Basketballspieler Joshiko Saibou und die anhaltende Debatte um dessen Entlassung erneut auf. Der Spieler vertritt zur Corona-Pandemie öffentlich Ansichten, die mindestens kritisch zu betrachten sind, um es freundlich zu formulieren, ohne sie inhaltlich weiter zu bewerten. Saibou wurde von seinem Arbeitgeber Telekom Baskets Bonn daraufhin gekündigt. Der Verein „Athleten Deutschland“ wiederum hat jetzt bezweifelt, dass diese Kündigung Saibous rechtlich haltbar sei, dass jedenfalls ein klärendes Gespräch besser gewesen wäre.

Erst mal grundsätzlich und grundgesetzlich: In Artikel 5, Absatz 1 heißt es: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten.“ Das gilt auch für Profisportler, was logisch klingt, jedoch wegen ihrer herausgehobenen Stellung leicht vergessen wird. Der ehemalige Berufshandballer und derzeitige Sportchef der Füchse Berlin, Stefan Kretzschmar, hat unlängst in einem Interview gesagt, Athleten bekämen Probleme, wenn sie Meinungen vertreten, die nicht mehrheitsfähig seien – und erntete in den sozialen Netzwerken prompt unsoziale Kommentare. Er löste einen wahren Shitstorm aus.

Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo sie die Freiheit anderer berührt. Das gilt für Mehrheiten genauso wie für Minderheiten, für Prominente wie für die anonyme Masse, für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer. Die müssen auf die Interessen ihrer Firma Rücksicht nehmen, ein Basketballprofi somit auf das Ansehen seines Klubs, auf die Gesundheit der Kollegen zumal. Den Rahmen dafür liefert das Bürgerliche Gesetzbuch.

Saibou trat vor anderthalb Wochen auf der Berliner Großdemo gegen Corona-Beschränkungen ohne Maske und Abstand zu Nebenleuten auf. Handelte der Spieler damit rücksichtslos im juristischen Sinne? Oder politisch betrachtet: Nutzt der Bonner Basketballklub einen Fehltritt als Hebel, um einen mutmaßlichen Querulanten loszuwerden?

Solche Fragen werden die Akteure des Berufssports immer wieder aufwerfen. Sie werden zu Antworten herausfordern, Debatten auslösen, die nützlich sind, geführt werden müssen, nicht von Empörung und Schlagworten gesteuert, sondern vorbehaltlos. Denn im Grundsatz gilt: Meinungsfreiheit ist ein wichtiger Maßstab für den Zustand einer Demokratie.

Joshiko Saibou, das soll in diesem Zusammenhang nicht verschwiegen werden, hat kritische Äußerungen auf seinem Account bei Instagram gelöscht und deren Autoren gesperrt.