Berlin - Dieser achte Titel der Eisbären wird wohl als der ungewöhnlichste in die Geschichte eingehen. Die erste Meisterschaft 2005 war erlösend, 2012 ging es besonders spektakulär zu, weil der EHC im vierten Finalspiel einen 2:5-Rückstand in Mannheim drehte. Eine Geistersaison wie 2020/2021 wird es hoffentlich nie wieder gegeben. Aber sie wird sich für ewig ins Gedächtnis einbrennen, weil sie sich von allem bislang Bekannten so dramatisch unterschied.

Meister in Coronazeiten zu sein, ist sportlich keinesfalls ein Makel. Vielmehr haben die Eisbären ein Paradebeispiel dafür abgegeben, was Zusammenhalt und Mannschaftsgeist angeht. Mit jedem Tag in dieser Saison sind sie enger zusammengerückt und haben in den Playoffs ihr Meisterwerk abgelegt. Anders als Mannheim oder München, die vor der Saison wie jedes Jahr als Favoriten galten, haben sie sich auch in diesem besonderen Best-of-three-Modus nicht aus dem Tritt bringen lassen. Rückschläge und Rückstände gab es reichlich, als verschworene Gemeinschaft hat der EHC sie überwunden.

Jeder Eisbären-Profi hat seine Rolle gefunden

Einige Titel in der Vergangenheit waren erwartbar, weil die Eisbären das deutsche Eishockey dominierten und die Konkurrenz den EHC um Frontmänner wie Steve Walker, Denis Pederson oder Stefan Ustorf, deren Trikotnummern heute unter dem Hallendach hängen, beneidete. Auch im aktuellen Meisterkader mangelt es nicht an Spielern mit herausragenden Fähigkeiten, aber dennoch ist diese Meisterschaft vor allem das Ergebnis eines einzigartigen Teambuildings. Weil jeder seine Rolle gefunden und angenommen hat.

Und selbst wenn der eine oder andere Spieler womöglich die Eisbären wieder verlassen wird, weil die Pandemie eben auch für außergewöhnliche Umstände auf dem Transfermarkt sorgte, ist davon auszugehen, dass dieser besondere Geist im Team bestehen bleibt. Womit die Eisbären auch in der kommenden Saison ein heißer Kandidat auf den Titel sein werden. Und dann auch eine krachende Meisterparty mit den Fans feiern könnten.