Berlin - So mancher Tourist, der sich am Mittwochnachmittag zum Brandenburger Tor aufgemacht hatte, schaute irritiert drein. Mit französische und US-Flaggen hatten sie dort wohl gerechnet. Mit den wehenden Fahnen, von denen ein finsterer Eisbär lugt, konnten sie offensichtlich aber nicht allzu viel anfangen. Eine britische Reisegruppe fragte: „Was ist das?“ Zum Glück stand schlauer Rat in musikalischer Form bereit. „Wir wollen den Meister sehen“, hatten einige der etwa hundert Fans angestimmt, die sich dort zusammengefunden hatten.

Kurz nach 17 Uhr machte sich der Meister dort lautstark bemerkbar. Hupend rollte die Karawane aus 100 Fahrzeugen an – neben den Teamwagen fuhren auch etliche Anhänger in geschmückten Autos mit. Ersatzkapitän Jimmy Sharrow hatte dann die Ehre, den Pokal auf dem Pariser Platz zu präsentieren, wo der Eisbären-Autokorso endete.

Der war am Olympischen Platz in Charlottenburg eine Stunde zuvor gestartet und hatte sich über Kurfürstendamm und Potsdamer Platz vor allem durch den Westteil der Stadt bewegt. Auch nach dem siebten Titel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) wollte man auf die gesamte Party-Palette nicht verzichten.

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An der Strecke taten sich die Anhänger mit dem Feiern etwas schwer, sie waren dorthin nicht ganz so zahlreich geströmt. Zum Höhepunkt aber konnten sich die Eisbären wieder auf ihre treuen Fans verlassen: Als der blaue Mannschaftsbus vor dem Wellblechpalast in Höhenschönhausen – dort liegen die Ursprünge des Vereins – vorfuhr, warteten schon 800 Sympathisanten, die noch einmal alles an Accessoires dabei hatten, was die Utensilien-Schatztruhe so hergibt: Sonnenbrillen mit Eisbären-Motiv, Eisbären-Plüschmützen und Trikots aus vielen Jahren Vereinsgeschichte.

Ein bisschen hatte die Szenerie dann etwas vom Empfang eines Teenie-Idols. Kinder wie gestandene Familienväter zückten ihre Fotoapparate oder Handys, um die letzte Gelegenheit in dieser Saison für den perfekten Schnappschuss zu nutzen. Und die Spieler mussten sich durch ein schmales Spalier auf die Bühne kämpfen, wo sie ein letztes Mal genießen durften, wie ihr Name von euphorischen Kehlen skandiert wurde.

Der große Moment gehörte Kapitän André Rankel, der von den Fans zum besten Spieler der Saison gekürt wurde. „Dieser Titel gehört der Mannschaft“, bedankte er sich artig. Um anschließend mit seinen Kollegen Autogramme zu geben und sich für den Donnerstag aufzuwärmen. Dann sind die Eisbären beim Regierenden Bürgermeister zu Gast und tragen sich im Roten Rathaus in das „Gästebuch von Berlin“ ein, bevor es in die Sommerpause geht.

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