Wirft der Klubführung Strategielosigkeit vor: Messi.
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Berlin/BarcelonaLionel Messi hatte gerade erst seine beispiellose Generalabrechnung mit dem FC Barcelona abgegeben, da überschlugen sich in Spanien bereits die Schlagzeilen. „Es ist wie ein Horrorfilm, das Theater hat ein Ende - aber auch nur auf dem Papier“, schrieb die Zeitung Marca und urteilte: „Messi bleibt, die Krise geht weiter.“

Am Freitagabend hatte Messi sein Schweigen gebrochen. Ja, sagte er, er wollte den FC Barcelona, diesen Klub, der ihn und den er geprägt hat, verlassen. Aber Präsident Josep Maria Bartomeu habe ihm Steine in den Weg gelegt, sein Wort gebrochen und einen Abschied unmöglich gemacht.

Von den emotionalen Herausforderungen ganz zu schweigen, schließlich ist Messi seit 16 Jahren in Barcelona zu Hause. Die Familie mit den beiden Kindern fühlt sich in der Metropole wohl, es habe viele Tränen gegeben, als er seine Wechselabsichten daheim diskutierte, erzählte Messi im Exklusiv-Interview mit dem Portal Goal.

Am Ende entschied sich der Argentinier zerknirscht, den FC Barcelona doch nicht zu verlassen. „Messi bleibt, allerdings stocksauer“, schrieb AS: „Er schießt weiterhin gegen die Führungsriege des Vereins. Es wird für Barcelona nicht einfach, diese Saison mit diesem vergraulten Messi umzugehen.“

Im kommenden Sommer kann Messi ablösefrei wechseln. Sein früherer Förderer und Mentor Pep Guardiola wird dann erneut versuchen, den Argentinier zu Manchester City zu lotsen. Auch Paris St. Germain mit dem deutschen Trainer Thomas Tuchel würde den sechsmaligen Weltfußballer nur zu gerne in den eigenen Reihen haben. Da keine Ablöse fällig würde, könnte man das ohnehin schon üppige Jahresgehalt des Stürmers noch deutlich anheben.

Eigentlich beinhaltet Messis Vertrag in Barcelona eine Klausel, die einen Abschied vorzeitig hätte möglich machen können - und der 33-Jährige sagte, er habe Bartomeu schon mehrfach darauf hingewiesen, dass er gehen wolle. Der Präsident aber habe ihn immer vertröstet - und beharre nun auf die festgeschriebene Ablöse von 700 Millionen Euro. Auch, weil die Klausel für einen vorzeitigen Ausstieg im Juni abgelaufen war, obwohl die Saison zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu Ende gespielt worden war.

„Das war unmöglich“, sagte Messi. Eine schwierige juristische Auseinandersetzung drohte. Das aber sei für den Argentinier keine Option. „Ich würde niemals gegen Barca vor Gericht ziehen, weil es der Klub ist, den ich liebe“, sagte er: „Der mir alles gegeben hat, seit ich hierher kam. Es ist der Klub meines Lebens.“

Doch der Klub habe keine Vision, keinen Plan, wie er wieder erfolgreich werden könne, sagte Messi. „In Wahrheit gab es für lange Zeit kein Projekt oder sonst irgendetwas. Sie machten halbe Sachen und ließen viel Zeit sinnlos verstreichen.“

Nicht das desaströse 2:8 im Viertelfinale der Champions League gegen Bayern München sei der Grund für seine Entscheidung, den Klub zu verlassen, betonte Messi. Nein, der Gedanke sei über längere Zeit gereift. Er wolle seine „letzten Jahre als Fußballer glücklich“ sein. Und: „Zuletzt habe ich in diesem Klub kein Glück mehr gefunden.“

Nun aber kann der neue Coach Ronald Koeman „sein neues Projekt um Messi aufbauen, wenigstens für ein Jahr“, schrieb die Zeitung Sport: „Es war über zehn Tage ein fürchterlicher Albtraum.“