Mit dem Charterflugzeug zum Qualifikationsspiel nach Buenos Aires: Lionel Messi.
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Berlin/Rio de JaneiroAcht Tage verbrachte Flamengo Rio de Janeiro in Ecuador, bestritt zwei Partien in der Copa Libertadores – und kehrte mit mehr als 15 infizierten Spielern an den Zuckerhut zurück. Vor Gericht versuchte Flamengo danach, wegen Spielermangels das Recht zu erwirken, in der nächsten Partie in der brasilianischen Meisterschaft nicht antreten zu müssen. Es entbehrte nicht einer gewissen Ironie, weil der Meister und Libertadores-Sieger einer der Klubs war, der bis hin zu Präsident Jair Bolsonaro am stärksten auf die Rückkehr des Fußballs in Brasilien in der Corona-Pandemie gedrängt hatte. Doch auch Boca Juniors aus Buenos Aires registrierte – bereits vor Beginn der Copa Libertadores, die auch die Rückkehr des Fußballs in Argentinien bedeutete, wo die Profiligen seit März pausieren – ebenfalls mehr als ein Dutzend infizierter Spieler.

Ähnliches ist nun auch in der WM-Qualifikation in Südamerika zu befürchten, die am Donnerstag (Ortszeit) unter anderem mit der Partie Argentinien gegen Ecuador in Buenos Aires unter schwierigen Bedingungen startet. Der Weltverband Fifa hatte zuletzt die WM-Qualifikation in anderen Regionen auf 2021 verlegt. Doch der südamerikanische Verband Conmebol bestätigte mit Fifa-Billigung Spiele am 8./9. und 13. Oktober – und löste eine Abstelldiskussion, Kaderstreichungen und Last-Minute-Nominierungen aus. Die Fußballer-Vereinigung Fifpro warnte vor dem Reiserisiko für rund 250 Spieler, unter ihnen die Weltstars Lionel Messi (FC Barcelona), Neymar (Paris Saint-Germain), James Rodríguez (FC Everton) und Luis Suárez (Atlético Madrid). Lateinamerika ist einer der Brennpunkte der Corona-Pandemie.

Nach den USA und Indien verzeichnet Brasilien, das zu seinem WM-Quali-Auftakt in São Paulo am Freitag Bolivien empfängt, die meisten Infektionen mit dem Coronavirus (über 4,9 Millionen). Gemessen an der Bevölkerungszahl sterben in keinem Flächenstaat so viele Menschen an der Krankheit Covid-19 wie in Peru, wo Brasilien am Dienstag (Ortszeit) in Lima zu Gast ist. 89,99 Tote je 100.000 Einwohner registrierte das Andenland im September. Die Grenzen sind immer noch geschlossen, ab 23.00 Uhr herrscht Ausgangssperre, weshalb die Conmebol die Anstoßzeit verschob.

Die Fifpro verwies zudem darauf, dass bei Ländern wie Argentinien, Kolumbien oder Uruguay viele bis alle Spieler im Ausland aktiv sind. Südamerikanische Starspieler sind zwar lange Länderspielreisen gewohnt und haben Routinen entwickelt. Messi charterte für sich und andere Teamkollegen der argentinischen Nationalmannschaft ein Flugzeug aus Spanien. Brasiliens Neymar kam im Leistungszentrum Granja Comary in Teresópolis bei Rio wie üblich mit einem Helikopter an. Aber für eine WM-Qualifikation inmitten eines Corona-Hotspots bestehen keine Routinen.