Mesut Özil ist nicht nach Deutschland zurückgekehrt, nicht als Fußballprofi, ist heute Abend nicht für den FC Arsenal  bei dessen 3:0-Sieg in der Europa League bei Eintracht Frankfurt aufgelaufen. Für manche ist das eine Nachricht, die Sprengkraft entwickeln könnte. Für andere ist es Alltag.

Unai Emery hatte sportliche Gründe

Für Unai Emery zum Beispiel. Als Trainer des FC Arsenal hat er die Entscheidung getroffen, Özil in London zu lassen, weil seine Mannschaft viele Begegnungen in dieser Saison bestreiten muss und der Kader mit 19 Mann für ein Wechselspiel ausgelegt ist. Weil genug Qualität in diesem Kader steckt, um Profis vom Schlage eines Mesut Özil oder eines Sokratis Papastathopoulos eine Pause zu gönnen.

Ob die Schonung Özils damit zu tun habe, dass dieser nach Deutschland zurückgekehrt wäre, ein Jahr nach seinem Abschied aus der Nationalmannschaft, bestritt Emery mit einem Wort: Nein! Das ist aus Sicht des Trainers sicher richtig. Zumal Özil Ende Juli in London einem Überfall zum Opfer fiel. Doch allein die Tatsache, dass Emery diese Frage gestellt wurde, zeigt, dass eben doch Brisanz in der Personalie Mesut Özil hierzulande steckt.

Özil stand fürs Miteinander

Der mittlerweile 30 Jahre alte Mittelfeldspieler stand lange Zeit für ein Miteinander in Deutschland. Mesut Özil, Sohn türkischer Migranten, galt als Beispiel für gelungene Integration. Mesut Özil,  Kind des Arbeiterstadtteils Gelsenkirchen Bismarck, aufgewachsen im Schatten der Zeche Consolidation, war ein Symbol für die Durchlässigkeit der Gesellschaft, für ihre Aufstiegsmöglichkeiten.

So überhöht diese Sichtweise damals war, so überhöht war auch die Debatte im Sommer vergangenen Jahres über die offen gezeigten Sympathien des Fußballspielers für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Ein Autokrat, der am NBA-Profi Enes Kanter von den Boston Celtics demonstrierte, welche Art Sportfreund er ist. Von dem derzeit staatenlosen Basketballer mit türkischen Wurzeln fühlte sich Erdoğan beleidigt, weshalb dem Aufmüpfigen eine Haftstrafe drohte.

Özils öffentliches Bekenntnis war – vorsichtig formuliert - nicht besonders schlau. Die Reaktion des Deutschen Fußball-Bundes nicht weniger undurchdacht: Nach anfänglicher Rückendeckung ließ der DFB den Nationalspieler fallen.

Diese Geschichte wirkt bis heute nach, wie sich an der Absage Özils und den Spekulationen darum zeigt. Dass Profisport eine unpolitische Angelegenheit sei, ist ohnehin ein Märchen, das nur noch Marketingstrategen erzählen. Der bezahlte Fußball ist es nicht und der Fußballer Mesut Özil schon gar nicht.

Am vergangenen Sonntag hat Özil übrigens sein erstes Spiel für den FC Arsenal nach dem Überfall bestritten. In der Premier League lief er gegen den FC Watford auf (2:2). Özil gab eine Torvorlage. Nach 70 Minuten musste er vom Platz. Ihm fehlt die Kraft.