Dass Mesut Özil den mangelnden Rückhalt seiner Mitspieler beklagt, ist nachvollziehbar.
Foto: Sebastian Frej/imago

BerlinIn einer Hinsicht kann man den ehemaligen deutschen Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und dessen aktuellen Äußerungen auf dem amerikanischen Sportportal „The Athletic“ verstehen. In die Kritik am Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan hat sich früh auch eine hässliche rassistische Tendenz gemischt. Die gellenden Pfiffe gegen die Spieler Özil und Gündogan in einem Vorbereitungsspiel zur WM 2018 waren zweifellos keine Reaktion auf sportliche Leistungen.

Mesut Özil verklärt

Dass Mesut Özil nun den mangelnden Rückhalt seiner Mitspieler in jener Phase vor der WM beklagt, ist ebenfalls nachvollziehbar. Eine beherzte Verteidigung durch die Mitspieler blieb öffentlich jedenfalls aus. Der Deutsche Fußball Bund (DFB) tat sich schwer, eine Haltung zu den Vorgängen zu gewinnen. Die Affäre schwelte über Wochen und blieb als Belastung steinschwer im Gepäck der betroffenen Spieler und der gesamten Mannschaft. Selbst Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der vermittelnd eingegriffen hatte, ging beschädigt aus den Vorgängen heraus.

Nicht folgen sollte man Mesut Özil jedoch bei seinen verklärenden Erläuterungen zum gemeinsamen Foto mit Erdogan. Dieser sei der aktuelle Präsident der Türkei, bei dem Foto sei es darum gegangen, dem Oberhaupt eines Staates Respekt zu erweisen. Das ist, mit Verlaub, nachgeplapperter Unsinn. Özil hat dem türkischen Präsidenten keineswegs nur Respekt, sondern vor allem einen propagandistischen Dienst erwiesen. Mesut Özil nimmt für sich eine naive Spontanität in Anspruch, die für einen erfahren Weltklassesportler, zu dessen Geschäftsfeld auch der professionelle Umgang mit Bildmedien gehört, nicht gelten kann.

Mesut Özil ist von Beratern umgeben, die quantitativ eine Fußballmannschaft ergeben. Sie kennen den Wert und die Wirkung der Webemarke Özil. Und so ist es denn auch kein Zufall, dass sich die kritischen Äußerungen Özils an die Auseinandersetzungen um den wiederholt ausgeübten militärischen Gruß türkischer Nationalspieler vor dem Hintergrund in Nordsyrien anschließen. Mesut Özil sieht sich als Opfer einer in vielerlei Hinsicht unglücklich verlaufenen Affäre. Nun aber hat er sich entschieden, eine politische Rolle zu spielen. Er wird hinnehmen müssen, dass diese auch entsprechend bewertet wird. Das schön übersichtlich begrenzte Spielfeld eines Fußballplatzes jedenfalls hat Mesut Özil verlassen.