Mexikos WM-Held Guillermo Ochoa: „Das Leben schenkt dir solche Momente“

Mexikos Keeper Guillermo Ochoa hielt gegen Polen den Elfmeter von Robert Lewandowski und stellte seine außergewöhnliche Klasse erneut unter Beweis.

Mexikos Nummer eins Guillermo Ochoa demonstrierte seine Klasse gegen Polen eindrucksvoll.
Mexikos Nummer eins Guillermo Ochoa demonstrierte seine Klasse gegen Polen eindrucksvoll.AFP/Vatsyayan

Es war die entscheidende Szene der Partie: Mexikos Kapitän Guillermo Ochoa und Polens Starstürmer Robert Lewandowski im direkten Duell. Der Torjäger trat in der 58. Minute zum Elfmeter an, den er selbst herausgeholt hatte. Der Angreifer des FC Barcelona verzögerte den Anlauf nicht wie gewohnt, sondern lief durch, schoss wuchtig, aber unplatziert in die rechte untere Ecke, in die auch Ochoa abgetaucht war. Er wehrte den Ball ab.

Der Jubel unter den mexikanischen Fans im Stadium 974 in Doha war groß, denn der Kultkeeper hatte ein weiteres Mal sein „WM-Gesicht“ gezeigt und rettete seinem Team mit dieser Parade einen Punkt. Nach dem Abpfiff sagte er emotional: „Das Leben schenkt dir solche Momente. Es ist ein Kindheitstraum, bei der WM zu spielen und Geschichte zu schreiben.“

Bei Weltmeisterschaften läuft der Mann mit dem schwarzen Haarband und der auffälligen dunkelbraunen Lockenmähne immer wieder zu Hochform auf. 2014 trieb er beispielsweise Brasilien mit mehreren sensationellen Paraden zur Verzweiflung. Neymar, Thiago Silva und viele andere Seleção-Akteure fanden im Schlussmann der „El Tri“ ihren Meister und mussten sich im zweiten Gruppenspiel mit einem enttäuschenden 0:0 begnügen, weil Ochoa für sie an diesem Tag einfach nicht zu überwinden war.

So zog er mit seinem Team ungeschlagen ins Achtelfinale ein, scheiterte dort allerdings auf bittere Weise an den Niederlanden. Bis zur 88. Minute führte Mexiko mit 1:0, kassierte dann aber durch Wesley Sneijder nach Vorlage von Klaas-Jan Huntelaar den Ausgleich. In der Nachspielzeit holte Arjen Robben dann einen Elfmeter heraus, den der Hunter zum 2:1 für die Elftal verwandelte (90.+5). Hier endete Mexikos Fußball-Märchen also verfrüht.

Guillermo Ochoa (l.) umarmte nach dem Spiel gegen Polen den sichtlich enttäuschten Robert Lewandowski.
Guillermo Ochoa (l.) umarmte nach dem Spiel gegen Polen den sichtlich enttäuschten Robert Lewandowski.AFP/Thuillier

Guillermo Ochoa konnte seine WM-Form im Verein nicht immer bestätigen

Ähnlich lief es 2018, wo Mexiko zum Start Deutschland schockte und mit 1:0 gewann, woran der Keeper seinen Anteil hatte. Doch erneut scheiterte man im Achtelfinale, dieses Mal war Brasilien zu stark und siegte mit 2:0, obwohl Ochoa mehrfach zeigte, was in ihm steckt.

Trotzdem gab es vor dem aktuell laufenden Turnier Kritik an El-Tri-Coach Gerardo Martino, der neben dem 37-Jährigen auch auf die ebenfalls erfahrenen Torhüter Alfredo Talavera (40) und Rodolfo Cota (35) setzt. Ob auch nur einer bei einer WM in vier Jahren dabei sein wird, ist fraglich, viele Fans hätten sich zumindest ein Talent im Kader gewünscht.

Selbst Ochoa wird in seiner Heimat immer mal wieder kritisch gesehen, obwohl er in der Nationalmannschaft starke Leistungen zeigt, vier Gold-Cup-Titel holte und 133 Länderspiele absolviert hat. Er konnte seine Auftritte auf der großen Bühne in seinen Vereinen nicht nachhaltig bestätigen.

So spielte er zwar in der französischen Ligue 1 für den AC Ajaccio, in der spanischen LaLiga für den FC Granada sowie FC Malaga und in der belgischen Jupiler Pro League für Standard Lüttich, aber nie für einen internationalen Spitzenklub. Dabei wäre das mit mehr Konstanz zweifelsohne möglich gewesen.

Die entscheidende Szene gegen Polen: Guillermo Ochoa pariert den Elfmeter von Robert Lewandowski.
Die entscheidende Szene gegen Polen: Guillermo Ochoa pariert den Elfmeter von Robert Lewandowski.Imago/Wilson

Guillermo Ochoa ist ein Torwart für die große WM-Bühne

Ausgebildet wurde Ochoa beim mexikanischen Top-Verein CF America, für den er bis 2011 aktiv war und seit 2019 wieder zwischen den Pfosten steht. Insgesamt lief er 424-mal für seinen Herzensklub auf, dabei hielt er 120-mal die Null und leistete in der heimischen Liga, die mit der amerikanischen Major League Soccer um die Vorherrschaft in Nord- und Mittelamerika kämpft, einiges.

Mit CF America wurde der 1,83 Meter große, aber extrem sprungkräftige sowie reaktionsschnelle Torwart 2005 Meister und gewann ein Jahr später auch die CONCACAF Champions League. Gerade auf der Linie ist er stark, fußballerisch und in der Strafraumbeherrschung patzt er ab und an.

Doch bei großen Turnieren ist er offenbar so motiviert, dass er hier regelmäßig an sein Leistungslimit herankommt. Deshalb ist der Keeper, der auch schon bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 als Ersatzmann im mexikanischen Aufgebot stand, definitiv ein Mann für die große Bühne.