Er rettete 1998 den 1. FC Union mit seinen Millionen vor der Pleite. Sechs Jahre später spendete er wie der damals angehende Präsident Dirk Zingler 100.000 Euro für den Erhalt der Regionalligalizenz. Noch heute bedanken sich Fans dafür bei Michael Kölmel, wenn sie ihm im Stadion an der Alten Försterei begegnen. Längst hat sich die Rettung in ein ertragreiches Projekt verwandelt. Jährlich erhält Kölmel 13,75 Prozent der TV-Einnahmen von Union. Vergangenes Jahr waren es knapp 700.000 Euro, in der laufenden Saison wird es etwa eine Million Euro.

Herr Kölmel, hat Sie überrascht, dass Trainer Uwe Neuhaus den Verein verlassen muss?

Klar waren wir insgesamt enttäuscht. Es hätte noch ein bisschen besser gehen können. Vor allem bestand dieses Jahr die Chance auf den Aufstieg, weil es keine Übermannschaften gab.

Sie sind regelmäßiger Gast im Stadion. Gefällt Ihnen, was Sie sehen?

Ich kenne die Entwicklung, wie man wieder in die Zweite Liga hochgekommen ist. Da gibt es eine positive Kontinuität. Die hochgesteckten Ziele gab es dieses Jahr so ja gar nicht. Wenn man die Chance nicht genutzt hat, darf man sich nicht grämen. Ich kann mir vorstellen, dass man sich sagt, dass neue Akzente gesetzt werden müssen, wenn man in die täglichen Entscheidungen eingebunden ist.

Sie haben also keine Angst, dass die angesprochene Kontinuität mit einem neuen Trainer verloren wird?

Nein. Ich bin nicht im Management, deswegen möchte ich dazu nichts sagen. Jeder Zuschauer hat eine Meinung, aber das ist eher so eine emotionale Meinung.

Haben Sie denn persönlich einen Wunsch für den neuen Trainer? Welcher Typ sollte das sein?

Klar muss es einer sein, der das gut findet, was er bei Union vorfindet, die Atmosphäre. Das andere ist eine fachliche Kompetenz. Das sind manchmal nicht unbedingt die großen Namen. Das haben wir gesehen: Es gibt gerade einen richtigen Generationswechsel bei den Trainern. Das ist eine schwierige Entscheidung. Das muss ein längerer Auswahlprozess sein, hinter dem Konzept muss man stehen.

Holger Stanislawski oder Mike Büskens haben ihre Aufstiegsfähigkeiten bereits unter Beweis gestellt. Sind das Alternativen?

Es werden ja immer die gleichen Namen diskutiert. Das muss nicht sein, wenn ich zu entscheiden hätte. Dann würde ich mir das im Großen angucken, wer sich eignet und anbietet.

Die angesprochene Kompetenz ist bei Union besonders wichtig, weil dem Trainer kein Sportdirektor zur Seite steht. Ist die Alleinverantwortung ein strukturelles Problem?

Die Leute die da agieren, machen das schon eine ganze Zeit lang und haben zum Teil selber gespielt. Ich würde nicht sagen, dass es da ein Vakuum gibt.

Es entsteht also mit dem Abgang von Uwe Neuhaus kein luftleerer Raum?

Nein, das glaube ich nicht. Es gibt eine Struktur, dank der man relativ großflächig aussuchen kann. Auf der Ausgangssituation kann man gut aufbauen.

Sie vertrauen dem Präsidium?

Ja klar. Das Präsidium hat das alles begleitet von ganz schlechten Zeiten. Da ging es erst noch weiter runter. Sie haben den Kopf nicht verloren und das Zug um Zug aufgebaut. Mit dem Stadion hat man sich etwas geschaffen, was der Situation total entspricht. Es ist nicht übermäßig teuer gewesen, sodass es keine Folgelast ist, an der viele andere Vereine leiden. Das ist bei Union äußerst gut gelöst, und diesen Vorteil hat man die nächsten Jahre.

Sie haben einmal gesagt, dass sich TV-Beteiligungen, wie Sie auch bei Union eine haben, erst ab der Bundesliga lohnen. Ist das noch so?

Das hat sich gewandelt. Die Fernsehgelder sind unheimlich angestiegen. Da kommt jedes Vierteljahr eine Zahlung. Die Sponsoren kommen und gehen und müssen immer wieder neu überzeugt werden. Da ist das Fernsehgeld eine sichere Sache. Die jährlichen Steigerungen bis zur Saison 2016/2017 sind vom Ligaverband bereits ausgehandelt. Vor allen Dingen für Union ist das gut. Das trifft natürlich alle Vereine. Es gibt aber einige Vereine, die erheblich mehr ausgeben, weil sie unbedingt aufsteigen müssen. Dazu gehört Union nicht.

Der Aufstieg ist aus Ihrer Sicht also kein Muss, weil es sich auch in der Zweiten Liga lohnt?

Zumindest war es 1998 die richtige Entscheidung. Wenn man sieht, was daraus entstanden ist, hat es sich schon gelohnt.

Das Gespräch führte Max Bosse.