Füchse-Trainer Velimir Petkovic (l.) an der Seitenlinie.
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BerlinFüchse-Trainer Velimir Petkovic sagt, die Tabelle interessiere ihn momentan nicht besonders. Für ihn sei die Punktesituation erst wirklich aussagekräftig, wenn die Hinrunde komplett gespielt ist. Bei dem momentanen Auf und Ab in der Bundesliga ist das eine weise Entscheidung. So konnte Aufsteiger Balingen zuletzt zwei Punkte in Göppingen holen, während der einstige Primus TSV Hannover-Burgdorf vom THW Kiel eingenordet wurde, wodurch wiederum der amtierenden Meister aus Flensburg an die Spitze katapultiert wurde. Verlustfrei ging bisher kein Verein durch die Saison – das relativiert einerseits die Ausrutscher der Füchse (Leipzig 23:24, Minden 25:29, Balingen 30:31) etwas, erhält andererseits die Spannung in der Liga aufrecht.

Um so wichtiger ist es, sich zukünftig so wenig Fehler wie möglich zu erlauben, um den Konkurrenten keinen zusätzlichen Vorteil zu verschaffen. Am Donnerstag könnte das Team von Velimir Petkovic dahingehend erste Pluspunkte im direkten Vergleich gegen den Derby-Rivalen aus Magdeburg sammeln. Schlecht stehen die Chancen dafür nicht. Während die Arena an der Elbe für viele Mannschaften eine uneinnehmbare Festung ist, erzählt die Statistik der Füchse hier eine ganz andere Geschichte. Bei den letzten zehn Bundesliga-Spielen fuhren die Berliner nur einmal ohne etwas Zählbares nach Hause.

Publikum mit Sachverstand

„Gegen Magdeburg muss ich meine Jungs nicht zusätzlich anspornen. Mich persönlich motivieren solche Hallen“, erklärt Petkovic hinsichtlich der zu erwartenden hitzigen Atmosphäre. „Ich schätze das Publikum, die haben viel Handball-Sachverstand und schon vieles durchgemacht. Aber manchmal fragt man sich doch, wer da zwischen den Rängen sitzt.“ Die unfairen Anfeindungen, die Trainer und Mannschaft während des EHF-Cups 2018 erfahren mussten, hat der 63-Jährige offensichtlich nicht vergessen.

Damals noch nicht dabei gewesen, aber dennoch mit den Liebeleien der Magdeburger Fans vertraut, ist Michael Müller. Zu seiner Zeit im Melsunger Trikot konnte sich Müller ohne viel Zutun eines Pfeifkonzertes sicher sein. „Mal schauen, wie das wird. Jetzt habe ich ja Heine im Team, der ein bisschen ablenkt“, scherzt Müller auf Torwart Silvio Heinevetter verweisend, der bei seinem ehemaligen Verein stets mit besonderer Aufmerksamkeit begrüßt wird. „Ich hatte da die letzten Jahre schon etwas Stress, aber das stört mich nicht. Mir macht das Spaß und ich finde es gut, wenn da etwas Thermik drin ist“, ergänzt der 34-Jährige.

Wie Heinevetter ist der Rückraum-Schütze einer, der die Stimmung aufsaugt und versucht, diese auf dem Spielfeld positiv umzusetzen. Doch nicht nur das verbindet die beiden gegenwärtig. Müller und Heinevetter verbrachten zuletzt mehr Zeit auf der Bank, als ihnen lieb war, erhielten aber am Sonntag im EHF-Cup gegen Malmö (34:27) mehr Spielanteile und konnten dabei überzeugen. „Natürlich will jeder Profi-Sportler spielen. Ich versuche, meine Zeit zu nutzen, so wenig wie möglich Fehler zu machen, und wenn ich spiele, Sicherheit mitzubringen“, erklärt Müller.

Ein Ansatz, der gegen Magdeburg wichtig sein wird. Bekannt für ihr schonungsloses Gegenstoßverhalten wird es gegen die Sachsen-Anhalter entscheidend sein, den Fehlerquotienten zu minimieren sowie ein gutes Rückzugs- und Abwehrverhalten an den Tag zu legen. Wie das gehen kann, haben die Berliner vor gut sieben Wochen bereits vorgemacht. Im DHB-Pokal gelang vor heimischer Kulisse ein 31:30-Erfolg, bei dem Petkovics Team trotz des knappen Endergebnisses den Elbestädtern immer etwas voraus war. „Da haben wir gezeigt, dass wir Lösungen haben“, erklärt der Trainer und blickt dann doch wieder auf die Tabelle: „Wenn wir das Spiel gewinnen, stehen wir auf jeden Fall vor Magdeburg.“