Ein historischer Abschluss eines historischen Jahres: Michael Parensen erzielt sein erstes Bundesligator.
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DüsseldorfDiesen Jahresabschluss hatte der 1. FC Union nicht verdient. Diese Last-Minute-Niederlage nach einem  Jahr, in dem der Klub so viele wunderbare Geschichten geschrieben hat. Diesen bitteren Schlusspunkt in einer Partie, in der sich die Köpenicker über den Ausgleichstreffer von Michael Parensen in der 48. Minute klare Feldvorteile erarbeitet und sich den Sieg verdient hatten. Aber dann das, diese 90. Minute, in welcher der von einem langen, langen Fußballjahr sichtlich erschöpfte Christopher Trimmel nicht mehr in den Zweikampf gegen den eingewechselten Erik Thommy kommt, dieser Erik Thommy aus 25 Metern ein letztes Düsseldorfer Hallelujah Richtung Union-Tor abfeuert und damit Rafal Gikiewicz überrascht. Fassungslos sind die Eisernen nach diesem 1:2, gehen mit gesenkten Köpfen vom Platz, versuchen zu verstehen, wie es dazu kommen konnte.

Es gab Spielzeiten, da war so ein Duell zwischen dem Tabellensiebzehnten und dem Tabellenelften der Fußball-Bundesliga für den neutralen Beobachter mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Zumutung. Weil die Akteure in so einer Konstellation ja gern mal von der Angst bewegt wurden. Nur keinen Fehler machen, lautete da gern mal die Maxime. Was die Akteure natürlich auch nicht davon abgehalten hat, ebensolche zu machen. Inzwischen ist das freilich alles ein bisschen anders, weil da wie dort Trainer in der Verantwortung stehen, die lieber vorwärts verteidigen lassen, als dass sie sich ausschließlich auf die Konzentrationsfähigkeit ihrer Defensivleute beziehungsweise auf das Schlachtenglück verlassen.

Urs Fischer, der Übungsleiter des 1. FC Union, zählt zu dieser Spezies, aber auch inzwischen Friedhelm Funkel, der als Trainer von Fortuna Düsseldorf offensichtlich einen Wandel vollzogen, ja einen erstaunlichen Entwicklungssprung gemacht hat. Folglich darf das, was ihre Mannschaften am 17. Spieltag der Fußball-Bundesliga in der Düsseldorfer Arena darboten, durchaus als rassig bezeichnet werden. Da war von Beginn an jede Menge Leidenschaft auf beiden Seiten und auch viel Mut zum Risikopass, wenngleich  beide Teams zunächst im Abschluss nicht präzise und durchschlagskräftig genug waren.

Ich habe den Ball zu spät gesehen, es war ein Flatterball. Wir haben hier zwei Sonntagstore kassiert.

Rafal Gikiewicz hielt fehlerlos, ging allerdings als Verlierer vom Platz.

Bedeutet im Umkehrschluss, dass beide Abwehrreihen erst mal einen guten Job machten. Bei Union wurde diese Abwehrreihe von Marvin Friedrich, Florian Hübner und von dem bereits erwähnten Parensen gebildet. Wobei Letztgenannter doch ein wenig überraschend für Neven Subotic in die Startelf gerückt war. In Zusammenarbeit mit Christopher Lenz leistete der „ewige Micha“ dann auch das, was auch gern mal als mittelmäßig abgetan wird, nämlich solide Basisarbeit. Genauso wie Marvin Friedrich in Zusammenarbeit mit Trimmel, wobei Friedrich darüber hinaus auch mal in der Offensive in Erscheinung trat. Nach einem Eckball von Trimmel war er beispielsweise mittendrin in der Düsseldorfer Verwirrung, aus der sich letztlich für Marius Bülter die Chance zur Führung ergab. Doch aus spitzem Winkel war für den Youngster wohl tatsächlich nicht mehr drin als ein Schuss an den Außenpfosten. In der 30. Minute erkämpfte sich Friedrich mit einer entschlossenen Grätsche den Ball in der Düsseldorfer Hälfte, machte noch ein paar große Schritte, den letzten jedoch einen Tick zu groß, sodass sein Fernschuss zu hoch geriet.

Was aufs Tor des 1. FC Union kam, war indes fürs Erste eine sichere Beute für Rafal Gikiewicz. Der Schlussmann der Eisernen parierte in der 10. und 20. Minute gekonnt gegen seinen Landsmann Dawid Kownacki. Doch in der 38. Minute ging auch für ihn alles zu schnell. Hübner verlor ein Kopfballduell gegen Oliver Fink, wodurch die Abwehr der Köpenicker und damit auch Friedrich und Parensen in eine Notsituation gerieten.  Düsseldorfs Torjäger handelte instinktiv, ließ sich erst gar nicht mehr auf einen Zweikampf mit dem herbeigeeilten Friedrich ein und vollendete mit sagenhaftem Schuss ins Tordreieck. Noch einmal prüfte Günter Perl in Köln den Zweikampf zwischen Hübner und Fink, befand aber in Kooperation mit Schiedsrichter Benjamin Cortus, dass Finks Ellbogen-Einsatz im Rahmen des Erlaubten gewesen sei. Hübners verletzungsbedingte Auswechslung zur Halbzeit (Verdacht auf Jochbeinbruch), ließ allerdings auch einen anderen Schluss zu.

Fischer brachte für seinen zentralen Abwehrmann Joshua Mees, stellte auf Viererkette um, und justierte nach dem Ausgleichstreffer, den Parensen nach einem Eckball und einem Kopfball von Friedrich per Abstauber erzielt hatte, seine Mannschaft weiter um. Der Schweizer wollte mehr als diesen einen Punkt, brachte Anthony Ujah als zweite Spitze neben Sebastian Andersson, ließ in einem 4-4-2-System Mees über links, Bülter über rechts angreifen. Und wie von Fischer erhofft, erspielte sich sein Team allerlei gute Torschussmöglichkeiten. Bülter scheiterte dabei mit seinem Rechtsschuss aus 14 Metern in der 72. Minute an Fortuna-Keeper Zackary Steffen, Andersson wiederum nach einem Eckstoß am gekonnten Block von Kaan Ayhan.

Die Fortuna wirkte mal abgesehen von einer Möglichkeit durch Hennings in der 82. Minute angeschlagen, wäre wohl auch mit einem Remis zufrieden gewesen. Aber dann nahm Thommy Einfluss auf den Lauf der Dinge.