Hertha-Manager Michael Preetz hat genug Spielraum für weitere Transfers.
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BerlinEs gab Zeiten, da musste Michael Preetz, der Hertha-Manager, jeden Euro dreimal umdrehen, ehe er diesen in neue Spieler investieren konnte. Dem Verein ging es viele Jahre finanziell schlecht. So stieg etwa im Sommer 2011 Mittelfeldmann Peter Niemeyer mit 700.000 Euro Ablöse zum „Königstransfer“ auf. Im Sommer 2013 durfte der Manager insgesamt 1,3 Millionen Euro ausgeben und der Japaner Hajime Hosogai war mit einer Million der teuerste Einkauf. All das scheint aus einer anderen Zeit zu stammen. Nach den gewaltigen Investitionen von Unternehmer Lars Windhorst in den Hauptstadtklub – im Oktober werden es insgesamt 374 Millionen Euro sein – ist Hertha zu einem neureichen „Player“ auf dem Transfermarkt aufgestiegen.

Nachdem Preetz im Winter 77 Millionen Euro für die vier Zugänge Lucas Tousart, Krzysztof Piatek, Matheus Cunha und Santiago Ascacibar (der Argentinier verletzte sich gerade erneut am Mittelfuß) ausgeben konnte, kamen im Sommer Torhüter Alexander Schwolow (acht Millionen) und Deyovaisio Zeefuik (vier Millionen) hinzu. „Natürlich spüren wir nun eine andere Erwartungshaltung“, sagte Preetz am Donnerstag in der ersten Auge-in-Auge-Medienrunde seit langer Zeit, „wir werden unsere größeren Mittel sorgfältig einsetzen und noch Profis holen, die den Verein auf das nächste Level heben können.“ Dabei sei dieser Transfersommer, der erst am 5. Oktober endet, „wahnsinnig kompliziert“. Der Manager glaubt, dass am Ende der Periode noch Optionen auf den Markt kommen, die im Moment noch keine sind. Geduld ist also gefragt.

Zwar besitzt Hertha auf dem Markt so gute Chancen wie nie zuvor, aber in den Verhandlungen kommt es auch zu langen Pokerspielen. Die abgebenden Klubs wissen schließlich, dass die Berliner ein stattliches, finanzielles Potenzial besitzen. Dass Hertha BSC inzwischen eine gute Adresse ist, zeigt das kolportierte Interesse von Paris St. Germain am Brasilianer Matheus Cunha. Preetz: „Es gab kein offizielles Interesse von Paris, aber Berichterstattung über Interesse von PSG. Ich habe dann eingeordnet, dass wir Cunha nicht im Winter geholt haben, um ihn schon wieder zu verkaufen. Er spielt in unseren Planungen eine zentrale Rolle.“

Ob und wann die Fans von Hertha ihn und den Rest der Mannschaft, die sicher noch mit zwei, drei Profis für den Offensivbereich verstärkt wird, wieder live im Olympiastadion erleben können, ist weiter unklar. Trotz des drohenden Zuschauerausschlusses sogar bis zum Jahresende bereitet sich Hertha auf eine mögliche Rückkehr von Fans vor. „Oberste Priorität hat die Gesundheit“, sagte Preetz, „dennoch sehen wir es als unsere Aufgabe an, uns vorzubereiten auf die Wiederzulassung von Zuschauern.“ Man könne „kurzfristig auf alle Szenarien reagieren“, so der Manager.