Während sich Hertha-Manager Michael Preetz im ersten Teil des Interviews mit der Berliner Zeitung vor allem auf die Ereignisse des vergangenen Jahres und das Verhältnis zwischen Klubs und Fans zu sprechen kam, richtet er in Teil zwei seinen Blick in die Zukunft.

Herr Preetz, skizzieren Sie doch bitte mal die Schritte, die dazu führen könnten, dass Marko Grujic länger als nur bis zum Saisonende in Berlin bleibt?

Das könnte ich tun, aber das würde nicht dabei helfen, dass dieses Szenario realistischer wird.

Es hilft auch nicht, wenn Pal Dardai, Grujic als den besten Mittelfeldspieler bezeichnet, den Hertha in den vergangenen zwanzig Jahren hatte, oder?

Das würde ich so unterschreiben.

Deswegen haben Sie auch schnell widersprochen und mit Marcelinho gekontert.

Ich habe deshalb widersprochen, weil es nicht richtig ist. Ich hätte auch viele andere Spieler aufzählen können, die hier großartig − und zwar über Jahre − gespielt haben. Ich verstehe Pal natürlich. Marko ist wichtig für uns. Aber Teil dieses Geschäfts ist eben auch, dass man manchen Spieler nur auf Leihbasis bekommt. Und dann muss man sich in dem Moment, wo man das macht, darüber im Klaren sein, was das bedeuten kann. Wenn es außergewöhnlich gut läuft, weckt man Begehrlichkeiten. Wir sollten uns erst mal freuen, dass er hier ist und uns in dieser Saison hilft. Ich kann nur sagen, dass ich permanent im Austausch bin mit Liverpool. Ich werde jedenfalls alles versuchen, wenn es soweit ist.

Wie wichtig ist, was der Spieler will?

Es ist nicht unwichtig, sonst wäre Marko gar nicht hier. Er gehört nicht zu den Spielern, die sich vorschreiben lassen wollen, wo es für sie langgeht. Wenn man mit ihm spricht, dann merkt man schnell, dass er ein ganz wacher Junge ist. Er hat sich vor der Leihe sehr intensiv mit Hertha beschäftigt. Als er sich dann mit seinem Klub an einen Tisch gesetzt hat, gab es vier Möglichkeiten, und wir können davon ausgehen, dass Hertha da aus Liverpooler Sicht nicht auf Nummer eins stand – aber bei Marko schon. Er hat gesagt, dass er unbedingt nach Berlin will, weil er die Möglichkeit hier am höchsten eingeschätzt hat, das zu bekommen, was er wollte, nämlich: so viel Spielpraxis wie möglich. Und das hat er – in Anführungszeichen gesetzt – auch so durchgesetzt. Er hat ja auch, ohne dass wir mit ihm darüber gesprochen haben, von Anfang ein zweites Jahr ins Spiel gebracht.

Das stärkt den guten Ruf, den sich Hertha als Ausbildungsverein erworben hat.

Wenn wir potenziell neuen Spielern Wege aufzeigen und sie davon überzeugen wollen, warum es der richtige Schritt ist, zu uns zu kommen, dann spielt das eine Rolle. Wir können sagen: Hier, bitte schön, da sind einige Namen, und jetzt verfolg das bitte zurück, das ist eins zu eins der Weg, den wir mit dir auch gehen wollen. Wenn man mit anderen konkurriert, ist es schön, mindestens dieses Argument auf seiner Seite zu haben.

Ein anderes Argument ist der Standort.

Natürlich spielt auch Berlin eine Rolle. Wenn ein Serbe aus Liverpool nach Berlin kommt, dann können wir sicher sein, dass er sich in dieser multikulturellen Stadt schnell heimisch fühlen kann. Ohne Berlin wäre auch Salomon Kalou niemals bei uns gelandet.

Sie haben ja keine Vorsätze. Aber was ist mit Wünschen für 2019?

Ein Wunsch für das neue Jahr ist, dass es beim Thema Stadionbau zu der Entscheidung kommt, die wir uns alle wünschen. Für die Weiterentwicklung von Hertha wäre das ein ganz, ganz großer Schritt.

Ein neuer Geldgeber?

Die Sponsorensuche ist ein Kann, aber kein Muss. Durch die Rückabwicklung sind wir wieder im Vollbesitz unserer Aktien, wir haben also gute Voraussetzungen für einen neuen Partner. Ein Investor könnte die Zielsetzung natürlich beschleunigen, wie ein Katalysator wirken. Für ein längerfristiges Festsetzen in der Spitze wäre das nicht schlecht. Die Bundesliga ist aber ein so enger Wettbewerb, dass es nach wie vor erst mal darum gehen muss, unten nicht in Schwierigkeiten zu kommen.

Ist die Bundesliga ein wirtschaftlich fairer Wettbewerb?

Wir stellen uns dem Wettbewerb und auch dem Rahmen, in dem der Wettbewerb stattfindet. Wenn wir auf die 50+1-Diskussion abheben, dann verfolgen wir intensiv und interessiert, was passiert. Wir glauben, dass letztlich jeder Verein für sich entscheiden muss, wie er damit umgehen würde, wenn denn beispielsweise eine neue Rechtsprechung käme. Das ist eine Frage, die wir alleine schon fixiert durch die Satzung mit den Mitgliedern besprechen müssten. Was sind die Voraussetzungen? Wie setzt man die um? Und auch da kann ich mir vorstellen, dass der Standort eine große Rolle spielen kann. Es ist aber auch lohnend vor dem Hintergrund der bestehenden Regularien zu kämpfen, um weiter nach vorne zu kommen. Wir haben zum Beispiel wahnsinnige Sprünge gemacht im Bereich der Fernseheinnahmen oder beim Marktwert unserer Mannschaft – und das ohne einen Investor.

Würden Sie zum Beispiel saudisches Geld annehmen?

Wir schauen schon sehr nach Unternehmen, die zu uns passen.