Herthas Manager Michael Preetz wirkt in dieser Saison häufig ratlos.
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BerlinDie WhatsApp-Nachricht erreichte mich in der Halbzeit. „Micha!!!! Mach was!“, leuchtete es auf dem Display meines Handys. Der Hilferuf kam von Frank Zander, der vor dem desaströsen Spiel der Hertha gegen Köln traditionell die Hymne „Nur nach Hause…“ gesungen hatte. Der Kultsänger ärgerte sich auf der Haupttribüne über die Nicht-Leistung des Teams.

Was aber soll gerade ich machen? Mich einwechseln? Oder als Manager auf die Bank setzen? Wie mein Freund Frank Zander glauben viele Leute in meinem Umfeld, dass ich in kritischen Situationen „etwas machen“ kann – nur weil ich fast 30 Jahre Hertha als Journalist begleite und alle handelnden Personen kenne. „Was ist da los?“, fragten mich nach dem 0:5-Debakel wieder einmal Freunde, Bekannte, Nachbarn. Anrufe kamen gar aus dem Ausland. Ich bin nicht der Manager! Zum Glück!

Michael Preetz polarisiert, seitdem er im Amt ist

Nein, in der Haut von Manager Michael Preetz möchte ich nicht stecken. Der 52-Jährige sitzt in einer Falle. Er hatte zuerst Ante Covic zum Cheftrainer befördert, was sich schnell als ein Fehler herausstellte. Danach reklamierte er die Verpflichtung von Jürgen Klinsmann für sich und wurde – wie wir alle – nach dessen Flucht maßlos enttäuscht. Nun vertraut er Alexander Nouri, der allerdings Klinsmanns engster Mitarbeiter war. Sollte dieser das Spiel am Freitag in Düsseldorf verlieren, muss Preetz rasch einen neuen Coach nach Berlin lotsen. Damit aber könnte das angedachte Szenario für einen namhaften Trainer ab Sommer in Gefahr geraten. Allen bleibt nur die Hoffnung, dass die Profis den Worst Case vermeiden.

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Hertha-Kenner

Michael Jahn begleitet seit mehr als zwei Jahrzehnten den Berliner Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Immer mittwochs gibt er in dieser Kolumne seine Expertise zu der Mannschaft, dem Klub und seinem Umfeld ab.

Ganz neu ist das alles für Preetz nicht. Der Manager, seit 2009 im Amt, polarisiert. Seine Anhänger loben, dass er den Verein im Verbund mit Präsident Werner Gegenbauer mit ruhiger Hand führt und in der Mittelklasse der Bundesliga etabliert hat. Auch viele Spielertransfers gelangen ihm. Das Magazin Kicker wählte ihn 2015/16 zum „Transfer-Meister“! Kritiker kreiden ihm zwei Abstiege unter seiner Ägide an und einen enormen Verschleiß an Trainern. Nouri ist der 13. Coach von Preetz’ Gnaden; einige waren Trainer für kurze Zeit. Neu ist, dass der Manager mit dem teuersten Hertha-Kader aller Zeiten in die Bredouille geraten ist.

Die Karriere von Preetz bei Hertha verfolge sich seit 24 Jahren. Ich konnte über beinahe alle seiner 84 Erstliga-Tore für die Blau-Weißen berichten. Unvergessen für mich sind seine drei Treffer bei einem grandiosen 6:1-Sieg gegen den Hamburger SV im Mai 1999. Als Kapitän war er stets eloquent. Als Manager aber hat er sich verändert. Der Stress und die Kritik nach den Abstiegen haben Preetz distanzierter gemacht. Aber gerade jetzt – nach dem Desaster gegen Köln – hätte ich mir einen mutigen, kämpferischen, kritischen, öffentlichen Auftritt des Managers gewünscht. Auch die verstörten Fans brauchen Hoffnung, Orientierung.

Erinnerungen an Dieter Hoeneß

Wie andere Kollegen erinnere ich mich daran, wie sein Vorgänger Dieter Hoeneß in Krisen reagierte. Kraft seiner Statur und seiner Reputation stellte er sich der Öffentlichkeit, auch der Kritik und nahm danach seine Spieler Maß. Er gab allen das Gefühl, er habe alles im Griff, was natürlich auch nicht immer zutraf.

Preetz ist ein anderer Typ. Ich empfehle ihm einen Blick nach Köpenick, wie Union den Abstiegskampf souverän meistert und halte es so, wie Frank Zander beim Köln-Spiel mit mir umging. Ich rufe dem Manager zu: „Micha!!!! Mach was!“