Berlin - Natürlich stand Pal Dardai beim 0:0 gegen Hannover 96 im Mittelpunkt. Der 43 Jahre alte Ungar, der zum Saisonende seinen Job als Cheftrainer von Hertha BSC nach dann vier Jahren und drei Monaten aufgeben muss, wurde in seinem drittletzten Heimspiel von den Anhängern in der Ostkurve mit Sprechchören und einem Spruchband („Dardai – einer von uns!“) gefeiert. Das sei ein gutes Gefühl, gab der Rekordspieler stolz zu, aber das sei ja noch kein Abschied gewesen. Er habe schließlich noch vier Spiele vor der Brust, wolle im Endspurt noch fleißig mit seiner Mannschaft arbeiten und Punkte sammeln.

Von besagtem Plan des Punktesammelns war gegen das Schlusslicht aus Niedersachsen vor 38.916 Zuschauern allerdings nur wenig zu sehen. Die Profis in den blau-weißen Trikots liefen gegen Hannover (113,4) nur 110,5 Kilometer, blieben damit 2,2 Kilometer unter dem eigenen Saisonschnitt, der sie nach Schalke 04 ohnehin schon zur lauffaulsten Mannschaft der Bundesliga macht.

Gegen tiefstehende Hannoveraner fand die Berliner Offensive nur selten Lücken – „und wenn, dann haben wir die Chancen nicht gemacht“, befand etwa Stürmer Davie Selke. So hatten Mathew Leckie aus spitzem Winkel (14.), Ondrej Duda nach starker Hacken-Vorarbeit von Vedad Ibisevic (56.) und Salomon Kalou (80.), der frei vor dem Kasten vertändelte, ordentliche Einschussmöglichkeiten.

„Dass die Mannschaft derzeit nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzt, ist aufgrund der letzten Wochen klar“, sagte Kapitän Ibisevic. „Die Nachricht mit dem Trainer mussten wir auch verarbeiten. Wir Spieler hatten so schon mit uns zu kämpfen, jeder einzelne hat an Selbstvertrauen verloren.“

Am Sonnabend reist der verunsicherte Hertha-Tross, für den es gut ist, dass die Saison sich allmählich dem Ende zuneigt, ins Frankfurter Waldstadion und trifft dort auf eine Mannschaft, bei der momentan vieles läuft. Fehlen werden beim Halbfinalisten der Europa League Niklas Stark und Marko Grujic. Während Grujic gegen Hannover die fünfte Gelbe Karte sah, zog sich Stark einen Bruch des rechten Außenknöchels sowie einen Anriss des Außen- und Syndesmosebandes zu. Der 24 Jahre alte Innenverteidiger und Neu-Nationalspieler fällt monatelang aus.

Zurückkehren wird dagegen wohl wieder Valentino Lazaro, der am Sonntag überraschenderweise in Zivil mit Sonnenbrille und schwarzem Hemd auf der Tribüne Platz nehmen musste. Mutter Bettina und die Geschwister waren über Ostern extra aus Graz gekommen, um ihren Tino spielen zu sehen. Doch Dardai machte den Plan der Familie zunichte. „Das war eine Denkpause“, erklärte er. „Tino hatte viele kleine Stellungsfehler und Dinge gezeigt, die nicht zu ihm passen. Er ist Stammspieler. Ich musste ihn da ein bisschen angreifen.“

David Wagner gilt als Topkandidat

Bei der Suche nach einem neuen Cheftrainer machte Geschäftsführer Michael Preetz indes klar, dass man sich nicht treiben lassen wolle. „Ich führe Gespräche in diesen Tagen, will mir ein Bild verschaffen“, sagte der 51-Jährige. „Wir haben Zeit bis zum Saisonende.“

Medienberichte, wonach der Schweizer Gerardo Seoane, 40, von Young Boys Bern ein Top-Kandidat sei, bestätigen sich nach Informationen dieser Zeitung übrigens nicht. In der Branche ist zu hören, dass Seoane bewusst von dessen Berater in der Bundesliga lanciert wird. Der Agent vertritt auch Fabian Lustenberger. Das Gerücht um Seoane zerschlug sich am Montag ohnehin: „Ich fühle mich unglaublich wohl in Bern. Meine Zukunft liegt hier, ich bleibe hier“, erklärte er dem Schweizer Rundfunk.

Dadurch wird die die Personalie David Wagner umso heißer. Der 47-Jährige trat Anfang des Jahres bei Huddersfield Town zurück. Sein Berater Marc Kosicke, der auch Jürgen Klopp vertritt, sagte Anfang des Jahres, dass ein Engagement in der Bundesliga durchaus reizvoll sei. Preetz machte am Rande des Spiels klar, dass der Neue jemand sein muss, „der junge Spieler weiterentwickelt, der idealerweise auch schon nachgewiesen hat, dass er mit Talenten arbeiten kann.“ Wagner, der ein Lehramtsstudium für Biologie und Sport erfolgreich abgeschlossen hat, bringt den Nachweis aus England und seiner Zeit als Jugendtrainer in Hoffenheim (U17 und U19) und in Dortmund (U23) mit.

Jürgen Klinsmann hat ein zeitnahes Trainer-Engagement indes ausgeschlossen. Auf Twitter schrieb der 54-Jährige: „Hab gehört, mein Name wird mit Bundesligaklubs in Verbindung gebracht wird. Da ist nix dran.“