Michel Platini ist befragt worden, mehrere Stunden lang in Nanterre. Das Office anticorruption de la police judicaire, die örtliche Behörde zur Bekämpfung von Korruption (OCLCIFF), interessierte sich sehr für die Umstände, unter denen die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an Katar vergeben worden war. Vor allem interessierte sie sich für die Rolle, die in jenen Novembertagen 2010 der damalige Präsident des europäischen Verbandes Uefa dabei spielte. In der Nacht um 1 Uhr setzten die Ermittler den 63-Jährigen dann wieder auf freien Fuß. Ein Verfahren wurde nicht eröffnet.

„Das hat lange gedauert“, sagte Platini anschließend den Radioreportern von Franceinfo. Die Fragen hätten sich um die Europameisterschaft 2016, die Weltmeisterschaft 2018, die Weltmeisterschaft 2022 und den Weltverband Fifa gedreht. Platinis Anwalt William Bourdon meinte: „Sehr, sehr viel Lärm um nichts.“

Was trieb Sarkozy an?

Zusammen mit Michel Platini war am Dienstag auch Claude Guéant einbestellt worden, der als Generalsekretär des Élysée einst unter Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy diente. Und wie Michel Platini in Gewahrsam genommen worden war laut Medienberichten Sophie Dion, die ehemalige Sportberaterin des damaligen Präsidenten.

In dem Fall geht es um den Verdacht der Korruption, weswegen das OCLCIFF die Festnahmen veranlasste. Es geht konkret um ein Essen am 23. November 2010 im Élysée-Palast kurz vor der Vergabe der WM 2022. Daran teil nahmen neben Platini, Guéant und Dion auch der Emir von Katar, Tamim Ben Hamad Al Thani, sowie Scheich Hamad Ben Jassen, somit der Premier und der Außenminister Katars.

Der Tageszeitung Le Monde zufolge stoßen sich die französischen Behörden an diesem exklusiven Lunch. Es bestehe „der Verdacht von Interessenkonflikten oder staatlichen Eingriffen in Belange des Sports“, schrieb das Blatt.  Das Magazin France Football präzisierte die Gesprächsinhalte im Élysée. Die versammelten Honoratioren hätten über die Aufstockung eines Aktienpakets der Katar Holding an der Groupe Lagardère verhandelt, über den Verkauf des Klubs Paris Saint-Germain an die Qatar Sports Investments (QSI).

Stärkung des Senders BeIn?

Teil des Deals sei der weitere Aufbau des Sportkanals BeIN gewesen, um dem französischen Sender Canal+ Konkurrenz zu machen. France Football zufolge habe Sarkozy Canal+ schwächen wollen. Im Juni 2014 reichte die französische TV-Firma Klage gegen das katarische Medienunternehmen mit Sitz in Doha ein, der allerdings nicht stattgegeben wurde. BeIn Sports teilt sich seit 2016 mit Canal+ die TV-Rechte an der französischen Ligue 1.

Im Gegenzug soll Sarkozy zugesagt haben, dass Platini bei der WM-Vergabe für Katar stimme. Pikant ist, dass Platinis Sohn Laurent einen wichtigen Posten bei dem Staatsfond QSI erhielt.

Platini hatte in der Vergangenheit betont, schon vor dem Treffen mit Frankreichs Präsidenten entschlossen gewesen zu sein, für das Emirat und somit gegen die Mitbewerber aus den USA, Südkorea, Japan und Australien zu votieren. Er habe Nicolas Sarkozy aufgesucht, "um ihm das zu sagen“, hat Platini Le Monde zufolge gesagt und zu dem Essen gemeint: „Ich wusste nicht, dass die Kataris dort sein würden.“ Er habe vermutet, dass Sarkozy ihn zum Votum für Katar habe bewegen wollen. „Aber er hat mich niemals darum gebeten. Ich habe danach Sepp Blatter angerufen, um ihm von diesem Treffen zu berichten.“

Sepp Blatter war von 1998 bis 2016 Präsident des Fußball-Weltverbandes. Die Ethikkommission der Fifa sperrte ihn für acht Jahre, weil die Schweizer Bundesanwaltschaft wegen des Verdachts der „ungetreuen Geschäftsbesorgung“ gegen Blatter ermittelte. Die Sperre wurde auf sechs Jahre reduziert.

Platini galt als potenzieller Nachfolger im Amt des Fifa-Chefs, stolperte jedoch über zwei Millionen Schweizer Franken, die er 2011 von Blatter erhalten hat. Laut Blatter und Platini handelte es sich um eine verspätete Honorarzahlung für die Arbeit des Franzosen für die Fifa in den Jahren 1998 bis 2002.  Platini ist von allen Aktivitäten im Fußball bis Oktober dieses Jahres ausgeschlossen.

Blatter bestand nach seinem Abschied von der Fifa darauf, es habe ein „diplomatisches Arrangement“ gegeben, dass nach Russland 2018 die WM 2022 in den USA stattfinden solle. Dieser Plan sei jedoch durch eine „interférence gouvermentale“, durch die regierungsseitige Einmischung Sarkozys gescheitert.

Platini hatte sich am Dienstag über seinen Rechtsbeistand geäußert. Er habe sich "nichts vorzuwerfen und absolut nichts falsch gemacht“, heißt es in einer von Anwalt William Bourdon verbreiteten Erklärung: „Michel Platini ist gelassen und präzise, er beantwortet alle Fragen. Auch jene zur Vergabe der EURO 2016, und er hat nützliche Erläuterungen gegeben.“ Das hat er dann bis um 1 Uhr nachts getan.