Mick Schumacher lieferte in Monza sein bestes Formel-2-Wochenende in diesem Jahr.
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BerlinFerrari-Junior Mick Schumacher beflügelt die Sehnsucht der Tifosi nach einer Beförderung in die Königsklasse des Motorsports. Der Sohn von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher lieferte beim Scuderia-Heimspiel in Monza sein bestes Formel-2-Wochenende in diesem Jahr ab. Vor den Augen von Ferrari-Teamchef Mattia Binotto feierte der Prema-Pilot nach einem Blitzstart am Sonnabend seinen ersten Saisonsieg und landete dank einer nachträglichen Disqualifikation des ursprünglichen Renngewinners einen Tag später als Dritter erneut auf dem Podest.

Der 21-Jährige aus der Ferrari-Nachwuchsakademie verbesserte sich mit der Ausbeute von insgesamt 37 Punkten am Italien-Wochenende auf Platz zwei der Fahrerwertung (143) hinter dem Briten Callum Ilott (149). In der kommenden Woche in Mugello könnte Schumacher sogar die Führung in der Nachwuchsklasse übernehmen und sich weiter für ein Formel-1-Cockpit 2021 aufdrängen.

Das Ferrari-Cockpit ist bereits besetzt

Der ehemalige Rennstall seines Vaters ist mit Charles Leclerc und Carlos Sainz schon besetzt. Doch Alfa Romeo und Haas, die beide von der Scuderia mit Motoren beliefert werden, suchen noch ihre Fahrerpaarung für die kommende Saison. In Ilott und Robert Schwartzmann aus Russland hat Schumacher aber noch weitere starke Formel-2-interne Scuderia-Nachwuchskonkurrenz. „Für mich ist es wichtig, Konstanz beizubehalten“, betonte der junge Deutsche.

Auf dem Weg zum Podium am Sonnabend spazierte Mick Schumacher auch an einem Foto seines Vaters vorbei, der fünfmal im Ferrari im Autodromo Nazionale di Monza gewonnen hatte. Auf dem Podest lauschte er dann andächtig der deutschen Nationalhymne und verspritzte strahlend den Schaumwein. „Ich bin überwältigt von dem Sieg“, sagte Schumacher, „was für ein fantastisches Gefühl.“

Schumacher erwischte bei seinem Premierensieg in einem Hauptrennen einen blendenden Start und schob sich noch vor der ersten Kurve von Position sieben auf Rang zwei. Nach einem völlig misslungenen Stopp des bis dahin führenden Briten Ilott hatte der Prema-Nachwuchsmann freie Fahrt. Schumacher behielt souverän die sensiblen Reifen unter Kontrolle und ließ sich im 15. Saisonlauf nicht mehr von der Spitze verdrängen. „Die Pace, die wir hatten, war echt gut“, befand Schumacher, „ich muss dem Team danken, nur dank ihnen kann ich solche Starts hinlegen.“

Für Schumacher war es der zweite Erfolg in der Nachwuchsklasse, nachdem er 2019 auf dem Hungaroring ein Sprintrennen gewonnen hatte. In dem kürzeren Event am Sonntag in Monza über nur noch 21 statt 30 Runden wollte er dann nachlegen.

In umgekehrter Startreihenfolge für die vorderen Fahrer gab Schumacher nun als Achter Gas. Nach zwei Runden hatte er sich schon auf Position vier vorgearbeitet. Hinter ihm machte aber der Chinese Guanyu Zhou Druck. Im achten Umlauf verbremste sich Schumacher, musste in die Auslaufzone ausweichen, verlor wichtige Zeit und einen Platz. Er kämpfte aber und holte sich im vorletzten Umlauf Rang vier wieder zurück. Vor der Disqualifikation des ursprünglichen Siegers, des britischen Dams-Piloten Dan Ticktum, hatte Schumacher 1,3 Sekunden Rückstand auf den Dritten Christian Lundgaard aus Dänemark.

Freude kam dann bei Schumacher nachträglich doch noch auf. Ticktums Rennstall konnte bei der obligatorischen Entnahme einer Benzin-Probe nicht die vorgeschriebene Menge von mindestens 800 Gramm nachweisen. Dadurch wurde Ilott nachträglich zum Rennsieger erklärt, Lundgaard rückte auf Platz zwei vor dem neuen Dritten Schumacher vor.

Auch Ferrari-Teamchef Mattia Binotto (50) zeigte sich begeistert und erkennt in Mick Schumacher viele Qualitäten von dessen berühmtem Vater. „Der Wille, die Hingabe, die Neugier und die Beständigkeit“, sagte Binotto in einem Interview der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera. Mick Schumachers Vater Michael werde gleichwohl „einer der stärksten Champions aller Zeiten“ bleiben. Binotto war als Motoreningenieur an Michael Schumachers Titelserie bei Ferrari von 2000 bis 2004 beteiligt. Aktuell aber muss er weniger über Siege, sondern immer wieder über neue Pannen im italienischen Rennstall sprechen. Auch über die frühe Bekanntgabe der Trennung zum Ende des Jahres von Vettel im Mai. Er sei weiter davon überzeugt, sagte der Ferrari-Teamchef. „Wir lieben ihn und es war richtig, ihm die Gelegenheit zu geben, sich zu organisieren. Wenn ich auf die Fakten schaue, habe ich keinen demoralisierten Sebastian vorgefunden.“