Berlin - Es hat sich viel verändert für Mick Schumacher, und auch Mick Schumacher ist nicht mehr derselbe wie damals – die Rückkehr nach Imola rückt es wieder ins Bewusstsein. Vor knapp fünf Jahren gewann er im legendären Autodromo Enzo e Dino Ferrari ein Rennen der Formel 4, ein Jahr später testete er hier für die Formel 3. Ein besonderer und ehrgeiziger Jugendlicher war er, der Erbe eines großen Namens, beseelt von einem Traum.

Schumachers Haas ist das schwächste Auto im Feld

Aus dem Teenager von einst ist ein junger Mann geworden, körperlich und geistig gereift und ein Formel-1-Pilot dazu. Sein Wunsch hat sich erfüllt. Beim Großen Preis der Emilia-Romagna am kommenden Sonntag in Imola (15.00 Uhr, Sky) geht Schumacher erstmals in der Königsklasse auf dieser ganz besonderen Strecke in ein Rennen.

„In allen Juniorenklassen hat es dort sehr viel Spaß gemacht“, erinnerte sich Schumacher: „Ich bin sicher, dass es in einem Formel-1-Wagen noch viel besser wird. Der Kurs fährt sich herausragend. Ich freue mich sehr darauf.“

Welche Rolle ihn auf der Strecke erwartet, ist dem 22-Jährigen dabei bewusst. Schumacher fährt für den US-Rennstall Haas. Es ist das derzeit schwächste Auto im Feld und wird es in naher Zukunft auch bleiben. Die Gelder fließen hauptsächlich in die Entwicklung für 2022. Dann müssen alle Teams unter dem Einfluss des neuen Budgetdeckels neue Autos bauen.

Die Mission, die Teamchef Günther Steiner Schumacher und dessen russischem Teamkollegen Nikita Masepin für das Jahr 2021 auf den Weg gegeben hat, ist deshalb simpel: Lernen, lernen, lernen: „Wir wollen so viele Runden wie möglich absolvieren, dann ist alles gut.“

Schumachers Ziel: Teamkollege Masepin hinter sich lassen

Schumacher muss sich also auf ein Rennen am Ende des Feldes einstellen. Schon bei seinem Formel-1-Debüt in Bahrain war das so, und doch war es trotz des 16. und letzten Platzes eine erfolgreiche Premiere. Schumacher blieb in der Wüste weitgehend fehlerfrei. Einen Dreher im Rennen konnte er im Gegensatz zu Masepin noch abfangen.

Masepin erneut hinter sich zu lassen, dürfte Schumachers vornehmliches Ziel sein. An einem guten Tag könnte ein Angriff auf Williams-Pilot Nicholas Latifi (Kanada) gelingen. Im Vordergrund steht aber das Sammeln von Erfahrung, etwa beim komplizierten Reifenmanagement.

Zurückgreifen kann Schumacher dabei auch immer auf die Erzählungen seines Vaters. Rekordweltmeister Michael Schumacher ist Rekordsieger in Imola, siebenmal war er hier siegreich, sechsmal saß er dabei im Ferrari.

Sein Know-how teilt Schumacher mit dem Team. „Für mich ist es ein ganz besonderes Gefühl, wenn Mick Ratschläge erwähnt, die ihm einst sein Vater aus seiner Karriere mitgegeben hat“, sagte sein Renningenieur Gary Gannon der Sport Bild: „Das sind weise Worte einer Legende.“