Der Bambi für die herzlichste und einfühlsamste Trainerentlassung des Jahres 2013 geht an − Hannover 96. Die Jury begründete ihre Entscheidung gestern Abend wie folgt: „Gedrängt von einer beispiellosen Niederlagenserie sah sich der Bundesligist ja eigentlich schon Anfang Dezember zum Handeln gezwungen, weil aber Weihnachten plötzlich schon so nah war, zögerte die Klubführung die Konsequenz aus ihrer schon vor Wochen getroffenen Entscheidung immer wieder hinaus.

Und das auch noch mit den allertollsten Wendungen, die Manager Dirk Dufner und Klubpräsident Martin Kind abwechselnd frisch, fromm, fröhlich und frei über den Boulevard in die Welt brachten. Bloß dem netten Herrn Slomka Weihnachten nicht vermiesen, lautete die Maxime der edlen Fußballmacher, die dem Trainer (Mirko Slomka) zwar wiederholt unmissverständlich ihre Zweifel an seiner Arbeit mitteilten, aber ihm zugleich auch immer wieder Hoffnung auf eine Weiterbeschäftigung machten.

So erklärte Kind nach dem 1:2 gegen den SC Freiburg im letzten Ligaspiel des Jahres, Slomka sei erst zu 60 Prozent entlassen. Das war so originell wie einmalig. Wir, die Jury, sind deshalb der Meinung: „Menschlicher geht kaum.“

Dazu passen − wenn man so will − auch die warmen Worte, die Slomka von Kind mit auf den Weg in die Arbeitslosigkeit bekam. Von „persönlichem Dank“ war da nach vollzogener Trennung die Rede, außerdem von allerlei Erfolgen in Liga und Europapokal, die „immer eng mit seinem Namen verbunden sein werden“.

Dass Kind bereits im Frühjahr in seiner Funktion als Klubpräsident seinen bis dato gröbsten Managementfehler begangen hatte, davon war vonseiten der Hannoveraner natürlich nicht die Rede. Damals im Frühjahr lag es an ihm, den Dauerzwist zwischen Slomka und dem damaligen Manager Jörg Schmadtke mit einem Machtwort zu beenden. Er entschied sich für Slomka, gegen Schmadtke, die Folgen sind bekannt.