Kann auch mal laut werden: Miroslav Klose.
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Berlin/MünchenMiroslav Klose, 42, kommt beim FC Bayern München in diesen Tagen eine sehr wichtige Aufgabe zu. Auf dem Trainingsgelände des Deutschen Rekordmeisters an der Säbener Straße fungiert er als „Cheftrainer der Trainingsgruppe 2“. Der neue Assistent von Cheftrainer Hansi Flick soll dabei die daheim gebliebenen Spieler, die fürs Turnier der Champions League in Lissabon nicht spielberechtigt sind, nicht nur unterhalten, sondern fördern. Neben Alexander Nübel, Tanguy Nianzou und Adrian Fein gilt Kloses Aufmerksamkeit vor allem dem Königstransfer Leroy Sané.

Klose tritt dabei keinesfalls so ruhig auf wie außerhalb des Fußballplatzes. Mit lauten und energischen Kommandos leitet er das Training und setzt auch mal selbst zu einer kompromisslosen Grätsche an. Als früherer Weltklassestürmer nutzt der Weltmeister von 2014 seine natürliche Autorität auch mal dafür, Sané deutlich zu erklären, dass dieser gerade den falschen Laufweg gewählt habe, wie die Bildzeitung beobachtete hatte.

Es ist für Klose die erste Trainerstation im Männer-Bereich. Zuvor hatte er zwei Jahre lang die U17 des FC Bayern als Chefcoach angeleitet. Eine frühere Beförderung lehnte er ab, nachdem im Verein im Sommer 2019 für ihn der Aufstieg zur U19 angedacht worden war. „Ich möchte lernen, ich bin noch nicht so weit“, erklärte Klose damals seine Absage. Nun sagte er nach seinem Antritt als Flicks Assistent Ende Juli, dies sei „der nächste Schritt in meiner Laufbahn als Trainer“. Zunächst nur für ein Jahr wurde die Zusammenarbeit vereinbart, nebenbei nimmt Klose am Fußballlehrer-Lehrgang teil.

Seine Rolle beim FC Bayern ist die des spezialisierten Personal-Coaches, wenn man so will. Vor allem um die Stürmer soll sich Klose kümmern und derzeit dafür sorgen, dass Sané bestens vorbereitet in seine erste Münchner Saison geht. Der Flügelstürmer hatte sich ja vor einem Jahr eine Kreuzbandverletzung zugezogen, war zwar bei Manchester City im Frühjahr schon wieder ins Mannschaftstraining zurückgekehrt, und doch muss er sich wohl noch einiges erarbeiten, um schließlich schon zu Beginn der kommenden Spielzeit den hohen Erwartungen gerecht werden zu können. „Es ist genau so, wie wir uns das vorgestellt haben“, lobte Flick bereits, wie sich Klose einbringt. Aktuell sei dessen Aufgabe „zu gewährleisten, dass die Jungs, die zu Hause bleiben, ein sehr gutes Training haben“.

Wenn Flick und sein Team vom Blitzturnier der Europäischen Fußball-Union (Uefa) zurück sind, wird sich Klose auch wieder Robert Lewandowski widmen, mit dem er zuletzt gleich bei der ersten gemeinsamen Einheit mehrfach das Gespräch gesucht hatte. „Ich bin überzeugt davon, dass insbesondere unsere Stürmer von ihm als Trainer profitieren werden“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge über Klose.

Aus der Ferne blickt Klose natürlich auch nach Portugal, und wenn es am Freitagabend für die Bayern gegen den FC Barcelona und Lionel Messi beim Champions-League-Finalturnier um den Einzug ins Halbfinale geht, wird Klose am Fernseher vor allem bei Lewandowski ganz genau hinsehen. Der in Polen geborene Klose löste vor sechs Jahren bei der Weltmeisterschaft Brasilien den Brasilianer Ronaldo als bis heute amtierender WM-Rekordtorschütze (16 Tore) ab. Der Pole Lewandowski könnte nun wiederum in Portugal den Portugiesen Cristiano Ronaldo (17 Tore, 2013/14) in der Champions League ablösen. Derzeit steht Lewandowski bei 13 Treffern. Mitgenommen nach Portugal hat er auch ein paar Tipps von Klose.