Daniel Frahn hat sich den Fragen der Fans vom SV Babelsberg gestellt. Deren Kritik richtet sich auch gegen den Chef des Fußball-Regionalligisten.
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Potsdam-BabelsbergDer Fußball-Regionalligist SV Babelsberg 03 steckt tief im Abstiegskampf der Regionalliga Nordost, wo ihn derzeit mindestens sieben Punkte vom rettenden Ufer trennen. Um die Klasse zu halten, hat der Klub nun Daniel Frahn verpflichtet, der bis 2019 Kapitän beim Chemnitzer FC war – bis ihn der Klub hinauswarf, der Frahn eine zu große Nähe zu rechtsradikalen Fans unterstellte.

Dem Fußballer und der Vereinsführung dürfte spätestens am Donnerstagabend bewusst geworden sein, dass viele Babelsberg-Fans größere Probleme haben mit der Frahn-Verpflichtung als mit dem Tabellenplatz. Mehr als 200 Anhänger des Klubs drängelten sich da in der völlig überfüllten Kantine des Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadions, nachdem der 32-jährige Stürmer zuvor per Videobotschaft zu einer Gesprächsrunde eingeladen hatte, um zu erklären, „wer Daniel Frahn wirklich ist“. Doch so richtig klar, das sei vorweggenommen, dürfte das den Fans auch nach den gut zwei Stunden noch nicht geworden sein.

Daniel Frahn ist unter Babelsberg-Fans umstritten

Der SV Babelsberg 03 gilt weit über die Landesgrenzen hinaus als linker Verein. Antifaschismus, Antisexismus und Antirassismus sind als Grundwerte in der Satzung festgeschrieben, das Brustbanner auf den Trikots wirbt für die „Seebrücke“, eine vom Verein auch finanziell unterstützte Initiative zur Seenotrettung im Mittelmeer. Der selbsternannte Kiezklub organisiert jedes Jahr ein antirassistisches Stadionfest und betreibt die Kampagne „Nazis raus aus den Stadien“. Wie aber solle man – so fragte ein Babelsberg-Fan am Donnerstagabend – künftig einen Zuschauer mit Thor-Steinar-Shirt vom Zutritt zum Stadion abhalten, wenn der Verein so eine umstrittene Person wie Daniel Frahn auflaufen lässt, der den Klub vor dem – auch wirtschaftlichen – Abstieg retten soll? „Der Thor-Steinar-Typ kauft doch auch Bier und Wurst hier im Stadion und unterstützt auf diese Weise wirtschaftlich den Verein, könnte man argumentieren“, sagte er spöttisch.

Das Misstrauen in der Fangemeinde gegen Frahn, der seine Karriere einst bei Babelsberg begann, bevor er den Verein vor zehn Jahren erst in Richtung RB Leipzig und dann Chemnitz verließ, ist groß. Bevor er viele Fragen beantwortete, verlas der Fußballer ein, wie er zugab, von seinem Berater redigiertes Statement, in dem er auf die Vorwürfe aus seiner Chemnitzer Zeit einging.

Im März letzten Jahres hatte Frahn ja bei einem Torjubel ein Shirt mit dem in rechten Kreisen beliebten Slogan „Support your local hools“ in die Höhe gehalten. Monate später war er mit einem Mitglied der vom Verfassungsschutz als rechtextrem eingestuften Ultra-Gruppierung „Kaotic Chemnitz“ zu einem Auswärtsspiel gefahren, wo er Seit' an Seit' mit anderen „Kaotic“-Mitgliedern im Fanblock stand. Das führte schließlich zum Rauswurf beim CFC.

Vor den Babelsberg-Fans sprach er nun von „schweren Fehlern“, die er gemacht habe und heute zutiefst bereue. Er habe damals weder eine Ahnung von der Bedeutung des T-Shirt-Aufdrucks gehabt noch je etwas von einer Gruppe „Kaotic Chemnitz“ gehört. Und den rechten Ultra-Fan, der ihn mit zum Auswärtsspiel genommen habe, kannte er nur vom Playstation-Spielen. Diese Fanstrukturen seien für Außenstehende wie ihn eben undurchsichtig gewesen, verteidigte sich Frahn.

Ein Kumpel von "Kaotic"

So habe sein Playstation-Kumpel von „Kaotic“ beim Aufstieg in die Dritte Liga im Sommer 2018 zwei Stunden lang in der Kabine mit Spielern und Vereinsbossen zusammen mitgefeiert. „Mir hatte niemand von den Vereinsfunktionären gesagt, dass das ein Rechter sei, mit dem man nichts zu tun haben dürfe.“ Zugleich räumte er ein, sich bis vor kurzem nicht für Politik interessiert zu haben, was aber jetzt anders sei. Er sei jedenfalls kein Nazi, sein bester Freund sei Türke, eine Tante von ihm komme aus dem Libanon. „Ich stehe zu den Grundwerten von Babelsberg 03“, beteuerte Frahn und kündigte an, die Hälfte seiner noch zu gewinnenden Punktprämien für soziale oder antirassistische Projekte zu spenden.

So recht zu überzeugen vermochte der 32-Jährige mit seinem couragierten Auftritt die Babelsberger Fans jedoch nicht. Zwar nehme man mit Respekt seine Selbstkritik zur Kenntnis, sagten mehrere von ihnen. Aber ob Frahn wirklich so naiv und ahnungslos gewesen sei und ob er mit einer solchen unpolitischen Haltung überhaupt zu dem Verein passe, daran hatten dann doch viele ihren Zweifel.

Weshalb eine ganze Reihe der Kritiker auch hart mit dem Klubchef Archibald Horlitz ins Gericht gingen. Der Vorstand habe die umstrittene Verpflichtung in Windeseile durchgezogen, obwohl man sich habe denken können, dass viele Mitglieder und Anhänger ein Problem damit haben könnten, kritisierten sie. Horlitz räumte Fehler in der Kommunikation ein, aber das Zeitfenster für den Vertragsabschluss sei eben sehr klein gewesen, verteidigte er sich. Viele der Anwesenden überzeugte das Argument nicht. Sie fürchten, dass mit der Frahn-Verpflichtung nach außen der Eindruck entstehen könne, Babelsberg 03 stelle den Abstiegskampf über die politischen Grundwerte des Vereins.