Nicht zu halten, womöglich auch nicht vom VfL Wolfsburg: Pernille Harder.
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Berlin/San SebastiánVor dem ersten echten Härtetest ihrer Triple-Mission schalteten die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg beim Spaziergang durch San Sebastián kurz in den Touristenmodus. Gleich wieder die Koffer packen musste hingegen der FC Bayern nach dem verpassten Coup gegen Olympique Lyon beim Finalturnier der Champions League.

Nach einem Corona-Test am Sonntagmorgen verließ der Vizemeister das Risikogebiet mit einer Mischung aus Enttäuschung und Stolz. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge schickte ein „großes Kompliment“ nach Bilbao, weil das hervorragend eingestellte Team von Trainer Jens Scheuer den übermächtigen Seriensieger beim 1:2 (0:1) im Viertelfinale ordentlich ins Wanken gebracht hatte.

Die Wölfinnen um die überragende Pernille Harder hatten da ihren Blick schon voller Vorfreude auf das Halbfinale gegen den FC Barcelona am Dienstag (20.00 Uhr/Sport1) gerichtet. „Das wird ein ganz anderer Gegner“, sagte die Stürmerin aus Dänemark nach dem 9:1 (4:0) gegen Glasgow City. Gegen den überforderten schottischen Meister traf die Ausnahmespielerin im Estadio Anoeta wie am Fließband (15./45.+2/56./71.).

Harders sagenhafte Quote im Trikot des deutschen Meisters und Pokalsiegers verdeutlicht ihre Effizienz: 105 Tore in 112 Pflichtspielen hat sie seit ihrem Wechsel vom FC Linköping im Januar 2017 erzielt. Kein Wunder, dass finanzkräftige Topklubs um die 27-Jährige (Vertrag bis 2021) buhlen. Allen voran der englische Meister FC Chelsea. Dort steht Harders Partnerin, die schwedische Nationalspielerin Magdalena Eriksson, unter Vertrag. Im März machten Gerüchte über eine Ablöse von 300.000 Euro die Runde. Ihr Credo: „Ich will die Beste der Welt sein.“ Akribisch studiert sie dazu die Besten ihres Fachs. „Bei Cristiano Ronaldo analysiere ich vor allem das Freilaufverhalten im Sechzehner“, erklärte Harder dem Liga-Magazin ELFEN.

Dass die Co-Kapitänin und Torschützenkönigin (27 Tore) über den kommenden Sommer hinaus zu halten ist, hat Wolfsburgs sportlicher Leiter Ralf Kellermann jüngst ausgeschlossen. Ein herber Verlust für den VfL und die Frauen-Bundesliga, die beim neuen europäischen Wettbieten kaum noch internationale Hochkaräter anlockt.

Jetzt aber soll der begehrte Henkelpokal her, den die Wölfinnen seit den Triumphen im Triplejahr 2013 und 2014 vergeblich jagen. Die nächste Hürde Barcelona ist schwieriger, aber machbar. Der Vorjahresfinalist um die ehemalige Wolfsburgerin Caroline Hansen gewann das spanische Viertelfinale gegen Atlético Madrid um Nationalspielerin Turid Knaak nur mit 1:0 (0:0).

Eng gestalteten auch die Bayern ihr Duell mit dem Topfavoriten, es mangelte aber an Durchschlagskraft. Nikita Parris (41.) und Amel Majri (59.) brachten das glanzlose, aber effiziente Lyon-Starensemble um die deutsche Nationalspielerin Dzsenifer Marozsan in Führung. Dem Anschlusstreffer durch Carolin Simon (63.) gegen ihr ehemaliges Team folgte eine packende Schlussphase mit einem Lattenschuss von Sydney Lohmann (79.).

Die Lücke zu Europas Branchenprimus, der am Mittwoch (20.00 Uhr) auf Paris Saint-Germain trifft, ist kleiner geworden – der Titelhunger gewachsen. „Natürlich ist es unser Ziel, irgendwann diesen Pokal in die Luft zu stemmen“, sagte Scheuer. Vereinspräsident Herbert Hainers schickte eine Kampfansage an Serienmeister Wolfsburg hinterher: „Unser erklärtes Ziel ist es, in Deutschland die Nummer eins zu werden und uns in Europa weiter in der Spitzengruppe zu etablieren.“