Mit einem Handelfmeter ins Glück: Union Berlin schlägt Sporting Braga 1:0

Robin Knoche behält die Nerven und verwandelt den spielentscheidenden Strafstoß. Nun haben die Eisernen in der Gruppe D alles selbst in der Hand.

Nervenstark: Robin Knoche jubelt über seinen Treffer zum 1:0. 
Nervenstark: Robin Knoche jubelt über seinen Treffer zum 1:0. City-Press/Pohl

Es war ein Fest, dieses dritte und letzte Heimspiel des 1. FC Union Berlin in der Gruppenphase der Europa League - und letztlich eins mit Happy End. Denn die Elf von Urs Fischer ist am Donnerstagabend dank eines 1:0-Erfolgs gegen Sporting Braga in der Tabelle der Gruppe D an den Portugiesen (sieben Punkte) vorbeigezogen, hat es mit neun Punkten als Tabellenzweiter im Hinblick auf den letzten Spieltag selbst in der Hand, sich das Fortkommen in die K.-o.-Runde des Wettbewerbs zu sichern.

Wenngleich an dieser Stelle doch gleich mal erwähnt werden darf, dass die Eisernen vor heimischem Publikum nicht wirklich überzeugen konnten und von einem doch eher zweifelhaften Elfmeterpfiff profitierten. Den fälligen Strafstoß verwandelte Robin Knoche in der 68. Minute. Von Vorteil könnte für den FCU sein, dass der Gegner am 3. November, also Union Saint-Gilloise (13 Punkte), bereits für das Achtelfinale qualifiziert ist und womöglich nicht seine erste Elf aufbietet.

Eine beeindruckende Choreographie hatten die Fans der Unioner für diesen Abend mit internationalen Gästen vorbereitet. Von der Waldseite ausgehend, über die Gegengerade und die Wuhleseite hinweg bis zum spärlich besetzten Gästeblock spannten sie schließlich kurz vor Anpfiff ein riesengroßes Banner, womöglich das größte Banner, das sie jemals gespannt hatten. Drauf stand in ganz großen Lettern schlicht und ergreifend: UND NIEMALS VERGESSEN - EISERN UNION. Entlang des Zaunes war wiederum auf goldener Glitzerfolie einer der einleitenden Sätze zu dieser allseits bekannten Parole zu lesen, nämlich den hier: Als in Zeiten eines ungleichen Kampfes ein Schlachtruf ertönte ... 

Ungleicher Kampf? Nun gut, das war nicht wirklich passend, weil die Portugiesen zwar in Sachen Europa League über weitaus mehr Erfahrungswerte verfügen als die Köpenicker, aber auch eben nicht über sehr viel mehr Geld, um einen tauglichen Kader zusammenzustellen. Das Duell zwischen dem Tabellenführer der Bundesliga und dem Tabellenzweiten der Primeira Liga ist also grundsätzlich ein Duell auf Augenhöhe, was sich dann tatsächlich auch auf dem Platz widerspiegelte.

Wilder Start der Köpenicker

Geradezu wild starteten die Köpenicker in die Partie, mit zwei aufgedrehten Norwegern, also Julian Ryerson und Morten Thorsby, die mit ihren ersten Aktionen die Worte ihres Trainers konterkarierten. Fischer hatte nämlich mehrmals betont, dass man 90 Minuten Zeit habe, um eine Entscheidung zu erzielen. Ryerson allerdings schoss gleich mal aus allen Lagen, traf dabei innerhalb von wenigen Sekunden zunächst einen Gegen-, dann auch einen Mitspieler (8.). Thorsby wiederum agierte nicht wie ein Mittelfeldspieler, sondern eher wie eine hängende Spitze, tauchte immer wieder im Strafraum auf. Auch Sheraldo Becker war sogleich im Spiel, kam über den rechten Flügel zwei-, dreimal ins Laufen, doch mit seinen Flanken erreichte er durchweg nur gegnerische Füße oder Köpfe. 

Mit kühlem Kopf und sicherem Passspiel bekam Sporting dieses Stürmen und Drängen allerdings immer besser in den Griff. Die Elf von Artur Jorge bestimmte ab der 20. Minute in etwa sogar das Geschehen, kam in der 36. Minute nach einer gekonnten Aktion von Juri Medeiros durch Abel Ruiz zu einer guten Gelegenheit, doch dessen Schuss aus vierzehn Metern ging dann doch um gut einen Meter am Tor der Eisernen vorbei.

Rönnow steht zu oft im Mittelpunkt

Diese Entwicklung gefiel Fischer gar nicht. Unruhig rutschte der Schweizer auf seinem roten Stuhl hin und her, sprang immer wieder auf, um seine Spieler lauthals auf Missstände hinzuweisen. Er war sichtlich unzufrieden - und entschloss sich deshalb zu einem Wechsel. Thorsby, der zwar engagiert, aber offensichtlich nicht nach Plan gespielt hatte, musste weichen. Andras Schäfer übernahm für ihn den Part im Mittelfeld.

Fischers Laune besserte sich allerdings auch nach dem Wechsel nicht wirklich. Zum einen, weil es im Offensivspiel weiter an Ideen und Durchschlagskraft mangelte, zum anderen, weil sein Keeper Frederik Rönnow viel zu oft im Mittelpunkt stand. In der 57. Minute knallte Fabiano einen Fernschuss auf die Fäuste des Dänen, eine Minute später verpasste Ruiz eine Hereingabe von der Seite nur knapp.

Ja, es sah nicht wirklich nach einem Sieg seiner Mannschaft aus - bis Janik Haberer in der 68. Minute von der rechten Seite eine Flanke vors Tor der Portugiesen schlug. Fabiano versuchte sich an einer Abwehraktion, brachte dabei auf unglückliche Weise den rechten Arm an den Ball. Schiedsrichter Stuart Atwell war sich zunächst nicht sicher, brauchte mehrere Minuten, um zu einer Entscheidung zu kommen. Nach Studium der Zeitlupe zeigte er schließlich auf den Punkt. 

Doch wer sollte bei Union nun die Verantwortung übernehmen? Na, klar: Robin Knoche, der schon beim 1:0 gegen Malmö per Elfmeter den Sieg herbeigeführt hatte. Der nervenstarke Abwehrchef legte sich im Trubel des Spiels den Ball zurecht, nahm vier, fünf Schritte Anlauf und schoss scharf und platziert in die linke Ecke. Nennt ihn Mr. Cool. 

Der Rest war Abwehrkampf mit gelegentlichem Zittern, wobei Rönnow für den größten Schreckmoment verantwortlich war. In der 90. Minute ließ er einen an sich ungefährlichen Freistoß von Ricardo Horta durch seine Flinger flutschen, hatte Glück, dass der Ball nicht ins Tor, sondern über die Querlatte segelte.