Es geht wieder los: Fußball in der Alten Försterei. Und das sogar mit Fans.
Foto: Matthias Koch

Berlin Sie werden platziert! 30 Jahre nach der Wende feiert dieses Relikt einer untergegangenen Republik auf einmal fröhliche Auferstehung. Nicht, weil einige (N-)Ostalgiker sich dran ergötzen, sondern weil es eine schlichte Notwendigkeit im Rahmen des Hygienekonzeptes für den Besuch bei Fußballspielen ist. Beispielsweise an diesem Sonnabend im Stadion An der Alten Försterei, wenn sich erstmals wieder seit dem 1. März diesen Jahres eine nennenswerte Zahl von Anhängern der Köpenicker in ihrem Wohnzimmer versammeln wird, wo der 1. FC Union mit dem Kick gegen den Zweitligisten 1. FC Nürnberg  (17.30 Uhr) seine Generalprobe für die neue Spielzeit absolviert, die mit dem Auswärtsauftritt im Pokal am 12. September in Karlsruhe Premiere feiern soll.

Kann der Fußball wieder mit Fans? Können die Fans mit personalisierten Tickets leben, die ja eine Nachverfolgung im Rahmen einer möglichen Infizierung mit dem Coronavirus erst ermöglichen würden? Wird sich an die Sicherheitsabstände, den zugeordneten Standort und die Maskenpflicht gehalten? Es wird auf jeden Fall so etwas wie der Lackmustest für die Anhänger des runden Leders in der Hauptstadt, in der ja alle davon träumen, dass auch im regulären Ligabetrieb die Zuschauer endlich wieder ein Teil des Spiels sein dürfen.

Es hätten mehr als 5000 Fans kommen wollen

  „Es ist großartig, wieder Leute im Stadion zu haben. Das ist so wichtig für uns“, freute sich beispielsweise Marcus Ingvartsen über die Rückkehr der für Union-Verhältnisse nicht gerade stattlich zu nennenden Kulisse von 5000 Besuchern. So wenig Publikum hatte Union zuletzt vor mehr als elf Jahren, am 17. November 2007, als die Köpenicker noch unter Bielefelds heutigem Trainer Uwe Neuhaus in einem Spiel der Regionalliga Nord den VfB Lübeck mit 4:3 bezwangen und dem Spiel 4113 Fans beiwohnten. Diesem Stadium sind die Eisernen ja bekanntlich längst entwachsen, und unter normalen Umständen wäre nicht die Frage, ob 22.012 eiserne Fans kämen, sondern wer von den mittlerweile rund 37.000 Mitgliedern im Losverfahren Glück hätte, ein Ticket zu ergattern.

Auch das Spiel gegen Nürnberg hätte ohne weiteres mit mehr als 5000 Anhängern der Eisernen über die Bühne gehen können. Doch in diesen Tagen ist ja nicht immer erlaubt, was gefällt, sondern was das Pandemiegeschehen vorschreibt. Auch die Meldung, dass Union noch ein paar Restkarten an den Fan zu bringen gedenkt, ist da kein Nachfrage-Widerspruch, sondern schlicht der Tatsache geschuldet, dass manch kleiner Anhänger der Köpenicker mit Losglück schlicht nicht unbegleitet – weil Elternteile kein Losglück – ins Ballhaus des Ostens pilgern kann, sondern das begehrte Ticket stornieren musste. Weil eben nicht übertragbar!

Wahrscheinlich wären die Unionfans auch gegen einen noch weniger attraktiven Gegner als Nürnberg in Scharen gekommen. Dass sich die Köpenicker zu ihrem Stadion-Geburtstagsspiel ausgerechnet einen ins Mittelmaß abgerutschten Traditionsklub einladen und nicht einen echten Kracher, hat natürlich seinen Grund. Exakt 100 Jahre ist es her, dass die Franken als amtierender Deutscher Meister das Ballhaus des Ostens einweihten. Da Tradition bei den Eisernen großgeschrieben wird, soll sich mit diesem Kick ein Kreis schließen.

Fifa mischt sich ein

Der Streit zwischen Zugang Max Kruse vom 1. FC Union und dessen Ex-Klub Fenerbahce Istanbul ist beim Fußball-Weltverband gelandet. Kruse hatte seinen Vertrag beim türkischen Klub gekündigt, weil ihm angeblich 7,5 Millionen Euro Gehalt verwehrt worden waren. Der türkische Klub reichte ebenfalls Klage ein und fordert laut türkischer Medien Schadenersatz in Höhe von 18 Millionen Euro.

Für Trainer Urs Fischer, der ja Folkloregedanken und Fangedöns nicht zwingend nahesteht, stehen ganz andere Sachen im Vordergrund. Ihm geht es vordergründig darum, die Vorbereitung zum zweiten Erstligajahr der Köpenicker zu einem guten Abschluss zu bringen. „Wir haben uns vorgenommen, die Dinge, die gut funktioniert haben, beizubehalten und das besser zu machen, was uns in den letzten Spielen noch nicht so gut gelungen ist. Wir müssen defensiv wieder gut organisiert und auf dem Weg nach vorne gefährlicher sein“, sagt der Schweizer Fußballlehrer gewohnt staubtrocken.