Berlin-HohenschönhausenEin schwungvoll geschriebenes „Danke Buschi!“ zierte am Mittwoch die Homepage des EHC Eisbären. Daneben hatte der Berliner Eishockeyklub ein Foto von Florian Busch (36) gestellt: ein Kerl mit wild wallendem Bart, breiter Schulterpolstergestalt, Geheimratsecken. Er hat den Mund geschlossen. So ist seine Zahnlücke nicht zu sehen, Buschs Markenzeichen, auf das er immer stolz war.  

Sein Servus hatte der Bayer, der in den vergangenen 18 Jahren zur Identifikationsfigur der Berliner Eisbären wurde, leise, aber nicht unerwartet aus seiner Heimat am Tegernsee übermittelt, wohin er mit seiner Frau Maria-Theresia zurückgekehrt ist. Das Ende der Karriere, sein Rücktritt vom Profisport, hatte sich angedeutet: Seitdem Busch im Dezember 2017 bei einem Spiel in Mannheim zunächst seinen Helm verloren, mit dem Kopf rückwärts auf das Eis gekracht war und er eine weitere Gehirnerschütterung verkraften musste, hatte er vergeblich versucht, noch mal auf Bundesliganiveau in Tritt zu kommen.

„Ich durfte 18 wundervolle Jahre in der Hauptstadt erleben, aber nach langem Verletzungspech muss ich nun nach vorne schauen“, heißt in der Erklärung des Eishockeyspielers, der auf dem Eis des Wellblechpalastes und auch später im Ambiente der Arena am Ostbahnhof nie zu „Herrn Busch“ geworden, sondern immer „der Buschi“ geblieben ist: „Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich auf dieser erfolgreichen Reise begleitet haben. Besonders aber bedanke ich mich bei allen Fans, die immer hinter mir standen und mir den Rücken freihielten. Danke Eisbären, danke Berlin! Einmal Eisbär, immer Eisbär. Buschi out.“  Seine Trikotnummer 26 wird nicht mehr vergeben.

Mit Buschi hatte man in mehr als 700 Eisbären-Spielen eine Menge zu erleben. Er verbrachte seine komplette DEL-Karriere in Berlin, wo er sieben Meistertitel sowie die European Trophy und den DEB-Pokal gewann. Unvergessen sein Tor in der Overtime im vierten Play-off-Finalspiel 2008 in Köln zum dritten DEL-Titel der Eisbären. Ein Rückhandschlenzer. „Ich habe erst alles kapiert, als ich unter einem Menschenberg begraben war und keine Luft mehr gekriegt habe“, gluckste er, bevor er mit den anderen feiern ging.

Der Nächste aus dem 1985er-Jahrgang

Nach André Rankel ist Busch nun der nächste Spieler des prominenten 1985er-Jahrgangs, der innerhalb weniger Wochen seine Karriere beendet. „Es war eine absolute Freude, ihn und seine Entwicklung zu verfolgen. Er war nicht nur auf dem Eis ein absoluter Leistungsträger. Es war ein Genuss mitzuerleben, wie Buschi die Menschen um sich herum immer wieder zum Grinsen oder Lachen brachte, dabei aber nie die Professionalität vermissen ließ, die ein Profisportler an den Tag legen muss. Wir werden seine spektakulären Aktionen auf dem Eis ebenso vermissen wie sein zahnloses Grinsen“, verdeutlicht Eisbären-Manager Peter John Lee.

Wobei wohl Buschs Art, der auch ein gewisser Schlendrian innewohnte, der Grund dafür war, dass er zwar sofort im Eisbären-Team integriert und von Haudegen wie Steve Walker, Denis Pederson oder später Stefan Ustorf akzeptiert wurde, letztlich aber nie das große Versprechen einlöste, für das der Stürmer aufgrund seines riesigen Talents gehalten wurde. Lee kannte Busch, der das Eishockeyspielen in Miesbach und Rosenheim gelernt hatte, schon als Junior: „Er hatte etwas Besonderes.“

Für Ustorf war Busch zunächst einer dieser zehn, zwölf Jungs aus der 1985er-Generation, die vom damaligen Trainer Pierre Pagé immer wieder aus- und eingewechselt wurden. „Er war wild, gut gelaunt, hat viel gelacht“, sagt Ustorf. Schließlich wurde Busch neben Rankel, Frank Hördler und Jens Baxmann einer der Vier, die sich auch international durchsetzten.

Er spielte 43-mal für Deutschland und 2006 bei Olympia in Turin. 2008 sorgte eine von ihm verweigerte und Stunden später nachgeholte Dopingprobe für reichlich Rummel. Die Folge war seine Abkehr vom Nationalteam. „Ich will mich der Gefahr nicht mehr aussetzen, wegen irgendwelchem Blödsinn meine Karriere zu gefährden“, sagte Busch damals.

„Mit Gehirnerschütterungen ist es nie einfach“

Sein Beruf war seine Berufung. „Er war sich für nichts zu schade. Er hat aufgrund seines Charakters und seiner Spielweise mit Verletzungen dafür bezahlt. Er hat viel rausgeholt aus seinem Körper und aus seiner Karriere, ich bin unglaublich dankbar, mit ihm gespielt zu haben“, sagt Ustorf. Auch ihn hatten 2013 Gehirnerschütterungen, letztlich ein Schädel-Hirn-Trauma, zum Karriereende gezwungen. Einige der Symptome, mit denen Busch zuletzt klarkommen musste, kennt auch Ustorf: Schwindel, Kopfschmerzen bei körperlicher Anstrengung, Probleme mit dem räumlichen Sehen, dem Fokussieren, dem Wechsel vom Dunklen ins Helle.

„Mit Gehirnerschütterungen ist es nie einfach“, sagt Eisbären-Manager Lee. „Wenn der Körper nicht mehr kann, wenn du aufgeben musst, ist das eine schwierige Entscheidung. Aber Buschi hat gemerkt, dass es nicht mehr geht.“