Schlussmann Tomas Koubek und seine Augsburger Kollegen können das 1:0 von Ramy Bensebaini für Gladbach nicht verhindern.
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BerlinAlles begann mit Villiam Schrojf. Der Torhüter der tschechoslowakischen Nationalmannschaft hielt bei der Weltmeisterschaft 1962 in Chile bis zum Finale, was zu halten war, und noch viel mehr. Mit Abstand wurde er zum besten Keeper des Turniers gewählt. Doch im Endspiel ließ er dann einen Schuss von Amarildo zum 1:1-Ausgleich ins kurze Eck rutschen, später patschte er, von der Sonne geblendet, eine Flanke genau vor die Füße von Vavá, der zum 3:1-Endstand für Brasilien traf. Ein früher Vorbote des Schicksals, das einem gewissen Oliver Kahn 40 Jahre später in Japan und Südkorea zuteilwerden sollte. 

Wie der Slowake Schrojf waren auch seine tschechischen Kollegen häufig nicht gerade Schoßkinder des Glücks und trugen maßgeblich dazu bei, dass sich die Qualität ihrer jeweiligen Nationalmannschaften kaum in Erfolgen und Titeln widerspiegelte. Kein Vorwurf war Frantisek Planicka zu machen, der im WM-Endspiel 1934 gegen Italien bei beiden Treffern zum 1:2 chancenlos war und 1938 in der brutalen „Schlacht von Bordeaux“ beim 1:1 gegen Brasilien die meiste Zeit mit einem gebrochenen Arm spielte. Trotzdem hielt er wie ein Weltmeister, der er dann nicht wurde, weil er beim 1:2 im Viertelfinal-Wiederholungsspiel fehlte.

Auch Petr Cech war machtlos

Petr Kouba hingegen ließ bei der EM 1996 im Finale gegen Deutschland einen harmlosen Schuss von Oliver Bierhoff zum Golden Goal passieren, und selbst der große Petr Cech konnte 2004 in Portugal nicht verhindern, dass eine der besten tschechischen Mannschaften aller Zeiten im EM-Halbfinale mit 0:1 an Griechenland scheiterte. Über allen steht Ivo Viktor, der bei der Europameisterschaft 1976 nicht nur grandios hielt, sondern auch Uli Hoeneß so nachhaltig hypnotisierte, dass dieser den Ball im Elfmeterschießen schnurstracks Richtung Alpha Centauri beförderte.

Der einzige große Fußballtitel des Landes, sieht man mal vom Olympiasieg 1980 ab (1:0 gegen die DDR, mit Stanislav Seman im Tor). Der kurze historische Abriss zeigt, dass es so eine Sache ist mit den Torhütern aus Tschechien, womit wir bei Tomas Koubek und dem FC Augsburg wären.

Mit den besten Referenzen

Der 27-Jährige sollte eigentlich die ultimative Lösung für das Torwartproblem sein, das den Klub plagt, seit sich der schweizerische Elfmeterpunktzerstörer Marvin Hitz im Sommer 2018 auf Borussia Dortmunds Ersatzbank verabschiedete. Ein gutes Dutzend Punkte mindestens haben die verschiedenen Probanten den FC seitdem gekostet, erst Fabian Giefer, der nach nur vier Spielen und teilweise kuriosen Patzern seinen Platz räumen musste, dann der ebenfalls fehleranfällige Andreas Luthe. Mit der Hoffenheimer Leihgabe Gregor Kobel wurde es in der Rückrunde besser, doch eine Verpflichtung scheiterte, nun spielt Kobel leihweise beim VfB Stuttgart.

Koubek kam mit den besten Referenzen. Zwei Jahre hatte er bei Stade Rennes solide das Tor gehütet, es zur Nummer zwei im Nationalteam gebracht und den französischen Pokal gegen Paris St. Germain gewonnen. Sieben Millionen Euro Ablöse waren ein stolzer Preis für einen Bundesliga-Torhüter, die Erwartungen entsprechend hoch, auch wenn Koubek kürzlich nicht zu Unrecht anmerkte: „Was sind schon sieben Millionen im modernen Fußball?“

Eine gewisse Schwerfälligkeit

An Selbstbewusstsein mangelt es ihm ohnehin nicht, nachdem er vor zwei Wochen den Freiburger Treffer beim 1:1 mit einem Abklatscher vorbereitet hatte, räumte er den Fauxpas zwar ein, meinte aber, seine Vorderleute hätten ja schließlich auch noch was tun können. Vorwürfe einer gewissen gewichtsbedingten Schwerfälligkeit mag er ebenfalls nicht gelten lassen. 50 Gegentore haben die Augsburger bisher kassiert, sieben davon gehen nach wohlwollender Rechnung auf die Kappe von Koubek, darunter am Sonnabend der erste Treffer beim 2:3 gegen Borussia Mönchengladbach, als der Tscheche, dem eine ausgeprägte Tendenz zum Vagabundieren anhaftet, weit vorm Tor zwischen seinen Abwehrspielern herumirrte.

Unbeantwortet ist bisher die Frage, wieso anderswo untadelige Torhüter wie Giefer, Luthe und Koubek ausgerechnet in Augsburg zu wahren Fehlerteufeln mutieren. Und manches deutet darauf hin, dass bald wieder Andreas Luthe der Sache auf den Grund gehen darf. Irgendwann kommt dann der nächste Hoffnungsträger – wohl eher nicht aus Tschechien.